Rote Laterne

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Rote Laterne (Begriffsklärung) aufgeführt.
Filmdaten
Deutscher Titel Rote Laterne
Originaltitel Dà hóng dēnglóng gāogāo guà
Produktionsland China, Hongkong
Originalsprache Chinesisch
Erscheinungsjahr 1991
Länge 125 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Zhang Yimou
Drehbuch Ni Zhen, nach einer Vorlage von Su Tong
Produktion Chiu Fu-Sheng
Musik Zhao Jiping
Kamera Zhao Fei
Schnitt Du Yuan
Besetzung

Der Film Rote Laterne (chinesisch 大紅燈籠高高掛 / 大红灯笼高高挂, Pinyin Dà hóng dēnglóng gāogāo guà) handelt von einer jungen Frau, die im vorrevolutionären China in eine wohlhabende Familie einheiratet. Ihr Konflikt mit den Intrigen und Ritualen dieser traditionellen Umgebung führt zu einer Tragödie.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film spielt in den 1920er Jahren, während des chinesischen Bürgerkriegs. Die 19-jährige Songlian ist wegen der finanziellen Nöte ihrer Familie (der Tod ihres Vaters trieb die Familie in den Bankrott) gezwungen, ihr Studium aufzugeben und muss auf Geheiß ihrer Stiefmutter als vierte Nebenfrau in den Haushalt eines reichen, älteren Mannes, Meister Chen, einzuheiraten. Dieser lässt jeden Abend einen Flügel seines weitläufigen Anwesens mit roten Laternen schmücken, je nachdem, mit welcher Nebenfrau er die Nacht zu verbringen beabsichtigt. Sie wird als vierte Herrin willkommen geheißen, eine Dienerin begegnet ihr jedoch bei der Ankunft sehr feindlich und wird von ihr in die Schranken gewiesen. Ihr werden die Füße massiert, was zu einer wiederkehrenden Handlung wird. Danach kommt ihr Mann zu ihr, freut sich, dass ihr die Massage gefallen hat, denn eine entspannte Frau entspanne auch den Mann. Danach schläft er mit der verschämten und widerwilligen Braut. Sie werden vom Gesang einer Frau und den Dienern gestört, die die Unpässlichkeit der dritten Herrin ankündigen, woraufhin der Hausherr zu ihr eilt (die Laternen werden im vierten Hof gelöscht und im dritten angezündet). Er lässt die weinende Songlian zurück.

Am nächsten Tag lernt sie die anderen Frauen kennen und erfährt, dass die Laternen die Kontrolle über den Haushalt und die Entscheidungsgewalt über das Essen bedeuten, was der Vegetarierin nicht behagt. Die erste Herrin und Hauptfrau, Yuru, ist im Alter ihres Mannes und hat einen erwachsenen Sohn. Sie wird respektiert und vertritt ihren Mann bei Abwesenheit, allerdings brennt niemals die Laterne im ersten Hof, weil der Hausherr ihrer überdrüssig geworden ist. Zhuoyun, die zweite Herrin, versucht durch Freundlichkeit zu bestechen, sie macht ihrer "vierten Schwester" Komplimente und stellt ihr ihre einzige Tochter vor und warnt sie vor der dritten Nebenfrau. Diese lässt sich verleugnen, stattdessen lernt sie deren kleinen Sohn kennen, der im selben Alter wie die Tochter von Zhuoyun ist. Es wird ihr die Dienerin, die ihr bei der Ankunft begegnet ist, Yan'er, zugeteilt, die sie demütigend empfängt und auf Läuse untersucht. Sie schickt sie zum Haare waschen und bemängelt ihre Körperhygiene. Vor der Türe wird Yan'er von der Haushälterin zurechtgewiesen, die deren Affäre mit dem Hausherrn tadelt. Sie rächt sich, in dem sie in Songlians Wäsche spuckt.

Beim nächsten Essen erscheint die überaus schöne Meishan, die dritte Schwester, eine ehemalige berühmte Opernsängerin, hochmütig in einem roten Kleid. An ihrem 10. Tag im Haus lernt sie das demütige Ritual des Laternenanzündens im Hof kennen, bei dem alle Herrinnen mitsamt Zofen im Hof auf die Verkündung warten. Als die Wahl wie die Nächste davor auf den vierten Hof fällt, lässt Meishan den Hausherrn wieder in der Nacht zu sich rufen. Songlain droht mit sexueller Verweigerung, daraufhin bleibt er bei ihr. Allerdings werden sie durch deren Gesang gestört. Die Feindschaft zu ihrer Zofe vertieft sich, als deren Affäre auffliegt, sie erwischt die beiden in ihrem Bett. Auf eine Eifersuchtsszene hin lässt Chen die Laternen im vierten Hof löschen.

