Regest

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Als Regest (lateinisch res gestae, die getanen Dinge) bezeichnet man in der Geschichtswissenschaft die Zusammenfassung des rechtsrelevanten Inhalts von Urkunden des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Unter dem Plural Regesten versteht man auch eine besondere Publikationsform, die Urkunden eines Ausstellers, einer Provenienz oder eines Betreffs – geordnet nach Datum – nachweisen und mit inhaltlichen Zusammenfassungen, Nachweisen über die Überlieferung und quellenkritischen Hinweisen ergänzen.

Vom Umfang her unterscheidet man zwischen dem Kopfregest oder Kurzregest, das Aussteller, Empfänger, Ort und Datum einer Urkunde sowie eine kurze Zusammenfassung ihres rechtlichen Inhalts enthält, und dem Vollregest mit einer ausführlicheren Beschreibung des Rechtsinhalts unter Nennung aller genannter Namen, teils einschließlich der Zeugen. Auch Hinweise zur Art der Beglaubigung sowie eine Zusammenfassung der Narratio können in einem Vollregest enthalten sein. Kurzregesten erscheinen üblicherweise in Urkundeneditionen vor dem eigentlichen Text der Urkunde, während Regesten im Sinne der Publikationsform normalerweise Vollregesten enthalten.[1]

Für eine Publikationsform ist der Begriff "Regesten" zum ersten Mal von Peter Georgisch in seinen Regesta chronologico-diplomatica in quibus recensentur omnis generis monumenta et documenta publica (Frankfurt 1740–1744) verwendet worden.

Seitdem Johann Friedrich Böhmer seine Vorarbeiten zur Edition der deutschen Kaiserurkunden im Rahmen der Monumenta Germaniae Historica 1831 als Regesta Imperii veröffentlichte, hat sich eine regelrechte „Regestentechnik“ entwickelt, die inzwischen auch historische Nachrichten aus erzählenden Quellen in die chronologische Liste der Urkundenregesten einreiht.

Wichtige Regestenwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Regesten über die deutschen Königs- und Kaiserurkunden (Regesta Imperii)
  • Päpstliche Regesten:
  • Regesten einzelner deutscher Länder, Bistümer und Städte (z. B. Württembergische Regesten, Regesten der Pfalzgrafen bei Rhein).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hanns Leo Mikoletzky: Regesten und Regestentechnik. In: Anzeiger der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. (= Philosophisch-historische Klasse. 87). 1950, S. 240–254
  • Walter Heinemeyer, Arbeitskreis für Editionsgrundsätze (Hrsg.): Richtlinien für die Regestierung von Urkunden. In: Blätter für deutsche Landesgeschichte. Band 101, 1965, ISSN 0006-4408, S. 1–7 (online)
  • Walter Heinemeyer, Arbeitskreis für Editionsgrundsätze (Hrsg.): Richtlinien für die Regestierung von Urkunden. In: Archivalische Zeitschrift. Band 62, 1966, ISSN 0003-9497, S. 138–143.
  • Walter Heinemeyer, Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine (Hrsg.): Richtlinien für die Edition landesgeschichtlicher Quellen. 2. Auflage. 2000, ISBN 3-87707-562-2 (Enthält: Richtlinien für die Regestierung von Urkunden; Richtlinien für die Edition mittelalterlicher Amtsbücher; Richtlinien für die Edition von Quellen zur neueren deutschen Geschichte.).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Regest – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christian Rohr: Historische Hilfswissenschaften. Eine Einführung. Böhlau, Wien, Köln, Weimar 2015, ISBN 978-3-8252-3755-4, S. 110–111.