Real Academia de la Historia

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Real Academia de la Historia
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Gründung 1904
Trägerschaft staatlich
Ort Madrid
Präsident Xesús Alonso Montero
Website www.rah.es
Sitz der Real Academia de la Historia an der Kreuzung der cal. León, Cal. de las Huertas, Amor de Dios & Santa María, Madrid.

Die Real Academia de la Historia de España (dt. Königliche Akademie der Geschichte) ist eine spanische Institution, die dem Studium der Geschichte Spaniens dient.[1] Der Sitz der Organisation befindet sich in Madrid.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Real Cédula (Königlicher Erlass) vom 17. Juni 1738, mit der Approbation der Statuten der Akademie.

Die Ursprünge der Königlichen Akademie der Geschichte 1735 entstanden aus einem Gelehrten Salon, im Haus von Julián Hermosilla, einem Anwalt des Königlichen Rates (Reales Consejos), in dem vor allem historische Themen behandelt wurden.

Später zog der Gelehrtenzirkel um in die neu gegründete Real Biblioteca (Königliche Bibliothek) und man bemühte sich um die Protektion von Philipp V., der die offizielle Gründung der Real Academia de la Historia durch ein königliches Dekret vom 18. April 1738 veranlasste und die Statuten der Akademie am 17. Juni desselben Jahres bestätigte. In dem Dekret heißt es: "Die Akademie habe die wichtige Aufgabe, die Wahrheit der Ereignisse zu erforschen, die Legenden zu verbannen, die durch Unwissenheit oder Bosheit eingeführt worden sind, einzuführen in die Kenntnis vieler Dinge, die durch das Alter verdunkelt oder aus Vernachlässigung vergraben worden sind."[2]

1785 ordnete Karl III. den Umzug in die Casa de la Panadería, an der Plaza Mayor de Madrid, an, wo sich seit 1775 bereits die Bibliothek der Akademie befand.

1836, unter der Regierung von Juan Álvarez Mendizábal, wurde der Akademie eine große Zahl von Codices, Dokumenten und Büchern übergeben, die in dem Palast (caséron) Nuevo Rezado in der Calle del León Nr. 21 untergebracht wurden. Sie stammten von den Hieronymiten des El Escorial und gingen im Zuge der Desamortización (Enteignung der Orden) an den Staat über. Die Königliche Ordre erging am 23. Juli 1837. Die tatsächliche Überführung dauerte bis 1874.

Am 1. Januar 1938 wurde die Akademie bei der Gründung in das Instituto de España aufgenommen.

Errungenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 21. Juli 1999 schloss die Real Academia einen Vertrag mit dem Ministerio de Educación, Cultura y Deporte über die Erstellung eines Diccionario Biográfico Español innerhalb von 8 Jahren, das 40.000 Biographien von historischen Persönlichkeiten Spaniens enthalten sollte.

Im Dezember 2008 veröffentlichte das Centro de Estudios Biográficos im Internet eine Datenbank mit den biographischen Daten der 40.000 Persönlichkeiten im Diccionario Biográfico Español.

Im Februar 2009 übernahm Königin Sophia in Madrid den Vorsitz bei der feierlichen Präsentation des Atlas Cronológico de la Historia de España (ACHE), dem ersten Referenziellen Werk mit normativem Charakter, der von der Real Academia herausgegeben und von der Grupo SM gedruckt wurde.[3] Das Werk ist über einen Internetzugang für registrierte Nutzer zugänglich.[4]

Im Mai 2011 konnte das Diccionario Biográfico Español der Öffentlichkeit übergeben werden. Juan Carlos I. und Sophia erhielten persönlich die ersten 25 Bände des Werkes, die Anfang 2012 ergänzt wurden zur Vollzahl von 50 Bänden.[5]

Sitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sitz der Real Academia de la Historia wurde vom Architekten Juan de Villanueva entworfen. Das Gebäude ist Aufbewahrungsort der Gebetbücher (libros de rezos – daher auch der Gebäudename "Nuevo Rezado") der Hieronymiten. Daher findet man an der Fassade auch eine Parrilla (ein Rost), das Symbol des Märtyrers San Lorenzo. Der Bau begann 1788. Die Architektur zeigt nur sparsam Ornamente, benutzt aber großartige Proportionen und kostbare Materialien. Die zeitgenössischen Chroniken berichten von der Bewunderung der Menschen, als die Türpfosten und Türsturze auf 28 Ochsengespannen in Madrid eintrafen. 1836 wurde das Gebäude desamortiziert (Regierung von Juan Álvarez Mendizábal) und der Real Academia de la Historia zugesprochen.

