SM UD 1

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Kriegsflagge von Deutschland 1903–1918
Baudaten
Schiffstyp Unterseeboot
Schiffsklasse Untersee-Kreuzer
Baubezeichnung: Projekt 50
Bauwerft: Kaiserliche Werft Kiel in Kiel
Bau-Nr.: 44
Kiellegung: nur Bauvorbereitung, geplant November 1918
Stapellauf:
Fertigstellung:
Baukosten: k. A.
Technische Daten
Verdrängung: 3.629 ts Standard
4.233 ts getaucht
Länge: 125,8 m
Breite: 11,6 m
Tiefgang: 6,45 m
Antrieb: 4 × Tauchkessel (Patent Wölke)
4 × Dampfturbinen mit 24.000 PS
2 × Dieselmotoren 900 PS
2 × SSW-Elektromotoren 3.800 PS
2 Propeller
Treibstoffvorrat: 415,2 t
Geschwindigkeit: 23–25 kn aufgetaucht
9,5 kn getaucht
Reichweite: k. A.
maximale Tauchtiefe: 100 m
Besatzung: 124 Mann
Bewaffnung: 4 × 150 mm Utof C16 L/45
8 × 500 mm Torpedorohre
16 Reservetorpedos

SM UD 1 war ein projektiertes Unterseeboot der Kaiserlichen Marine während der Zeit des Ersten Weltkriegs. Es sollte als sehr schneller Handelsstörer in entlegenen Seegebieten Handelskrieg nach Prisenordnung gegen Großbritannien führen.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 1916 wurde nach einer Besprechung im Reichsmarineamt seitens des Admiralstabes der Wunsch geäußert, kampfkräftige, gepanzerte und vor allem schnelle Unterseeboote in Kreuzergröße, so genannte U-Kreuzer, zum Handelskrieg gegen Großbritannien zu konstruieren. Darauf hin stellte die U-Boot-Inspektion Überlegungen zu möglichen Antriebsarten an: In Betracht kamen als Überwasserantrieb sowohl der Dieselmotor als auch die Dampfturbine.

Projekt 47[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das zunächst favorisierte Projekt mit Dieselmotoren erhielt die Konstruktionsbezeichnung Projekt 47 und stellte ein sehr großes U-Boot von über 100 m Länge und mehr als 4000 t Verdrängung dar. Die Bewaffnung sollte aus vier 15,0-cm- und zwei 8,8-cm-Kanonen sowie acht Torpedorohren bestehen. Jedoch äußerte sich der Admiralstab sehr kritisch über diesen Entwurf. Denn verglichen mit den 2000-t-Booten des Projekts 46a, die bereits in Auftrag gegeben waren, wurde im Verhältnis zu dem großen Deplacementzuwachs, den Kostensteigerungen und der längeren Bauzeit nur ein geringfügiger Kampfkraftzuwachs und keine Überwasser-Geschwindigkeitssteigerung erreicht.

Konstruktionsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgehend von der Studie Projekt 47 wurde nun überlegt, ob die Geschwindigkeitssteigerung nicht doch durch einen Dampf-Turbinenantrieb behoben werden könnte. Sowohl in Großbritannien als auch in Frankreich gab es dampfelektrische U-Boote in größeren Stückzahlen. Das größte Problem stellte hierbei die Beseitigung der Kesselwärme beim Tauchen sowie die großen druckfesten Verschlüsse der Rauchabzüge dar. Nachdem man jedoch die Erfahrung gemacht hatte, dass Wasserrohrkessel bei der Berührung mit wesentlich kälterem Seewasser keinesfalls explodieren müssen, wurde durch den Ingenieur H. Wölke und den Marinebaumeister Schäfer ein Tauchkessel konstruiert, der beim Tauchen geflutet werden konnte. Sie wurden seitlich am Rumpf außerhalb des Druckkörpers in besonderen druckfesten Räumen aufgestellt und konnten vom Inneren des Bootes bedient werden.

Anfang 1918 waren die Arbeiten in der Konstruktionsabteilung der Unterseeboot-Inspektion so weit abgeschlossen, dass ein Exemplar als Kriegsauftrag AA im Februar 1918 bei der Kaiserlichen Werft in Kiel unter der Baunummer K 44 in Auftrag gegeben wurde. Als Helling war die noch mit dem Neubau des Kleinen Kreuzers Frauenlob belegte Ablaufbahn vorgesehen, die erst mit dessen Stapellauf am 16. Oktober 1918 frei wurde. Im Mai begannen unter großer Geheimhaltung die Schnürboden- und Werkstattarbeiten. Bereits im Juni wurden die Spantmodelle vom Schnürboden genommen. Bis Kriegsende kam es jedoch nicht mehr zur Kiellegung. Als die revolutionäre Bewegung auf die Werft übergriff, wurde der Befehl erteilt, alle Geheimsachen und insbesondere die Pläne zu UD 1 zu vernichten.

Die einzigen beiden noch vorhanden amtlichen Quellen sind die im Bundesarchiv-Militärarchiv in Freiburg im Breisgau lagernde Bauvorschrift sowie der Generalplan. Die technischen Angaben sind teils durch persönliche Mitteilung oder durch Notizen von Mitarbeitern des Konstruktionsamts tradiert worden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eberhard Rössler: Deutsche Uboote 1898–1918 E.S. Mittler & Sohn Hamburg, Berlin, Bonn 2011 ISBN 978-3-8132-0926-6
  • Eberhard Rössler: Geschichte des deutschen Ubootbaus. Bd. 1 Entwicklung, Bau und Eigenschaften der deutschen Uboote von den Anfängen bis 1943. Bernard & Graefe Koblenz 1986 ISBN 3-7637-5801-1
  • Eberhard Rössler: Die Unterseeboote der Kaiserlichen Marine. Bernard & Graefe Bonn 1997 ISBN 3-7637-5963-8
  • Erich Gröner: Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945. Bd. 3 U-Boote, Hilfskreuzer, Minenschiffe, Netzleger, Sperrbrecher. Bernard & Graefe Koblenz 1985 ISBN 3-7637-4802-4
  • Erich Gröner: UD 1 (UK 50), ein Turbinen-U-Kreuzer. In: Marine-Rundschau 53 (1956); H. 4: 118–123

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]