Nachdem die rote Laterne schon einige Nächte im dritten Hof gebrannt hat, wandert Songlian in ihrer Einsamkeit auf den Dächern des Hauses. Nachdem sich die Abneigung und Eifersucht gegen die schöne Meishan stetig steigert (diese verweigert ihr das gewünschte Gemüse), ruft Zhuoyun sie zu einem Gespräch, schenkt ihr Seide für ein Kleid und sucht durch die Schaffung eines gemeinsamen Feindbild ihre Freundschaft, welche Songlian gerne annimmt.

Feipun, der Sohn von Yuru und in Songlians Alter, kündigt seinen Anwesenheit durch Flötenspiel an, sie geht dem Klang nach und findet ihn in einer Dachkammer, die beiden unterhalten sich und er ist der einzige, der sie mit ihrem Namen anspricht. Die Anziehung der beiden wird deutlich, jedoch ruft Yuru, seine Mutter, ihn zur Ordnung. An die Flöte ihres Vaters erinnert, sucht sie diese in ihren persönlichen Sachen, diese bleibt aber verschwunden. So eskaliert der Konflikt mit Yan'er, deren Kammer sie stürmt und durchwühlt. Dabei findet sie zwar nicht ihr Instrument, aber die für die Dienerschaft verbotenen roten Laternen sowie eine Art Voodoopuppe, auf der Songlians Name steht und welche mit Nadeln gespickt ist. Da Yan'er nicht schreiben kann, zwingt Songlian sie mit Misshandlungen, Drohungen und schließlich Schmeichelei dazu, ihr den Namen der Herrin zu nennen, die ihr gemeinsam mit der Zofe den Tod wünscht, zu ihrem Entsetzen handelt es sich ihre angebliche Freundin, Zhuoyun, die zweite Schwester. Als sie den Hausherren zur Rede stellt, gibt dieser zu, die Flöte aus Eifersucht auf ihre Studienkollegen entfernt und verbrannt zu haben. Sie reagiert entsetzt und es kommt zu einer neuerlichen Szene, in der sie ihn aus ihrer Kammer weist.

Zhuoyun, welche von diesen Enthüllung nichts ahnt, bittet "ihre Freundin" um einen modernen Haarschnitt, weil sie dem Herren gefallen will, um ihm einen Sohn zu schenken. Aus Hass und Frust schneidet Songlian dieser ins Ohr, was dazu führt, dass die Laternen von nun an im zweiten Hof brennen, Zhuoyun frohlockt daraufhin hämisch vor Songlian. Die dritte Schwester steht ihr mit gemeinsamen Kartenspielen zu Seite, allerdings bemerkt Songlian dabei die Vertrautheit zwischen der ehemaligen Opernsängerin und einem befreundeten Arzt, was auf eine Affäre hindeutet. Nach dem Vertrauensverlust zu Zhuoyun kommt Meishan zu ihr und erzählt ihr, zu welchen Handlungen Zhuoyun fähig ist, diese habe das Gesicht eines Buddhas und das Herz eines Skorpions. Als zweite und dritte Herrin gemeinsam schwanger waren, versucht Zhuoyun die Rivalin mit einem schwangerschaftsunterbrechenden Mittel zum Abort zu zwingen. Sie bekam nach der Rivalin eine Tochter, während diese einem gewünschten Sohn das Leben schenkte. Die dritte Herrin warnt Songlian vor einem Absinken in die Bedeutungslosigkeit, falls sie als vierte Herrin nicht in absehbarer Zeit einem Sohn das Leben schenken sollte.

Nun unter Druck geraten, entschließt sich Songlian dazu, eine Schwangerschaft vorzutäuschen, um den Besuch und damit ihre Wahrscheinlichkeit einer tatsächlichen Befruchtung zu erhöhen. Sie erhält von nun an als Zeichen der Wertschätzung ein rotes Kopfband und darf sich pflegen lassen. Der glückliche Chen lässt die Laternen von nun an im vierten Hof brennen und lässt ihr seine Wertschätzung zukommen. Als jedoch Yan'er in ihre Unterwäsche spuckt, bemerkt sie Blut darin und verständigt Zhuoyun, ihre Vertraute. Diese bringt den Hausherren dazu, die Schwangerschaft untersuchen zu lassen, der Betrug wird aufgedeckt. Wutentbrannt lässt der Hausherr seine Fürsorglichkeit wieder fallen, wirft ihr den Bruch der allseits gegenwärtigen Familienregeln vor und lässt die Laternen im vierten Hof verhüllen, was angesichts einer dicken Staubschicht anscheinend noch nie vorgekommen ist und einer Verstoßung seiner Nebenfrau nahekommt. Danach reist er ab.

