Reichspfennigmeister

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Reichspfennigmeister Zacharias Geizkofler

Das Amt des Reichspfennigmeisters existierte seit dem 16. Jahrhundert im Heiligen Römischen Reich. Die Reichspfennigmeister wurden vom Kaiser ernannt und standen einer Reichskasse vor.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Amt des Reichspfennigmeister existierte auf Reichsebene seit dem Jahr 1543. Die räumliche Trennung des Amtes zwischen den sächsischen Reichskreisen und den oberdeutschen Reichskreisen geschah 1557 auf dem Reichstag zu Regensburg. Auf diesem Regensburg wurden erstmals zwei Reichspfennigmeister ernannt, die jeweils für eines der beiden Gebiete zuständig waren. Gleichzeitig wurde Leipzig mit in die Liste der sogenannten Legstädte aufgenommen, in denen die Steuern durch die Reichsstände eingesammelt wurden.[1]

Die Reichspfennigmeister wurden bis 1566 von den Reichsständen ernannt und waren nur für die Eintreibung einer bestimmten Steuer zuständig. Ab de Reichstag von 1570 in Speyer überließen die Stände die Ernennung allerdings dem Kaiser. Außerdem verzichteten sie auf die Rechnungslegung und diese erfolgte nur noch gegenüber dem Kaiser. Damit war das Amt faktisch Teil der kaiserlichen Finanzverwaltung geworden.[2]

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie bereits erwähnt war Amt des Reichspfennigmeister doppelt besetzt. Der Reichspfennigmeister in Leipzig verwaltete die sächsischen Reichskreise, Augsburg hingegen war für die oberdeutschen Reichskreise zuständig. Der Sitz in Augsburg entwickelte sich allerdings zum zentralen Sitz dieser Instanz.[3]

Die Reichspfennigmeister berechneten die Reichssteuern der Reichsstände und waren zuständig für die Einnahme der Steuern, die zuvor durch die zuständigen Reichskreise in den Legstädten Augsburg, Frankfurt am Main, Leipzig, Nürnberg und Regensburg eingesammelt wurden. Diese Legstädte mussten einen beträchtlichen Teil der einzusammelnden Abgaben vorschießen und übernahmen so die Rolle von Banken.[3]

Diese Abgaben waren hauptsächlich die Kammerzieler genannte Steuer, die der Finanzierung des Reichskammergerichtes diente, und die Römermonate, die der Finanzierung der Reichsarmee dienten.

Die Reichspfennigmeister waren dem Reichstag rechenschaftspflichtig und galten in einigen Fällen als Währungs- und Finanzexperten ihrer Zeit.

Reichskammergericht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Reichskammergericht gab es einen speziellen Reichspfennigmeister, dessen Befugnisse in der Reichskammergerichtsordnung festgelegt wurden. Er zog die Gerichtsgebühren der Streitparteien ein, verwaltete die in die als Sustentationskasse bezeichnete Kasse des Gerichtes eingezahlten Abgaben und zahlte die Gehälter des Kammerrichters, der Präsidenten und Assessoren und der sonstigen Gerichtsbediensteten aus. Die Abgaben wurden meist nur unregelmäßig gezahlt, so dass das Gericht häufig arbeitsunfähig war, da monatelang keine Gehälter ausgezahlt werden konnten.

Amtsinhaber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberdeutscher Reichspfennigmeisters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Amtszeit Lebensdaten Bemerkungen
Wolf Haller von Hallerstein 1557–1566
Georg Ilsung 1566–1580 um 1510–1580 trat bereits ab 1553/54 mit dem Titel Reichspfennigmeister auf[4]
Maximilian Ilsung 1580–1583 Sohn des Georg Ilsung[5]
Johann Achilles Ilsung 1583–1589 Neffe des Georg Ilsung, entlassen aufgrund von zu wenig aufgebrachten Krediten und Mängeln bei der Eintreibung der Reichshilfen[5]
Zacharias Geizkofler 1589–1603 1560–1617 trat 1603 vom Amt zurück, vermutlich aufgrund finanzieller Schwierigkeiten wegen der von ihm vorgeschossenen Gelder[6]
Matthäus Welser 1603–1608[7] 1553–1633[7] städtischer Baumeister in Augsburg
Hubert von Bleymann[8] ?–1657 † 1657 Kaufmann, Pfennigmeister des Herzogtums Jülich und Kriegskommissar
Achatius von Hohenfeld 1658–? 1610–1672
Wilhelm Lothar von Hohenfeld[9] 1651–1710 Sohn des Achatius von Hohenfeld
Wilhelm Ludwig von Hohenfeld[9] 1703–1763 Sohn des Wilhelm Lothar von Hohenfeld und damit Enkel des Achatius