Zwischen 1871 und 1874 wurden unter Architekt Eduardo Saavedra Renovierungsarbeiten durchgeführt. 1945 wurde das Gebäude zum Monumento Nacional erklärt. Dem Nuevo Rezado wurde 1974 der Palacio del Marqués de Molins und ein kleines Haus in der Calle de las Huertas angegliedert, wodurch der gesamte Häuserblock zwischen den Calles León, Huertas, Amor de Dios und Santa María Eigentum der Akademie wurde.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Leitung obliegt der Junta de Gobierno (Regierungsrat), die sich jeden Freitag (außer in den Ferien) um sieben Uhr abends trifft. Der Rat besteht aus:

  • Director (alle drei Jahre gewählt).
  • Secretario (auf Lebenszeit gewählt, der Leiter der Verwaltung).
  • Censor (alle drei Jahre gewählt, überwacht die Einhaltung der Vereinbarungen).
  • Tesorero (jährlich gewählt, Schatzmeister).
  • Bibliotecario (auf Lebenszeit gewählt, verwaltet die Bibliothek).
  • Anticuario (auf Lebenszeit gewählt, verwaltet die archäologischen Objekte).
  • Académico adjunto a la Comisión de Gobierno y Hacienda (Stellvertreter für die Verwaltungskommission).

Die Arbeit der Akademie wird durch verschiedene Arbeitskommissionen geleistet. 2006 hatte die Akademie die folgenden Kommissionen:

  • Dauerhafte Comisiones:
    • Comisión de Indias (Indien-Kommission)
    • Comisión de Historia Eclesiástica (Kirchengeschichts-Kommission)
    • Comisión de Antigüedades y Estudios Clásicos (Kommission der Altertümer und Klassischen Studien)
    • Comisión de Cortes y Fueros (Kommission Für Gerichte)
    • Comisión de Estudios Orientales y Medievales (Kommission für Orientalische und Mittelalterliche Studien)
    • Comisión de Gobierno y Hacienda (Verwaltungskommission)
    • Comisión Dictaminadora de las Propuestas de Correspondientes (Kommission für Vorschläge der Korrespondierenden Mitglieder)
    • Comisión de Actividades y Publicaciones (Kommission für Veranstaltungen und Veröffentlichungen)
    • Comisión de Heráldica (Heraldik-Kommission)
    • Comisión de Legislación histórica de España (Kommission für Rechtsgeschichte)
    • Comisión Mixta de las Reales Academias de la Historia y de Bellas Artes de San Fernando (Gemischte Kommission der Historischen Akademie und der Akademie der Schönen Künste San Fernando)
  • Spezial-Kommissionen für das Biographische Wörterbuch (Comisiones especiales para el Diccionario Biográfico Español):
    • Comisión de Ciencias Económicas, Sociales y Políticas (Kommission für Wirtschaft, Soziales und Politik)
    • Comisión de Letras y Humanidades (Kommission für Geisteswissenschaften)
    • Comisión de Arte y Música (Kommission für Kunst und Musik)
    • Comisión de Historia Política y Administración (Kommission für politische Geschichte und Verwaltung)
    • Comisión de Historia (varios) y Espectáculos (Kommission für Geschichte und Ereignisse)
  • Externe Kommissionen (Comisiones externas para el Diccionario Biográfico Español):
    • Comisión Española de Historia Militar (Kommission für Militärgeschichte)
    • Comisión de Ciencias y Aplicaciones (Kommission für Wissenschaft und Technik)

Corporaciones Iberoamericanas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Akademie steht in ständigem Austausch mit vergleichbaren Korporationen in der neuen Welt (corporaciones de Iberoamérica):