Die wütende Songlian ahnt, wer sie verraten hat und zeigt den versammelten Herrinnen die verbotenen Laternen der Dienerin, obwohl die dritte Schwester sie bittet, keine Szene zu machen und die zweite ihre Helferin verteidigt. Songlian besteht jedoch auf einer Strafe, da auch sie für einen Regelbruch bestraft wurde und nimmt die ansonsten bedeutungslose Yuru als Vertreterin des abwesenden Hausherrn in die Pflicht. Diese besteht auf einer Strafe nach der Tradition und lässt die Dienerin vor den verbrennenden Laternen knien, bis sie fiebernd zusammenbricht. Der heimkehrende Ehemann lässt diese entsetzt ins Krankenhaus schaffen und besteht auf guter Medizin, damit er nicht ins Gerede kommt. Songlian beobachtet die Szene voller Schuldgefühle. Wenig später erfährt sie vom Tod der Dienerin, die im Sterben den Namen ihrer verhassten Rivalin ausgesprochen hat.

Als die beiden Freundinnen Songlian und Meishan gemeinsam auf dem Dach stehen, versucht die zweite Schwester sie zu trösten, woraufhin sie andeutet, von der Affäre mit dem gutaussehenden Arzt zu wissen, sie jedoch habe niemanden und es sei besser tot zu sein als die vierte Frau. Enttäuscht warnt Meishan sie und deutet an, den Arzt heute nacht aufsuchen zu wollen und geht. Songlian betrinkt sich aufgrund des immer größer werdenden Frustes an ihrem 20. Geburtstag, Feipun kommt zu ihr und gibt ihr ein Geschenk, welches sie entrüstet zurückweist, eine Frau habe ihm das gegeben, was er bestätigt, sie reagiert eifersüchtig und will ihn rauswerfen. Er geht, nachdem er erkannt hat, dass sie sich in ihn verliebt hat.

Nachdem die zweite Herrin die Betrunkene angewidert ins Bett bringen will, rutscht dieser heraus, dass sich die dritte Schwester gerade mit dem Arzt vergnügt. Am nächsten Tag steht die Ausgenüchterte im Hof und wird Zeuge, wie die Dienerschaft und Zhuoyun eine geknebelte und derangierte Meishan unter heftigem Widerstand ins Haus zerren. Die zweite Schwester bedankt sich bei der Ahnungslosen für den Verrat des Ehebruchs und geht, ihren Sieg genießend. Einige Zeit später erwacht Songlian durch Lärm auf dem Dach und sieht wie die männlichen Diener Meishan gefesselt und schreiend wegtragen, dahinter geht ein Mann mit einem Seil. Starr vor Panik beobachtet sie die seltsame Prozession bis zur Dachkammer, vor der sie gewarnt wurde, weil sich dort einige schon erhängt haben und in der es spuken soll. Kurze Zeit später kommen die Männer alleine zurück, sie geht zur Kammer und macht eine Entdeckung, die sie in Entsetzensschreie ausbrechen lässt. Sie beschuldigt das Haus des Mordes. Am nächsten Tag wird die Ankunft des Hausherrn angekündigt, welcher sie wütend befragt, was sie gesehen hat. Sie jedoch bleibt ihrem Vorwurf, sie seien alle Mörder, den sie ständig wiederholt. Ihr Ehemann erklärt sie daher für wahnsinnig, denn sie habe nichts gesehen.

Im verwaisten dritten Hof brennen daraufhin alle Lampen und die Schallplatten mit dem Gesang von Meishan erklingen, was die Diener in Panik ausbrechen lässt, weil sie annehmen, die ermordete Herrin sei als Geist wiedergekehrt. Tatsächlich ist es aber Songlian, die aus Trauer dieses Spektakel veranstaltet. Sie entfernt die Abdeckung von ihren eigenen Laternen, zündet sie an und legt die Platten mit dem Gesang von Meishan auf.