Reichspfennigmeisters im Ober- und Niedersächsischen Reichskreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Amtszeit Lebensdaten Bemerkungen
Damian von Sebottendorf[4] 1557–1585 1519–1585[10]
Christoph von Loß der Ältere 1585[11]–1609 1548–1609
Christoph von Loß[12] 1609–1620[13] 1574–1620; Sohn des Christoph von Loß des Älteren
Joachim von Loß 1620[13]–1637[11] 1576–1637 Bruder des Christoph von Loß des Jüngeren
Johann von Ponickau 1584–1642
Friedrich von Metzsch[14] 1579–1655 kaiserlicher Rat, kurfürstlich sächsischer Rat und Oberkonsistorialpräsident
Wolff Siegfried von Lüttichau 1610–1671 kaiserlicher Rat sowie Kanzler, Geheimer Rat und Kammerherr des Kurfürsten von Sachsen
Johann von Burkersroda[15]
Ernst Dietrich von Taube[16] 1661–1694 kurfürstlich sächsischer Kammerherr
Johann Georg von Meusebach[15]
Christoph Dietrich Bose der Jüngere[17] 1701(?)–1707(?)
Hieronymus von Münchhausen[15]
Thomas von Fritsch[18] 1746–vermutlich während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) letzter sächsischer Reichspfennigmeister[15]

Reichspfennigmeister am Reichskammergericht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Amtszeit Bemerkungen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martina Schattkowsky: Reichspfennigmeister im Ober- und Niedersächsischen Reichskreis. Zur Kommunikation zwischen Kaiser und Reichsständen um 1600. In: Blätter für deutsche Landesgeschichte. 2001, S. 17–38, hier S. 20 (digitale-sammlungen.de).
  2. Lukas Winder: Die Kreditgeber Ferdinands I., Maximilians II. und Rudolfs II. (1521–1612). Wien 2013, S. 35 (univie.ac.at [PDF]).
  3. a b Peter Lengle: Reichspfennigmeister. In: Stadtlexikon Augsburg. Abgerufen am 1. August 2018.
  4. a b Lukas Winder: Die Kreditgeber Ferdinands I., Maximilians II. und Rudolfs II. (1521–1612). Wien 2013, S. 35 (univie.ac.at [PDF]).
  5. a b Lukas Winder: Die Kreditgeber Ferdinands I., Maximilians II. und Rudolfs II. (1521–1612). Wien 2013, S. 35 (univie.ac.at [PDF]).
  6. Lukas Winder: Die Kreditgeber Ferdinands I., Maximilians II. und Rudolfs II. (1521–1612). Wien 2013, S. 41 (univie.ac.at [PDF]).
  7. a b Magnus Ulrich Ferber: Welser, Familie. In: Historisches Lexikon Bayerns. Abgerufen am 1. September 2018.
  8. Bernd Warlich: Bleymann [Bleimann, Pleymann], Hubert Freiherr von. In: Der Dreißigjährige Krieg in Selbstzeugnissen, Chroniken und Berichten. Abgerufen am 30. August 2018.
  9. a b Achaz II Vrijheer van Hohenfeld. In: genealogieonline.nl. Abgerufen am 30. August 2018.
  10. Josef Leeb: RTA RV 1556/57. S. 1153 f. (reichstagsakten.de).
  11. a b Martina Schattkowsky: Reichspfennigmeister im Ober- und Niedersächsischen Reichskreis. Zur Kommunikation zwischen Kaiser und Reichsständen um 1600. In: Blätter für deutsche Landesgeschichte. 2001, S. 17–38, hier S. 18 (digitale-sammlungen.de).
  12. Martina Schattkowsky: Loß, Christoph von (zu Schleinitz und Stösitz). In: Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (Hrsg.): Sächsische Biografie.
  13. a b Rauscher, Peter: Rezension über: Martina Schattkowsky, Zwischen Rittergut, Residenz und Reich. Die Lebenswelt des kursächsischen Adligen Christoph von Loß auf Schleinitz (1574-1620), Leipzig: Leipziger Univ.-Verl., 2007, in: Frühneuzeit-Info, 21 (2010), 1+2, S. 215–217, hier S. 215
  14. Gustav Adolf Poenicke: Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen. Band 4, 1856, S. 53 (wikisource.org).
  15. a b c d Martina Schattkowsky: Reichspfennigmeister im Ober- und Niedersächsischen Reichskreis. Zur Kommunikation zwischen Kaiser und Reichsständen um 1600. In: Blätter für deutsche Landesgeschichte. 2001, S. 17–38, hier S. 28 (Anm. 44) (digitale-sammlungen.de).
  16. Gustav Adolf Poenicke: Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen. Heft 16 der Section Erzgebirgischer Kreis, 1856, S. 122 (wikisource.org).
  17. Christian Heinker: Christoph Dietrich von Bose d. J. (1664–1741). In: Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (Hrsg.): Sächsische Biografie.
  18. Gerhard Schmidt: Fritsch, Thomas Freiherr von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 5, Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 624 f. (Digitalisat).