Gioconda Belli

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Gioconda Belli, 1989

Gioconda Belli (* 9. Dezember 1948 in Managua, Nicaragua) ist als nicaraguanische Schriftstellerin und Lyrikerin eine der international bekanntesten lateinamerikanischen Autorinnen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gioconda Belli im Jahr 2007 in Nicaragua
Gioconda Belli spricht auf der Leipziger Buchmesse 2016 über ihre Novelle Mondhitze (2014).

Sie studierte Kommunikationswissenschaften in Spanien und den USA. 1970 schloss sie sich der FSLN an, der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront gegen die Diktatur der Somoza-Familie. Ihr schriftstellerisches, soziales und politisches Engagement stieß auf harsche Kritik von Seiten des Bürgertums.

Gleichzeitig verursachten Anfang der 70er Jahre ihre ersten veröffentlichten erotischen Gedichte im katholisch-strengen Nicaragua einen Skandal. Belli sah sich jedoch durch die Furore um ihre Person in ihren Anliegen als Autorin zusätzlich bestärkt. 1975 verließ sie Nicaragua und ging zunächst nach Mexiko, später dann nach Costa Rica. Zusammen mit ihren drei Kindern kehrte Gioconda Belli 1978 nach Nicaragua zurück und begann in der politischen Bildung und als Kulturredakteurin zu arbeiten. Inzwischen lebt sie mit ihrer Familie in Los Angeles und Managua.

1978 wurde sie für ihren Lyrikband Línea de Fuego mit dem kubanischen Premio Casa de las Américas ausgezeichnet. In dem Band sind revolutionäre und erotische Gedichte veröffentlicht.[1] 1989 erhielt sie den Preis „Das politische Buch“ der Friedrich-Ebert-Stiftung und 2018 den Hermann-Kesten-Preis des deutschen PEN-Zentrums für ihren Einsatz für die Meinungsfreiheit.[2]

Belli beschrieb Nicaragua im Jahr 2018 als von der Familie von Daniel Ortega kontrolliert. (Belli: "Daniel Ortega und seine Familie kontrollieren das ganz Land, von den Medien über die Polizei bis zur Justiz.") Der Präsident schwinge mit großem Pathos Reden, hätte aber in den 12 Jahren seiner Präsidentschaft nicht ein Mal eine Pressekonferenz abgehalten. Bei den Hunderte von Toten fordernden Protesten gegen die Regierung von Ortega beklagte Belli erst die "absurde Rhetorik"[3] und verglich danach (als ehemalige Sandinistin) die Propaganda von Ortegas Frau Rosario Murillo "eher mit Goebbels als mit Orwell" ("This is more Goebbels than Orwell").[4] Sie habe eigentlich 1978 gehofft, dass Somoza der letzte Tyrann sein würde, den sie (in ihrem Land) sehen würde,[5] aber das leicht psychopathische Präsidentenpaar habe eines der schwärzesten Kapitel in der Geschichte Nicaraguas geschrieben und im Land eine Klientelwirtschaft entwickelt.[6]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Romane[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lyrik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Quetzalcóatls Traum. Das Gedächtnis Americas. Übersetzt von Erna Pfeiffer. Wuppertal: Peter Hammer Verlag, 1992.
  • Zauber gegen die Kälte. Erotische Gedichte (übers. v. Anneliese Schwarzer). Dtv, München 1998, ISBN 3-423-12577-2.
  • In der Farbe des Morgens. Gedichte. Dtv, München 2000, ISBN 3-423-11565-3.
  • Wenn du mich lieben willst. Gesammelte Gedichte (übers. v. Juliane Steinbach, Dieter Masuhr und Dagmar Ploetz). Hammer-Verlag, Wuppertal 2000, ISBN 3-87294-837-7.
  • Feuerwerk in meinem Hafen (übers. v. Lutz Kliche). Hammer-Verlag, Wuppertal 2001, ISBN 3-87294-752-4.
  • Ich bin Sehnsucht, verkleidet als Frau. Gedichte (übers. v. Angelica Ammar und Dagmar Ploetz). Dtv, München 2005, ISBN 3-423-13375-9.

Anderes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Werkstatt der Schmetterlinge. Ein Märchen (übers. v. Wolf Erlbruch). Hammer-Verlag, Wuppertal 1994, ISBN 3-87294-607-2.
  • Die Verteidigung des Glücks. Erinnerungen an Liebe und Krieg (übers. v. Lutz Kliche). Dtv, München 2002, ISBN 3-423-13015-6.
  • Die Blume und der Baum. Eine Liebesgeschichte (übers. v. Barbara Steinitz und Sigrid Groß). Hammer-Verlag, Wuppertal 2006, ISBN 3-7795-0069-8.
  • Träger der Träume Hörbuch (gelesen von Suzanne von Borsody, Musik von Grupo Sal), 2007

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Korth (Hrsg.): Schöner Jüngling, mich lüstet dein. Liebesgedichte von Frauen, ein Wegweiser durch den Irrgarten der Liebe von Sappho bis Gioconda Belli. Eichborn, Frankfurt/M. 1988, ISBN 3-8218-0185-9.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gioconda Belli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ernesto Cardenal: La revolución perdida. Memorias tomo III, 2. Auflage, Managua: Anamá, 2004, S. 67.
  2. Hermann Kesten-Preis an Gioconda Belli, boersenblatt.net, erschienen und abgerufen am 7. August 2018
  3. Wieder Tote bei Protesten – die Schriftstellerin Gioconda Belli über die politische Krise in Nicaragua, Badische Zeitung, 31. Mai 2018
  4. 'Everyone is an enemy who's deserving of death, rape and jail': Death squads have returned to Nicaragua, Public Radio International, 18. Juli 2018
  5. Gioconda Belli: Let’s be Silent, 14. Juni 2018
  6. Gioconda Belli: “Ortega ha escrito una de las páginas más negras de la historia de Nicaragua, estamos asqueados”, 22. Juli 2018; "Estamos sufriendo una represión peor, creo yo, que la de Somoza. Con una pareja como Daniel Ortega y Rosario Murillo, desenfrenada y un poco psicópata, que han reprimido a su propio pueblo"