Rosario Murillo

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Rosario Murillo (2017).

Rosario Murillo Zambrana (* 22. Juni 1951 in Managua) ist Schriftstellerin und seit Januar 2017 Vizepräsidentin von Nicaragua. Sie ist seit 1978 Partnerin, seit 2005 Ehefrau von Präsident Daniel Ortega.[1] Im August 2021 wurde gegen sie und 13 weitere Angehörige des Regimes Sanktionen der Europäischen Union wegen Menschenrechtsverletzungen in Nicaragua, verhängt.[2]

Sandinistische Befreiungsfront[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1969 schloss sich Murillo dem Kampf gegen die Somoza-Diktatur an. Nach einem Gefängnisaufenthalt reiste sie 1977 ins Ausland und traf in Caracas Daniel Ortega.

Nach der erfolgreichen Revolution von 1979 war Murillo für das Kulturleben und für Publikationen der FSLN verantwortlich. Nach einem Herzinfarkt Ortegas im Jahr 1994 und dem Abwenden ehemaliger Revolutionsgefährten wurde die Rolle Murillos für den ab 2006 zum Präsidenten Gewählten immer wichtiger. Offiziell war sie Regierungssprecherin im Ministerrang mit Befugnis, Regionalbehörden Anweisungen zu erteilen. Niemand anderer durfte offizielle Statements abgeben.[3] Daniel Ortega hatte selber öffentlich erklärt, dass er sich mit Murillo die Macht hälftig teile. Bei der Präsidentenwahl 2016 trat Murillo als seine Stellvertreterin an.[4] Der einzige ernsthafte Oppositionskandidat war gerichtlich gegen eine Marionette ausgetauscht und dagegen protestierende Parlamentarier abgesetzt worden.[5]

In den Worten der Schriftstellerin und ehemaligen Sandinistin Gioconda Belli war die Propaganda von Murillo „eher Goebbels als Orwell“ (“This is more Goebbels than Orwell”), als sie am 17. Juli 2018 von Frieden und Aussöhnung redete, während gleichzeitig die Polizei und Paramilitärs die indigene Gemeinschaft in Monimbó mit Kalaschnikows, Scharfschützengewehren und Artillerie angriff.[6]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihre Mutter war eine Nichte von Augusto César Sandino, des namensgebenden Unabhängigkeitshelden der Sandinistischen Befreiungsfront. Die Eltern waren Großgrundbesitzer und schickten die Tochter zur Ausbildung nach England und in die Westschweiz. In jungen Jahren arbeitete sie als Sekretärin und war zwei Mal für kurze Zeit verheiratet. Aus diesen zwei Ehen gingen drei Kinder hervor. Der Tod eines Sohnes 1973 war nach eigenen Aussagen der Auslöser für das Schreiben von Gedichten.

Der Beziehung mit Ortega entstammen weitere sieben Kinder.

Als Ortegas Stieftochter, Zoilamérica Narváez. nach langen Jahren des Schweigens Missbrauchsvorwürfe gegen ihren Stiefvater Ortega in einem am 5. November 2016 veröffentlichten Interview erneuerte[7], nahm Rosario Murillon ihren Mann vor den Vergewaltigungsvorwürfen ihrer Tochter in Schutz.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jens Glüsing: Bianca Jagger über Nicaragua: »Scharfschützen zielten auf die Kehle, sie sollten töten«. In: Der Spiegel. Abgerufen am 5. August 2021.
  2. amerika21: Auch Vizepräsidentin Murillo betroffen: EU verhängt weitere Sanktionen gegen Nicaragua. 3. August 2021, abgerufen am 9. November 2021.
  3. Wife and Running Mate: A Real-Life ‘House of Cards’ in Nicaragua "Ms. Murillo is already the official government spokeswoman, so no other bureaucrat is authorized to speak to the news media except her. In an email, she declined to be interviewed. (She speaks mostly to news organizations that are controlled by the government, several of them by her children.)"
  4. Die mächtige Compañera. NZZ, 8. November 2016
  5. Ortegas schamloses Imperium. NZZ, 8. November 2016
  6. 'Everyone is an enemy who's deserving of death, rape and jail': Death squads have returned to Nicaragua, Public Radio International, 18. Juli 2018
  7. Interview mit Daniel Ortegas Stieftochter. Spiegel Online