Regensburger Strudel

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Der Regensburger Strudel ist eine durch die Steinerne Brücke in Regensburg verursachte Stromschnelle mit sehr starker Wirbelbildung unterhalb (stromabwärts) der Pfeiler. Durch den Bau (1135–1146) der Brücke über die Donau wurde eine für Jahrhunderte sehr bedeutsame Landverbindung wichtiger Handelswege geschaffen. Für den Verkehr auf der Donau war sie jedoch ein Schifffahrtshindernis.[1] Solange der Wassertransport nur gering war, blieb dieser Nachteil ohne Belang.

Donaustrudel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Steinerne Brücke

Durch die 16 Pfeiler und Bögen (heute 14 sichtbar) der Steinernen Brücke wird der Fließquerschnitt der Donau erheblich eingeschränkt. Die von stromaufwärts auf die Brücke zuströmenden Wassermassen müssen sich zwischen den Pfeilern durchdrücken. Es entsteht der Pfeilerstau, der Wasserstand steigt und die Fließgeschwindigkeit des Donauwassers erhöht sich erheblich. Direkt hinter (stromabwärts) den Brückenpfeilern entstehen dadurch starke Wirbel (Strudel) mit erheblicher Wassertiefe.[2]

Der Wasserstand vor den Pfeilern (Oberwasser) war bis zum Bau der Schleuse Geisling 1988 etwa 0,7 m höher als der Wasserstand nach den Pfeilern (Unterwasser). Heute beträgt die Differenz etwa 0,3 m. Bei Hochwasser kann der Unterschied auch mehr als 1,0 m betragen.

Die Fließgeschwindigkeit in dem südlichen, direkt an der Stadt gelegenen 1. Joch mit nur 7,4 m Durchfahrtsbreite betrug bis zu 14,5 km/h,[3] nach dem Bau der Schleuse Geisling etwa 10,0 km/h.

Die etwa 30 m unterhalb der Pfeiler entstehenden Wirbel bzw. Strudel sind aufgrund der hohen Fließgeschwindigkeit sehr stark. Sie graben sich wirbelförmig in die Tiefe, tragen die Flusssohle ab und bilden dadurch Kolke von 7 – 8 m Tiefe. Schwimmer werden durch den Strudel in die Tiefe gezogen und sind dadurch stark gefährdet.[2] Schiffe werden bei der Passage von der quer zur Flussrichtung wirkenden Querströmung heftig erfasst, können querschlagen und auch kentern.

Schifffahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Zeiten der Ruderschifffahrt, also antriebsloser Schiffe, fuhren die Talfahrer mit der Strömung, die Bergfahrer wurden getreidelt. Die sehr starke Strömung und die heftigen Strudel an der Steinernen Brücke waren ein extremes Hindernis. Talfahrer mussten ihre Schiffe mit am Bug und Heck befestigten Rudern in der Strömung waghalsig und mit äußerstem Geschick durch die Brückenjoche und die dahinter liegenden Strudel navigieren. Zu Berg gehende, getreidelte Schiffe benötigten zusätzliche Pferde und wurden teilweise auch umgeladen.[3][1]

Deshalb wurde 1559 oberhalb der Brücke eine Seilwinde gebaut, mit der Schiffe bergauf geschleppt werden konnten. 1883 musste diese wegen Baufälligkeit abgerissen werden.[4] Bergauf bedeutet, dass die Schiffe tatsächlich etwa 0,7 m vom Unterwasser zum Oberwasser gegen starke Strömung heraufgezogen werden mussten. Die ersten Dampf- und Motorschiffe waren schwach motorisiert und konnten die Passage bergauf gegen die starke Donauströmung unterhalb der Steinernen Brücke und durch die Brücke nicht bewältigen. Mit der Eröffnung des Ludwig-Donau-Main-Kanals 1845 nahm der Schiffsverkehr mit eher kleinen Lastschiffen zu. Einem Pressebericht von 1911 ist zu entnehmen, dass Schiffe oberhalb der Steinernen Brücke ihre Ladung löschten und bergauf umkehrten.[4]

