Raymund Schlecht

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Raymund Schlecht (* 11. März 1811 in Eichstätt; † 24. März 1891 ebenda) war ein deutscher Geistlicher, Pädagoge und Musikforscher.

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlecht besuchte nach seiner Schulzeit in Eichstätt ab dem Jahr 1826 das Gymnasium in Neuburg an der Donau, wonach er dann 1829 an das Lyceum in Regensburg wechselte. Hier studierte er Mathematik und Physik und nach Aufnahme des Theologiestudiums vor allem Orientalische Sprachen. 1833 trat er in das Priesterseminar in Eichstätt ein und wurde hier am 28. August 1834 zum Priester geweiht.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach nur kurzer Seelsorgstätigkeit als Hauskaplan des Pfarrers von Pollenfeld wurde er 1836 zum Präfekten und ersten Lehrer des neugegründeten Schullehrerseminars für die Oberpfalz in Eichstätt und 1838 zu dessen Direktor mit dem Titel "Inspektor" ernannt. Hier wirkte er bis zu seiner Pensionierung 1868. 1846 gründete er eine eigene Seminarschule, um den angehenden Lehrern die Möglichkeit zu geben, die Praxis des Unterrichtens einzuüben.

Nach seiner Pensionierung unternahm Schlecht ausgedehnte Forschungen auf dem Gebiete der Musikwissenschaft und der Liturgik. Insbesondere widmete er sich der Wiederherstellung des ursprünglichen Singweisen des Gregorianischen Chorals, der in der seinerzeit für die katholische Kirche offiziell eingeführten Editio Medicaea nur mehr in stark verstümmelter Form erhalten war.

Zu diesem Zweck regte Raymund Schlecht 1872 die Gründung eines Vereines "zur Erforschung alter Choralhandschriften behufs Wiederherstellung des Cantus S. Gregorii" durch den Dommusikdirektor Michael Hermesdorff aus Trier an. Diesem Verein traten nach und nach die bedeutendsten europäischen Choralforscher wie Dom Joseph Pothier aus der Abbaye Saint-Pierre de Solesmes, P. Anselm Schubiger aus dem Kloster Einsiedeln, P. Ambrosius Kienle, Abbé Jules Bonhomme, François-Auguste Gevaert, Théodore Nisard, P. Hugo Gaisser aus der Abtei Maredsous, Peter Piel, Peter Bohn, Heinrich Böckeler, Heinrich Oberhoffer, Robert Eitner, aber auch prominente Instrumentalvirtuosen wie Jacques-Nicolas Lemmens bei. Die Forschungsergebnisse des Vereines wurden in der von Hermesdorff herausgegebenen Zeitschrift "Cäcilia" in Form handschriftlicher Synopsen der von den Vereinsmitgliedern eingesandten Vergleichsmaterialien diskutiert und führten schließlich zur Edition des Graduale ad normam cantus S. Gregorii Michael Hermesdorffs ab dem Jahr 1876.

Raymund Schlecht steuerte zu den fachlichen Diskussionen in dieser Zeitschrift u. a. eine Neumentabelle, Abhandlungen über die Bedeutung der Neumen, den Rhythmus des Gregorianischen Chorals sowie den Charakter der Choraltonarten bei, ordnete die Gesänge anhand historischer Tonarien und übersetzte und kommentierte verschiedene mittelalterliche Abhandlungen über musiktheoretische Fragestellungen.

Neben seiner musikwissenschaftlichen Tätigkeit widmete er sich vor allem der kirchenmusikalischen Schulung der Lehrer.

Ehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1859 wurde Schlecht vom bayerischen König zum Geistlichen Rat ernannt.
  • 1879 wurde er Ehrenmitglied der Gesellschaft für Musikforschung.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Offizium f. die Mette in der hl. Christnacht u. f. die Charwoche nebst den Choralmelodien u. dt. Rubriken, Nördlingen 1843 (6. Auflage 1883)
  • Kleine Raumlehre. Eichstätt 1846
  • Deutsche Vesperspalmen und Hymnen mit lithographirten Hymnen. Eichstätt 1846
  • Jesus unsere Zuflucht und Hilfe. Augsburg 1847
  • Vesperae Breviarii Romani. Die Vespern nach dem römischen Brevier mit einer Einleitung über die bei Vespern zu beobachtenden Zeremonien mit dt. Rubriken u. den Choralmelodien, Orgelbegleitung, Nördlingen 1852
  • Auswahl deutscher Kirchengesänge alter und neuer Zeit, zum Gebrauch in Schullehrer-Seminarien, sowie für Lehrer und Freunde des deutschen Kirchengesanges, Nördlingen, I, 1848, II, 1849, III, 1850, IV, 1854
  • Denk- und Sprachlehre. Nördlingen 1856
  • Geschichte der Kirchenmusik, Verl. A. Coppenrath, Regensburg 1871
  • Musikgeschichte Eichstätt, I-IV (hs.), Eichstätt 1883
  • Zahlreiche Beiträge in den Monatsheften für Musikgeschichte und anderen Fachzeitschriften für Musik

Nachlass[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Universitätsbibliothek Eichstätt, Nachlaß Raymund Schlecht im Eigentum des Bischöflichen Domkapitels Eichstätt und im Besitz des Bischöflichen Seminares St. Willibald, Eichstätt

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Morgott: Raymund Schlecht, kgl. geistl. Rat, weiland Seminar-Direktor in Eichstätt. Ein Gedenkblatt. Donauwörth 1891
  • Wilhelm BäumkerSchlecht, Raymund. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 34, Duncker & Humblot, Leipzig 1892, S. 719–721.
  • Joseph Gmelch: Neue Aktenstücke zur Geschichte der Regensburger Medizaea. Aus dem literarischen Nachlasse Raymund Schlechts. (Separatdruck aus dem »Kirchenchor«), Eichstätt 1912
  • Ders.: Raymund Schlecht. Sein Lebensgang, sein Wirken und seine schriftstellerische Tätigkeit. In: Sammelblatt des Historischen Vereines Eichstätt, XLV, 1930, S. 24–74
  • Hubert Unverricht: Zur Kiedricher Choraltradition. Aus dem Briefwechsel Raymund Schlechts (1811-1891). In: Arbeitsgemeinschaft für mittelrheinische Musikgeschichte, Mitt. 56, 1990
  • Ders.: Raymund Schlechts Bemühungen um die Gregorianik. In: Studien zur Kirchenmusik im 19. Jahrhundert, Friedrich Wilhelm Riedel zum 60. Geburtstag, hrsg. v. Christoph Hellmut Mahling, Tutzing 1994
  • Helmut Hawlata (Redaktion): Vom Königlichen Lehrerseminar zum Musischen Gymnasium 1835–1985. Festschrift und Jahresbericht 1984/85. Gabrieli-Gymnasium, Eichstätt 1985
  • Thematischer Katalog der Musikdrucke der Sammlung Raymund Schlecht (siehe Literaturnachträge)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wikisource: Raymund Schlecht – Quellen und Volltexte
Commons: Raymund Schlecht – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien