Römisch-katholische Kirche in der Schweiz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Die katholischen Bistümer in der Schweiz

Die römisch-katholische Kirche in der Schweiz ist der in der Schweiz gelegene Teil der römisch-katholischen Weltkirche. Sie zählte 2017 etwa 3,1 Millionen Gläubige, was einem Bevölkerungsanteil von 36,5 % entsprach. 2010 waren es noch 38,6 %.[1][2] Eine Schweizer Besonderheit ist die Ergänzung des kirchenrechtlichen Systems durch das staatskirchenrechtliche System und das damit verbundene Mit- und Nebeneinander.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation der römisch-katholischen Kirche der Schweiz weist ein weltweit einmaliges Nebeneinander von hierarchisch organisierter Bischofskirche und demokratisch organisierter Landeskirche auf.[3]

Im Folgenden werden die sechs unmittelbar Rom unterstellten Bistümer aufgelistet (Stand 31. Dezember 2011 / AP 2013):

Bistum Sitz Kantone Fläche
(in km²)
Einwohner (2011) Katholiken (2011) Anteil (2011)
(in %)
Pfarreien (2011)
Bistum Basel Solothurn Aargau, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Bern, Jura, Luzern, Schaffhausen, Solothurn, Thurgau, Zug 12.585 3.096.000 1.094.000 35,3 520
Bistum Chur Chur Glarus, Graubünden, Nidwalden, Obwalden, Uri, Schwyz (ausser Gebietsabtei Kloster Einsiedeln), Zürich 12.272 1.769.999 0686.660 38,8 308
Bistum Lausanne, Genf und Freiburg Freiburg Freiburg, Genf, Neuenburg, Waadt 05.557 1.619.000 0703.000 43,4 255
Bistum Lugano Lugano Tessin 02.811 0317.000 0241.000 76,0 256
Bistum St. Gallen St. Gallen Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, St. Gallen 02.429 0551.707 0262.806 47,6 142
Bistum Sitten Sitten Wallis (ausser Gebietsabtei Saint-Maurice), Bezirk Aigle (Kanton Waadt) 05.589 0316.000 0242.000 76,6 158

Dazu gibt es noch zwei Gebietsabteien:

Diese Bistümer und Gebietsabteien sind in der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) zusammengeschlossen.

Die kantonalen staatskirchenrechtlichen Organisationen sind in der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ) vereinigt. Sie umfassen z. B. die Kirchgemeinden zur Verwaltung der Kirchengüter, die im 19. Jahrhundert unter liberalem Druck von den Pfarreien abgetrennt und demokratisch organisiert wurden.[4]

Hinsichtlich der Ernennung von Bischöfen in den Bistümern Basel, Chur und St. Gallen gelten besondere Regelungen. Beispielsweise kann das Bistum Basel seinen Bischof weitgehend unabhängig vom Vatikan bestimmen, und die Regierung des Kantons Solothurn, der Sitzkanton des Bistums ist, kann ihr nicht genehme Bischofskandidaturen zwingend ablehnen. Die Regelung geht auf den Kulturkampf zurück und gilt eher als Seltenheit.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die historische kirchliche Einteilung der Schweiz

Die ersten Bistümer auf dem heutigen Schweizer Staatsgebiet wurden noch in spätrömischer Zeit (3./4. Jahrhundert) gegründet, u. a. in Genf und Avenches.

Von Norden her begann Christianisierung durch anglo-irische Missionare im Frühmittelalter. Bis zur Reformation durchdrang die römische Kirche sämtliche Bereiche des gesellschaftlichen und staatlichen Lebens umfassend.

Eine zweite Phase der Zurückdrängung nach der Reformation bildeten Aufklärung, Liberalismus und Kulturkampf. Auch danach setzte sich – analog den anderen Konfessionen – die Säkularisierung des gesellschaftlichen Lebens fort.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gesellte sich – nebst Kirchenaustritten – die Einwanderung von Personen anderer Kulturkreise/Religionen hinzu. Zudem hat man zunehmend mit Priestermangel zu kämpfen. Dennoch stellt die römische Kirche weiterhin die grösste Konfessionsgruppe des Landes.

Der konservative Churer Bischof Vitus Huonder fordert, analog zu laizistischen Kreisen, aber mit anderen Motiven, die Trennung von Kirche und Staat.[6] In Basel-Stadt und einigen Westschweizer Kantonen gibt es diese Trennung bereits seit längerem. Manche Gläubige des Bistums andererseits fordern – ähnlich wie schon zur Zeit von Bischof Wolfgang Haas – eine Absetzung Huonders, im Kanton Zürich gar eine Loslösung vom Bistum Chur.[7]

Schweizer Kardinäle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt gegenwärtig zwei Schweizer Kardinäle, die sich beide in Rom aufhalten: Kurt Koch und Henri Schwery. Der geschichtlich einflussreichste Schweizer Kardinal war Matthäus Schiner, der beim Konklave 1521–1522 beinahe Papst geworden wäre.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz. In: Nicolas Michel (Hrsg.): Rerum Novarum 1891–1991. Cent ans d'enseignement social chrétien / Hundert Jahre Christliche Soziallehre. Universität Freiburg (Schweiz), Fribourg 1991, S. 29–30.
  • Ulrich Im Hof: Geschichte der Schweiz. Kohlhammer, Stuttgart 1974.
  • Erich Gruner, Beat Junker: Bürger, Staat und Politik in der Schweiz. Lehrbuch für den staatsbürgerlichen Unterricht an höheren Mittelschulen der deutschen Schweiz. Basel Lehrmittelverlag, Basel-Stadt 1968.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Religionen, Statistik Schweiz, abgerufen am 6. Februar 2018
  2. Der Bund kurz erklärt 2013 (Memento des Originals vom 30. Oktober 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bk.admin.ch. Die Bundesbehörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft (admin.ch). Abgerufen am 29. April 2013.
  3. Erläuterungen der röm.-kath. Kirche Aargau
  4. Hans Berner: Kirchgemeinde. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 20. Mai 2010, abgerufen am 5. Juni 2019.
  5. E. Gruner/B. Junker: Bürger, Staat und Politik in der Schweiz
  6. Kipa-Meldung vom 10. Juni 2013
  7. Blickpunkt Religion von Radio SRF, 30. November 2014

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]