Santa Maria Antiqua

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Kreuzigung Christi mit einem bekleideten Christus, Maria und Johannes sowie zwei römischen Soldaten. 741–752 n. Chr.
Grundriss von Santa Maria Antiqua und Nebengebäuden, 1 Basilika, 6 Aufgang zum Palatin, 8 Oratorium der 40 Märtyrer, 9 Atrium

Santa Maria Antiqua (lat.: Sanctae Mariae Antiquae) ist eine Kirche am Fuß des Palatin in Rom.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau gehörte wahrscheinlich zum Palast des Tiberius. Errichtet wurde der Bauteil vermutlich im 1. Jahrhundert n. Chr. durch Kaiser Domitian, der den Palast des Tiberius wiederherstellen ließ und dem Bau eine neue Empfangshalle hinter dem Forum Romanum am Vicus Tuscus zufügte, von dem er einen überdeckten Gang als Aufgang zum Palatin errichten ließ oder einen von Caligula errichteten Aufgang restaurierte.[1] Im 5. Jahrhundert n. Chr. wurde das Gebäude in eine christliche Kirche umgewandelt, die seit 640 den Namen Maria Antiqua trägt. Noch unter Papst Leo III. gehörte sie zu den Diakoniekirchen, die bis ins 9. Jahrhundert hinein der Verteilung von Getreide an die städtische Bevölkerung dienten. An ihrer Stelle wurde Sancta Maria Nova im 10. Jahrhundert Diakonie.[2]

Im Laufe des 9. Jahrhunderts verfiel die Kirche allmählich und wurde von dem verfallenden oberhalb gelegenen Kaiserpalast allmählich mit Schutt zugedeckt. Über der verschütteten Kirche Santa Maria Antiqua errichtete man im 13. und 14. Jahrhundert eine neue Kirche, die im Barock vollständig umgestaltet wurde. Diese Kirche erhielt den Namen Santa Maria Liberatrice. Diese Kirche wurde ihrerseits 1899 abgerissen, um die frühchristliche Kirche wieder auszugraben und zu restaurieren. 2012 wurde die Kirche nach über 30 Jahren wieder von Roms Antikenbehörde probehalber öffentlich zugänglich gemacht und bei einzelnen Sonderführungen gezeigt.[3] Nach einer weiteren halbjährlichen Schließung seit Oktober 2015 zur Vollendung der Restauration der Fresken ist die Kirche Santa Maria Antiqua seit März 2016 wieder zugänglich.[4]

Architektur und Innenausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Architektur der Kirche wird durch die ursprüngliche Bestimmung des Raumes bestimmt. Es ist eine dreischiffige Basilika mit Presbyterium sowie einem vorgelagerten Atrium und Quadriportikus. Zu beiden Seiten des Presbyteriums befinden sich zwei kleine Kapellen, am Kopf des Presbyteriums eine nachträglich entstandene kleine Apsis. Im Atrium sind Reste des antiken Impluviums aus der Zeit Caligulas zu sehen.

Kunstgeschichtlich von besonderer Bedeutung sind die Fresken der Kirche.[5] Das Presbyterium wurde unter Papst Johannes VII. mit Szenen aus dem Leben Jesu ausgestattet, auf der Stirnwand befindet sich ein Fresko mit der Kreuzigung Christi. Auch die Apsis wurde unter Johannes VII. ausgemalt. Diese Fresken wurden jedoch unter Papst Paul I. mit einem Jüngsten Gericht übermalt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Maria Andaloro (Hrsg.), Soprintendenza Speciale per il Colosseo e l'area archeologica centrale: Santa Maria Antiqua, Tra Roma e Bisanzio. Mondadori Electa, Mailand 2016, ISBN 978-8891807762.
  • Anton Henze u. a. (Hrsg.): Kunstführer Rom. 5. Auflage. Stuttgart 1995, ISBN 3-15-010402-5, S. 103–104.
  • Per Jonas Nordhagen: The frescoes of John VII (A.D. 705–707) in S. Maria antiqua in Rome. Rom 1968.
  • Werner Schmid: So viel wie nötig und so wenig wie möglich. Die Restaurierung der frühmittelalterlichen Wandmalereien von Santa Maria Antiqua auf dem Forum Romanum. In: Thomas Danzl (Hg.): Wandmalereien in Krypten, Grotten, Katakomben. Zur Konservierung gefasster Oberflächen in umweltgeschädigten Räumen. Internationale Tagung des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und der Hochschule für Bildende Künste Dresden, Quedlinburg, Palais Salfeldt, 3. bis 6. November 2011 (= Hefte des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS, Bd. 56). Imhof, Petersberg 2013, ISBN 978-3-86568-984-9, S. 165–170.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Santa Maria Antiqua – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Maria Andaloro (Hrsg.), Maria Antonietta Tomei, Paola Filippini: Santa Maria Antiqua, Tra Roma e Bisanzio, S. 71 ff.
  2. Rudolf Hüls: Kardinäle, Klerus und Kirchen Roms: 1049–1130 (= Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom, Bd. 48). Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1977, ISBN 978-3-484-80071-7, S. 19.
  3. Burkhard Jürgens: Juwel aus dem Schutt der Geschichte, Domradio, 5. Oktober 2012, abgerufen am 18. März 2016.
  4. Deutschlandfunk: Älteste Kirche wieder eröffnet, abgerufen am 17. März 2016.
  5. Werner Schmid: So viel wie nötig und so wenig wie möglich. Die Restaurierung der frühmittelalterlichen Wandmalereien von Santa Maria Antiqua auf dem Forum Romanum. In: Thomas Danzl (Hg.): Wandmalereien in Krypten, Grotten, Katakomben. Zur Konservierung gefasster Oberflächen in umweltgeschädigten Räumen. Imhof, Petersberg 2013, S. 165–170, hier S. 165.

Koordinaten: 41° 53′ 29″ N, 12° 29′ 9,2″ O