Nach langer Vorbereitung unter Einbeziehung der Überlegung, die Brücke abzureißen,[4] wurde 1914 zur Erleichterung der Schifffahrt im Brückenbereich eine elektrische Durchzugsanlage[5] eingeweiht. Die Länge der Schleppstrecke betrug von der Wurstküche bis etwas oberhalb des Windenhäuschens 150–170 m. [6], die Länge der Schleppleine 270 m.[7] Talfahrer konnten die Schleppvorrichtung als Bremse nutzen. 1964 wurde der Betrieb eingestellt. Ausreichend motorisierte Schiffe konnten die Passage bewältigen, allerdings war der Schiffsverkehr nur mäßig.

Mit dem Bau des Main-Donau-Kanals musste eine Passage für die weitaus größere Schiffe ermöglicht werden. Dazu wurde eine 1978 fertiggestellte, nördlich der Stadt gelegene Umgehung des Donauhauptstromes zum Regensburger Europakanal ausgebaut.

Lied[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strudel an der Thonaw von M. Merian

Das bekannte Lied Als wir jüngst in Regensburg waren …[8][9] ist in Regensburg erstmals 1843 belegt und stammt vermutlich aus Österreich um 1750.[10]

Nach den Türkenkriegen Ende des 17. Jahrhunderts siedelten sich Kolonisten, vorwiegend aus Süddeutschland, in den entvölkerten Gebieten der unteren Donau an. Die Donau war ein vorzüglicher Transportweg. Der gefürchtete Strudel liegt unterhalb von Grein im Strudengau.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Donaustrudel bezeichnet vielfältig in Regensburg angebotene Teigwaren, z. B. Bio-Teig, Blätterteig, Pizzateig.
  • Donaustrudl ist ein Bücherprojekt in Regensburg zur Wiederverwendung gebrauchter Bücher.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arbeitskreis Schiffahrtsmuseum Regensburg e. V. (Hrsg.): Donau-Schiffahrt. Band 10. Selbstverlag, 2012, S. 9–80.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Andreas Ottl: Die Donau und die Steinerne Brücke – Hydraulische Besonderheiten. In: Arbeitskreis Schiffahrtsmuseum Regensburg e. V. (Hrsg.): Donau-Schiffahrt. Band 10. Selbstverlag, 2012, S. 15–16.
  2. a b Andreas Ottl: Die Donau und die Steinerne Brücke – Hydraulische Besonderheiten. In: Arbeitskreis Schiffahrtsmuseum Regensburg e. V. (Hrsg.): Donau-Schiffahrt. Band 10. Selbstverlag, 2012, S. 13.
  3. a b Heribert Heilmeier: Der elektrische Schiffsdurchzug bei der Steinernen Brücke zu Regensburg – ein technisches Unikat. In: Arbeitskreis Schiffahrtsmuseum Regensburg e. V. (Hrsg.): Donau-Schiffahrt. Band 10. Selbstverlag, 2012, S. 19.
  4. a b c Heribert Heilmeier: Der elektrische Schiffsdurchzug bei der Steinernen Brücke zu Regensburg – ein technisches Unikat. In: Arbeitskreis Schiffahrtsmuseum Regensburg e. V. (Hrsg.): Donau-Schiffahrt. Band 10. Selbstverlag, 2012, S. 21.
  5. Foto der Durchzugsanlage in Betrieb. Abgerufen am 11. Januar 2016 (JPG).
  6. Mit Google Earth bestimmt.
  7. Roland Kollert: Technik ist Kunst – Die Restauration des Historischen Schiffszugwerks an der Steinernen Brücke 2009-2012. In: Arbeitskreis Schiffahrtsmuseum Regensburg e. V. (Hrsg.): Donau-Schiffahrt. Band 10. Selbstverlag, 2012, S. 71.
  8. http://www.herbert-fritz.de/Volkslieder_A/Als_wir_juengst_in_Regensburg_waren_Text+Noten.pdf
  9. https://www.youtube.com/watch?v=Y46_FYJnImM
  10. http://www.liederlexikon.de/lieder/als_wir_juengst_in_regensburg_waren