Rettungsdecke

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Rettungsdecke

Eine Rettungsdecke ist eine Folie mit den Maßen 210 × 160 cm, die in der Ersten Hilfe dazu verwendet wird, verunglückte Personen vor Unterkühlung, Nässe oder Wind zu schützen. Sie ist in Deutschland ein vorgeschriebener Bestandteil des Verbandkastens in Kraftfahrzeugen[1] nach DIN 13164,[2] Verbandkästen in Betrieben nach DIN 13157[3] (kleiner Verbandkasten) und DIN 13169[4] (großer Verbandkasten).

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der einfachen Ausführung (MPET) handelt es sich um metallisierte Plastikfolie gemäß DIN 13232.[5]

Schichtung der Rettungsdecke
Schichtung der Rettungsdecke
  1. Eine 12 µm dünne, reißfeste, transparente und wasserdichte biaxial orientierte Polyester-Folie (BiPET).
  2. Auf die Polyesterfolie ist eine stark reflektierende Schicht aus Aluminium aufgedampft.

Biaxial orientierte Polyesterfolie ist von sich aus charakteristisch gelb-braun gefärbt. Bei einer einseitigen Bedampfung entstehen so eine silberfarbene (Aluminium) und eine goldfarbene Seite. Um den Aufbau nachzuvollziehen, kann die Aluminiumschicht in einer Natriumcarbonat-Lösung entfernt werden. Die Folie wird dadurch gelb-braun transparent.

Die metallische Beschichtung kann auch beidseitig erfolgen. Dann schimmern beide Seiten silberfarben.

Eine weitere Variante besteht darin, dass eine zweite BiPET-Folie die Aluiminiumschicht abdeckt (PET-Metall-PET). In dem Fall schimmern beide Seiten goldfarben. Bei diesem Aufbau ist das Aluminium beidseitig vor Abrieb geschützt.

Infrarotspektroskopie einer Rettungsdecke

Einsatz durch Ersthelfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie man eine Notfalldecke benutzt
Wie man eine Notfalldecke benutzt. Oben: bei Unterkühlung; unten: bei Überhitzung

Zum Wärmeerhalt per Wärmestrahlung der Person sollte man die silberne Seite zur Person drehen und die Person komplett in die Rettungsdecke einwickeln, sodass nur das Gesicht frei bleibt.[1] Damit die Rettungsdecke ihre Funktion erfüllen kann, soll sie nicht eng aufliegen. Eine Rettungsdecke hat jedoch keine wärmedämmende Funktion, sondern wärmt durch Reflexion der Körperwärmestrahlung. Gegenüber einem kalten Boden muss zusätzlich eine Dämmung erfolgen. Hierzu können Luftpolster zwischen Körper und Umgebung etwa rundum durch Kleidung, Decken, Schaumstoff oder eine Luftmatratze erzeugt werden.[6] Nicht unwesentlich ist, dass die Rettungsdecke durch Verknoten und Verkleben möglichst dicht einschließt und auch nicht zu viel flattert. In Eis und Schnee ist die goldfarbene Seite der Folie besser zu sehen und wird auch üblicherweise als Hilferuf verstanden.

Bei hohen Außentemperaturen kann es manchmal sinnvoll sein, eine Person vor Überhitzung zu schützen, indem man sie gegen Sonnenstrahlung abschirmt. In diesem Fall sollte man die silberfarbene Seite nach außen drehen und die Rettungsdecke Sonnenschutzsegel-artig aufspannen, jedoch die Person nicht einwickeln.[1]

Folgende Regel wird auch von Herstellern angegeben:[7]

  • Kälteschutz: Silberseite nach innen
  • Sonnenschutz: Silberseite nach außen

Jedoch ist der Unterschied in der Infrarot-Reflexion (IR) laut Untersuchungen vernachlässigbar und soll nur einen Unterschied von 2 °C bewirken können, wobei die silberfarbene Seite zu 99 % und die goldfarbene Seite zu 97 % IR-Wärmestrahlung reflektieren soll.

Die Wirkung der Rettungsdecke basiert auf Verminderung des Wärmetransports durch:

  • Reflexion stoppt weitgehend die Wärmestrahlung;[8]
  • luftdichtes Abschließen reduziert den Wärmeaustausch mit vorbei- und auch durch offenporige Kleidung strömendem Wind und vom Temperaturunterschied auch bei Windstille verursachter Konvektion (Aufsteigen warmer Luft);
  • Dampfsperre reduziert Wärmeverlust durch Verdunstung (von Schweiß, Nässe, Blut).

Generell gilt, dass metallische, hochglanzpolierte, glatte Oberflächen die Wärmestrahlung (Infrarot) besonders gut reflektieren. Bei Rettungsdecken verwendet man eine dünne Schicht aus Aluminium.

Sonstige Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Modellbau werden Rettungsdecken zum Bespannen von Tragflächen verwendet. Beim Camping lässt eine Abdeckung Zelte und Fahrzeuge weniger stark durch die Sonne erwärmen. Auch Fenster (senkrecht oder in einer Dachschräge) können im Hochsommer mit Rettungsdecken versehen werden, um die Aufheizung des Raums zu verringern. Lenkdrachen lassen sich mit dem Material der Rettungsdecke bespannen.

Eine Rettungsdecke kann nicht als Löschdecke verwendet werden, da sie selbst leicht brennbar ist.

Rettungsdecke als Ersatz-Gletscherbrille – Die Durchlässigkeit für sichtbares Licht ist je nach Produkt zwischen 1 % und 8 %. Der Schutz vor ultravioletter B-Strahlung liegt zwischen 99 % und 100 %. Keinen Unterschied macht dabei, ob die goldene oder die silberne Seite der Rettungsdecke exponiert ist. Herkömmliche Rettungsdecken haben somit ausreichende Durchlässigkeit für Licht und gleichzeitig adäquaten Schutz vor ultravioletten B-Strahlen, um im alpinen Bereich als provisorische Augenbedeckung (Sonnenbrille) zu dienen und vor Schneeblindheit zu schützen.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Rettungsdecke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Michael Buchfelder; Albert Buchfelder. Handbuch der Ersten Hilfe. Schattauer Verlag; 2006. ISBN 978-3-7945-2404-4. Seiten 181ff.
  2. DIN 13164 (PDF)
  3. DIN 13157 (PDF)
  4. DIN 13169 (PDF)
  5. DIN 13232, 7.6 Verbrauchsmaterial Nr. 13
  6. Hinweise zur Rettungsfolie (PDF) Uni München, Physik
  7. Produktbeilage Hans Hepp GmbH 04/05
  8. Marc Hasenjäger: Wirkung einer Rettungsdecke. (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) DLRG Ortsgruppe Burscheid e. V., archiviert vom Original am 12. Mai 2014; abgerufen am 11. Mai 2014.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ogburscheid.de
  9. Markus Isser, Hannah Kranebitter, Erich Kühn, Wolfgang Lederer: High-energy visible light transparency and ultraviolet ray transmission of metallized rescue sheets. In: Scientific Reports. Band 9, Nr. 1, 1. August 2019, ISSN 2045-2322, S. 11208, doi:10.1038/s41598-019-47418-8 (nature.com [abgerufen am 21. Januar 2022]).