Raphael Rauch

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Portrait von Raphael Rauch
Raphael Rauch (2018)

Raphael Rauch (* 6. November 1985 in Stuttgart) ist ein deutscher Journalist, Zeithistoriker und römisch-katholischer Religionspädagoge. Er lebt in Zürich und ist seit März 2020 Redaktionsleiter von kath.ch, dem deutschsprachigen Religionsportal des Katholischen Medienzentrums im Auftrag der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz.

Zuvor trat er im Bereich Radio und Fernsehen in Erscheinung, etwa beim SRF-Politmagazin Rundschau, in der SRF-Religionsredaktion und bei der ZDF-Website heute.de.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Raphael Rauch wuchs in Stuttgart, Cochabamba (Bolivien) und Leutkirch im Allgäu auf. Der Bolivien-Aufenthalt von 1991 bis 1994 kam über den Entwicklungsdienst seiner Eltern zustande. 2005 legte er das Abitur am Salvatorkolleg in Bad Wurzach ab.

Er studierte Geschichte, Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Tübingen, Aix-en-Provence und an der Yale University. An der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen arbeitete er am Lehrstuhl für Religionspädagogik, Kerygmatik und kirchliche Erwachsenenbildung von Albert Biesinger. Das Thema seiner Magisterarbeit war: „Islam im Rundfunk“.[1]

2012 wurde er Mitglied des Internationalen Graduiertenkollegs der LMU München „Religiöse Kulturen“. 2016 wurde er von der Universität München zum Dr. phil. promoviert. Seine Doktorarbeit behandelt Antworten der deutschen TV-Sender auf die US-amerikanische TV-Serie „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss“.[2] An der Universität Zürich forschte er im Rahmen des SNF-Forschungsprojekts „Die Integration spiritueller Aspekte in die Gesundheitspolitik der WHO seit 1984“.[3]

Rauch arbeitet als Lehrbeauftragter an der Theologischen Fakultät der Universität in Fribourg (Université de Fribourg) und als Moderator des Zurich Film Festival (ZFF).

Umstrittene Tätigkeit als Redaktionsleiter von kath.ch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit März 2020 ist Raphael Rauch Redaktionsleiter von kath.ch.[4] Er führte dort eine Wochenrubrik ein, zu der auch seine wöchentliche Kolumne „Rauchzeichen“ gehört.[5] „Rauchzeichen“ ist auch der Name seines Podcasts.[6] Rauch änderte den bisherigen moderaten Kurs des Nachrichtenportals in einen forschen. Nach Simon Hehli von der Zürcher Zeitung trimme Rauch das „einst brave katholische Medienportal“ auf „Boulevard und Konfrontation“, wobei er sich mit seinen Provokationen viele Gegner einhandle.[7] Der Schweizer Nationalrat Roger Köppel sprach gar von einem „Deutschen Rabiat-Kurs bei kath.ch“.[8][9] Für einen Holocaust-Vergleich im Zusammenhang der Debatte um die Konzernverantwortungsinitiative geriet Rauch massiv in die Kritik; der Schweizerische Israelitische Gemeindebund intervenierte.[10] Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) und die Römisch-Katholische Zentralkonferenz (RKZ) entschuldigten sich in einer gemeinsamen Erklärung für Rauchs Aussagen, der die „Ablehnung der Konzern-Initiative mit dem Holocaust in Verbindung brachte.“ Wörtlich heißt es: „Die SBK und RKZ als Auftraggeberinnen des Medienzentrums von kath.ch bedauern diese Äusserung zutiefst, distanzieren sich entschieden davon und bitten um Entschuldigung.“[11]

Im Juli 2021 übten einige Mitglieder des katholischen Pressevereins der Schweiz, darunter auch der Vereinspräsident Vögtlin, Kritik an der neuen Linie von kath.ch und ihres Redaktionsleiters. Der journalistische Stil stehe der Manipulation näher als dem Journalismus, hieß es.[12] Der Sprecher der Erzdiözese Wien kritisierte in der Tageszeitung Die Presse Rauchs verletzenden Ton im Umgang mit dem Journalisten Giuseppe Gracia, dessen Charakter Rauch auf kath.ch angegriffen hatte.[13] „Bisher (war es) im christlichen Umfeld noch verpönt,“ so Michael Prüller, „die Kritik an einer Handlung durch ein Abqualifizieren des Handelnden zu ersetzen.“[14] Im Oktober 2021 entschuldigte sich das Präsidium der Schweizer Bischofskonferenz mittels einer Pressemitteilung für einen Artikel, in dem Rauch den Philosophen Dominikus Kraschl scharf angriffen und ihn darin unter anderem als „Reizfigur“, „Wolf im Schafspelz“ und „Problembär“ bezeichnet hatte, und missbilligte „diese Art der Berichterstattung“: „Die Tonalität sowie die anonym vorgetragenen Beschuldigungen entsprechen nicht den Erwartungen an ein katholisches Medienportal.“[15]  