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritik am Diccionario Biográfico Español[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2011 rief die Veröffentlichung des Diccionario Biográfico Español Kritik und Anschuldigungen hervor.[6][7][8] Einige der Biographien hatten inhaltliche Mängel, wie zum Beispiel diejenige von Francisco Franco — verfasst von dem Historiker Luis Suárez Fernández, der gleichzeitig Präsident der Bruderschaft vom Valle de los Caídos ist. In der Biographie wurde Francos Regierung nicht als Diktatur charakterisiert, während dieses Adjektiv in der Biographie von Juan Negrín auftauchte,[9] oder in der Biographie von Felipe González, die von Juan Luis Cebrián verfasst worden war, dem Präsidenten der grupo PRISA. Offensichtlich waren die Biographien nicht neutral verfasst worden. Die Akademie veröffentlichte daraufhin ein Kommuniqué, in dem sie auf die ideologische Unabhängigkeit der Akademie, die akademische Freiheit ihrer Mitglieder, und die ausgesprochene Pluralität der Autoren verwies.[10] Auch einige der Autoren verteidigten das Gesamtwerk.[11]

Bereits im Juni 2011 wurde eine Kommission zur Revision des Diccionario eingesetzt, nach dem der Erziehungsminister Ángel Gabilondo Druck ausgeübt hatte und es zu befürchten war, dass eine Bewegung im Congreso de los Diputados die bewilligten Mittel wieder entziehen würde. Die Kommission nahm im folgenden Jahr, im April ihre Arbeit auf, aber bereits im Mai 2012 (laut einem Bericht in El País) verlautbarte sie, dass keine Biographie abgeändert werden solle, noch "alternative Biographien veröffentlicht" werden sollten[12]. Nur kleine Änderungen sollten erfolgen. Trotzdem bewilligte der neue Erziehungsminister José Ignacio Wert die Subventionen und zahlte 193.000 EURO für das "Diccionario" aus. Die Entscheidung wurde von vielen Historikern und vor allem von der Asociación de Historia Contemporánea (unter Carlos Forcadell) kritisiert und für mangelnde Professionalität gerügt.[13] Drei Tage nach dem Zeitungsbericht verkündete Wert jedoch vor dem Unterhaus, dass 14 Einträge grundlegend (en profundidad), einer gelöscht und 16 leicht (ligeramente) verändert worden seien.[14]

Grundsätzliche Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kritik am Diccionario Biográfico Español weiteten sich auf eine Kritik der gesamten Akademie aus. Kritisiert wurden ihre beschränkte Aufnahme, der geringe Anteil von Frauen an den Mitgliedern, die zentralistische Ausrichtung und das Übergewicht von Historikern der glorreichen Könige und Konquistadoren, sowie anachronistische Institutionen wie der "Censor".[15][16][17]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Akademie beschränkt sich auf 36 Mitglieder, nimmt aber "Korrespondierende Mitglieder" (Académicos Correspondientes) aus allen spanischen Provinzen und der ganzen Welt auf, so dass sie 2006 insgesamt 370 Mitarbeiter hatte. Vollmitglieder sind:[18]

  1. Vicente Pérez Moreda
  2. Hugo O'Donnell y Duque de Estrada
  3. Francisco Rodríguez Adrados
  4. Luis Suárez Fernández
  5. Feliciano Barrios Pintado
  6. Pedro Tedde de Lorca
  7. Josefina Gómez Mendoza
  8. José Remesal Rodríguez
  9. María del Pilar León-Castro Alonso
  10. Octavio Ruiz-Manjón
  11. Martín Almagro Gorbea
  12. Carlos Seco Serrano (Decano)
  13. Jaime de Salazar y Acha
  14. Francisco Javier Puerto Sarmiento
  15. Juan Pablo Fusi Aizpurúa
  16. Antonio Cañizares Llovera
  17. nicht besetzt
  18. José Antonio Escudero López
  19. Luis Antonio Ribot García
  20. Fernando Díaz Esteban
  1. José Ángel Sesma Muñoz.[19]
  2. Enriqueta Vila Vilar
  3. Carmen Iglesias Cano
  4. Fernando Marías Franco[20]
  5. Miguel Ángel Ladero Quesada
  6. Serafín Fanjul García
  7. Miguel Ángel Ochoa Brun
  8. Luis Alberto de Cuenca y Prado
  9. José Luis Díez García
  10. Carmen Sanz Ayán
  11. nicht besetzt
  12. Carlos Martínez Shaw
  13. María Jesús Viguera Molins
  14. Miguel Artola Gallego
  15. Xavier Gil Puyol
  16. Luis Agustín García Moreno