Nach einem Zeitsprung von einem Jahr wird eine neuerliche Hochzeit gefeiert, die fünfte Herrin kommt ins Haus. Die Szenen vom Filmanfang einer verzweifelten, ängstlichen Braut, der die Füße massiert werden, wiederholen sich. Als diese eine traumatisierte Gestalt in Schuluniform mit aufgelöster Frisur sieht, die zwischen den brennenden Laternen auf- und abgeht, fragt sie nach. Sie bekommt zur Antwort, dass das frühere vierte Herrin ist, welche wahnsinnig geworden sei.

Interpretation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Anwesen im Film steht hier als Analogie zu anderen geschlossenen, also totalitären Systemen – der Film zeigt die Schwierigkeiten, sich innerhalb eines solchen Systems zu verhalten: Machtdemonstrationen, Intrigen, Isolation sind als Handlungsoptionen präferiert zu Solidarität, Offenheit und Empathie. Obwohl immer wieder Versuche zu sehen sind, letzteres im Umgang miteinander zu zeigen, scheitern doch die Protagonistinnen an ihrer System-Dependenz. Um den eigenen Status zu halten oder zu verbessern, ist es unabdingbar, sich in die „Maschinerie“ einzumischen, manipulativ teilzuhaben. Vertikale Hierarchien und mangelnde Perspektiven kennzeichnen eine klaustrophobische Lebenssituation, die am Ende Resignation (1. Herrin), Unterwürfigkeit (2. Herrin), Verrat und Tod (3. Herrin) und Wahnsinn (4. Herrin) erzeugen. Die einzige Flucht aus dieser Situation scheint der Tod zu sein, denn obwohl Songlian zuerst sexuell und dann als Herrin verstoßen wurde, bleibt ihr der Platz im Haus von Chen erhalten.

Echte Liebe scheint nur Yan'er zum Hausherren zu empfinden, die er nur angesichts ihrer Krankheit und des nahenden Todes zu erwidern scheint. Die überaus erwünschten Kinder tauchen nur am Rande auf und scheinen auch ihren Müttern nur Mittel zum Zweck zu sein. Echte Entscheidungsgewalt scheinen nur die allgegenwärtigen und die Regeln verkörpernden Diener zu haben, die dafür einen Mord begehen, das geschieht in Abwesenheit von Chen, dem nur die Entscheidung über die Laternen geblieben zu sein scheint.

Der Film war in China für eine Weile verboten, da die Vergleiche „pars pro toto“ zwischen dem geschilderten Micro-System „reicher Herrensitz“ und dem einer politischen Diktatur zu offensichtlich waren.

Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der bekannte Regisseur Zhang Yimou erzählt das Drama in strengen, visuell überzeugenden Bildern. Das Anwesen mit seinen Höfen und Dächern wird regelmäßig in ruhigen Einstellungen in Szene gesetzt. Der eigentliche Herr des Hauses erscheint dagegen nur undeutlich auf Distanz oder durch Vorhänge gefilmt. Die Frauen samt der Protagonistin treiben die Handlung voran und werden facettenreich dargestellt, verlieren anscheinend mit ihrer Heirat ihren Namen und werden nur noch mit ihrer Nummer und mit Herrin/Schwester angesprochen. Eine Regel, die nur der Sohn des Hauses durchbricht.

Die Aussichtslosigkeit der Protagonistinnen (z.B ist die 4. Herrin gerade 20 Jahre alt geworden und wird vermutlich die restlichen ca. 55 Jahre in dieser Isolation verbringen) auf Freundschaft und Wissenserwerb / Information / geistiges Wachstum wird vom Regisseur in der Beschränkung auf die Aufsicht und Innensicht des Anwesens umgesetzt – der Blick kann nicht mehr über das System hinausgehen als er über die Mauern schweifen kann. Die dezente Farbigkeit des Interieurs unterstreicht die Vorrangigkeit des roten Lichtes – mit allen Implikationen. Gegenstände, die auf ein „Außen“ (aus der gelebten Vergangenheit der 3. Herrin z.B.) verweisen, verweisen im gleichen Maße auch auf das Unerreichbare einer selbstbestimmten Existenz.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Ein kleines Meisterwerk, ein präziser, realistischer und in der Grundtendenz bitter melodramatischer Film um das Eheritual im China der 20er Jahre, von Zhang Yimou – einer der Stars der Kinoszene Chinas – brillant inszeniert. In der Hauptrolle glänzt einmal mehr Yimous damalige Lebenspartnerin Gong Li, die zuvor schon in Rotes Kornfeld gespielt hatte.“

Prisma Online

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]