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • (Mitarbeit an:) Albert Biesinger, Friedrich Schweitzer: Religionspädagogische Kompetenzen. Zehn Zugänge für pädagogische Fachkräfte in Kitas. Freiburg 2013.
  • mit Vera Krause, Marco Moerschbacher (Hrsg.): Angekommen in der Welt von heute. Basisgemeinden erneuern die Praxis der Kirche. Ostfildern 2014.
  • „Visuelle Integration“? Juden in westdeutschen Fernsehserien nach „Holocaust“ (= Religiöse Kulturen im Europa der Neuzeit, Band 10). Göttingen 2018.[16]

Artikel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Von A wie Alkohol-Prävention bis Z wie Zakat : Die spirituelle Dimension von Gesundheit in der WHO-Region Östliches Mittelmeer, in: Peng-Keller, Simon / Neuhold, David (Hrsg.): Spiritual Care im Gesundheitswesen des 20. Jahrhunderts, Darmstadt 2019, S. 73–120.
  • 10 Jahre „Islamisches Wort“ und „Forum am Freitag“ : Rückblick und Ausblick auf Islam im Rundfunk, in: Communicatio Socialis 3 (2017), S. 391–405.
  • Muslime auf Sendung : Das „Türkische Geistliche Wort“ im ARD-„Ausländerprogramm“ und islamische Morgenandachten im RIAS, in: Rundfunk und Geschichte 1–2 (2015), S. 9–21.
  • „Neues Sendungsbewusstsein“ : Islamische Verkündigung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, in: Communicatio Socialis 3–4 (2013), S. 455–478.
  • „Mix aus Information, Musik und Ritus“. Jüdische Radiosendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, in: Communicatio Socialis 2 (2013), S. 146–163.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Raphael Rauch: „Neues Sendungsbewusstsein“. Islamische Verkündigung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. In: Communicatio Socialis 3–4 (2013). S. 455–478.
  2. Raphael Rauch: „Visuelle Integration“? Juden in westdeutschen Fernsehserien nach „Holocaust“. Göttingen 2018.
  3. Die Integration spiritueller Aspekte in die Gesundheitspolitik der WHO seit 1984. Abgerufen am 3. Januar 2021.
  4. Neuer kath.ch-Leiter im Interview über „die Eidgenossen“ Vatican News
  5. Rauchzeichen. Abgerufen am 3. Januar 2021.
  6. Katholisch. Aktuell. Relevant. Der Podcast-Talk mit Raphael Rauch. Abgerufen am 3. Januar 2020.
  7. Simon Hehli: «Kath.ch»: Redaktor bringt katholisches Medienportal auf Kurs. In: Neue Zürcher Zeitung. (nzz.ch [abgerufen am 25. November 2021]).
  8. Buchtipp: Paul Johnson: Intellectuals. Corona-Streit in der Schweiz und die TV-Arena. Deutscher Rabiat-Kurs bei kath.ch. Medien gegen die angeblichen Trödel-Kantone. Moskaus Prestige und die Corona-Impfung. Abgerufen am 25. November 2021 (deutsch).
  9. Deutscher Rabiat-Kurs bei kath.ch. Abgerufen am 25. November 2021.
  10. Wie ein junger Deutscher das einst brave katholische Medienportal auf Boulevard und Konfrontation trimmt NZZ
  11. katholische-kirche-zug.ch – Erklärung von SBK und RKZ zur Kovi-Abstimmungsdebatte. Abgerufen am 25. November 2021 (deutsch).
  12. Website kath.ch gesehen am 5. Juli 2021.
  13. Raphael Rauch: Giuseppe Gracia: Erst das Fressen, dann die Moral. In: kath.ch. 17. Juli 2021, archiviert vom Original; abgerufen am 28. Juli 2021.
  14. Michael Prüller: Zeit der Verachtung. In: Die Presse. Archiviert vom Original; abgerufen am 28. Juli 2021.
  15. Das Präsidium der SBK distanziert sich vom Artikel auf kath.ch – Schweizer Bischofkonferenz. Abgerufen am 25. November 2021 (deutsch).
  16. Johannes Stollhof: Raphael Rauch: »Visuelle Integration«? Rezension. In: Sehepunkte. 15. März 2020, abgerufen am 29. April 2021.