Octavio Ruiz-Manjón ist noch nicht gewählt, steht aber auf der Warteliste.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Historia de España, «antigua y moderna, política, civil, eclesiástica, militar, de las ciencias, letras y artes, o sea, de los diversos ramos de la vida, civilización y cultura de los pueblos españoles».
  2. "la importante verdad de los sucesos, desterrando las fábulas introducidas por la ignorancia o por la malicia, conduciendo al conocimiento de muchas cosas que oscureció la antigüedad o tiene sepultado el descuido."
  3. La Reina preside el acto de presentación del Atlas Cronológico de la Historia de España
  4. Atlas Cronológico de la Historia de España
  5. Los reyes presentan el Diccionario Biográfico Español.
  6. Retrato de una Academia anclada en la Historia. Ritos religiosos, cargos vitalicios, rotunda hegemonía masculina y una desatención por la España contemporánea lastran la institución. 1/6/2011 - El País 1. Juni 2011.
  7. Los historiadores se alarman ante la hagiografía de Franco, 30/5/2011, Público (España), 1. Juni 2011.
  8. Un ex alto cargo del Gobierno del PP firma elogiosas biografías sobre José María Aznar y Esperanza Aguirre, 31. Mai 2011 - La Vanguardia.
  9. «La Real Academia de la Historia 'no corregirá' la polémica biografía de Franco»
  10. Comunicado de la Real Academia de la Historia. 3. Juni 2011 (Memento des Originals vom 20. Juli 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rah.es
  11. Juan Van-Halen. Patada al diccionario. ABC 14. Juli 2011
  12. que no corregiría ninguna biografía, ni habría "biografías alternativas a las ya publicadas".
  13. El País: Que mantengan el Diccionario es una prueba de su escasa profesionalidad, de su obsolescencia, de su inconsciencia del ridículo. El 'Diccionario' no se corrige, pero se financia. 27. Mai 2012.
  14. Wert anuncia que se corregirán 31 entradas del 'Diccionario biográfico'. El País, 31. Mai 2012.
  15. "el escaso número de mujeres, la hegemonía centralista (apenas hay académicos de la periferia), el predominio de especialistas en tiempos gloriosos de reyes y conquistadores y algunas funciones anacrónicas, como la de censor." Retrato de una Academia anclada en la Historia. Ritos religiosos, cargos vitalicios, rotunda hegemonía masculina y una desatención por la España contemporánea lastran la institución. 1/6/2011 - El País, 1. Juni 2011.
  16. Los historiadores se alarman ante la hagiografía de Franco, 30/5/2011, Público, 1. Juni 2011
  17. Un ex alto cargo del Gobierno del PP firma elogiosas biografías sobre José María Aznar y Esperanza Aguirre, 31/5/2011 - La Vanguardia.
  18. Académicos Numerarios (Memento des Originals vom 3. April 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rah.es
  19. «José Ángel Sesma Muñoz, nuevo académico de número de la Real Academia de la Historia», Europa Press, Madrid, 5. Oktober 2012.
  20. El historiador del arte y catedrático de la UAM ingresa en la Real Academia de la Historia

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Antonio Rumeu de Armas: La Real Academia de la Historia. Real Academia de la Historia 2001. ISBN 9788489512849 online
  • Real Academia de la Historia, Patrimonio Nacional: Tesoros de la Real Academia de la Historia. Real Academia de la Historia 2001. ISBN 9788489512887 online
  • Martín Almagro Gorbea: El Gabinete de Antigüedades de la Real Academia de la Historia. Real Academia de la Historia 1999. ISBN 9788489512474 online

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Real Academia de la Historia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Real Academia de la Historia – Quellen und Volltexte

Koordinaten: 40° 24′ 48,5″ N, 3° 41′ 56,4″ W