Schachschiedsrichter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Schachschiedsrichter achtet bei einem Schachspiel als Schiedsrichter auf striktes Einhalten der Schachregeln, wie sie vom Weltschachverband FIDE festgelegt sind, sowie der jeweiligen Turnierordnung. Er soll darüber hinaus dafür sorgen, dass durchgehend gute Spielbedingungen herrschen und dass die Spieler weder vom Publikum noch vom Gegner gestört werden.

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Besonderheit des Schachschiedsrichters ist, dass nur der Spieler, der am Zug ist, den Schiedsrichter anrufen kann – etwa, um ein Remis einzufordern (Stellungswiederholung, 50-Züge-Regel), um einen illegalen Zug des Gegners zu reklamieren, oder um den Schiedsrichter auf die abgelaufene Bedenkzeit des Gegners hinzuweisen. Nach der FIDE-Regel 11.1 kann der Schiedsrichter jegliches Verhalten, welches das Schachspiel in den Verruf bringt, sanktionieren. Eine Verletzung einer konkreten Regel muss hierfür nicht gegeben sein.

Spielbeginn, Bedenkzeiten und Partieformulare[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er achtet darauf, dass beide Spieler die Partieformulare ausfüllen; diese sind oftmals die Entscheidungsgrundlage des Schiedsrichters. Ist auf dem Schachbrett eine illegale Situation aufgetreten, wird nämlich aufgrund der Partieformulare die letzte zulässige Position rekonstruiert, und von da aus weitergespielt.

Zu seinen vorrangigen Aufgaben gehört die Sicherstellung des pünktlichen Spielbeginns und die Einhaltung der Bedenkzeiten. Trifft der Spieler der weißen Figuren nicht rechtzeitig ein, lässt er dessen Bedenkzeit beginnen; ebenso beginnt die Bedenkzeit für den nicht anwesenden Gegner, nachdem der erste Zug für Weiß ausgeführt wurde. Wenn ein Spieler den Schiedsrichter anruft, stoppt er die Schachuhr für beide Spieler. War sein Anliegen grundlos, kann der Schiedsrichter den Spieler mit einer Verkürzung der Bedenkzeit bestrafen.

Der Schiedsrichter ist besonders dann gefordert, wenn beide Spieler sich in der sogenannten Zeitnotphase befinden. Ist ein Spieler unter Zeitnot, so muss er vorübergehend keine Spielzüge mehr notieren. Sind beide Spieler in Zeitnot, notiert der Schiedsrichter oder sein Assistent die gespielten Züge.

Spielbereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Unparteiische stellt sicher, dass die Örtlichkeit für die Austragung des Spieles geeignet ist, und bei externen Störungen kann der Schiedsrichter einem der Spieler oder auch beiden zusätzliche Bedenkzeit gewähren. Zuschauer dürfen den Spielbereich nicht betreten und sich nicht in laufende Partien einmischen. Falls nötig, verweist der Schiedsrichter die Störer aus dem Turniersaal. Nach beendeter Partie gilt der Spieler als Zuschauer.

Der Schiedsrichter bestimmt den näheren Spielbereich, den der Spieler, der am Zug ist, ohne Genehmigung nicht verlassen darf. Beide Spieler dürfen den weiteren Bereich, das „Turnierareal“, bestehend aus Ruheräumen, Toiletten, Verflegungsräumen, Raucherräumen und weiteren vorher bestimmten Räumen, ebenfalls nur mit Genehmigung verlassen. Ebenso stellt er sicher, dass kein Spieler ein elektronisches Kommunikationsmittel in das Turnierareal bringt und dass kein Spieler verbotene Hilfsmittel benutzt – wie zum Beispiel Informationsquellen oder ein zweites Schachbrett für die Analyse.

Spielbeendigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um ein endloses Spiel zu verhindern, erklärt der Schiedsrichter nach der FIDE-Regel 9.6 die Partei von sich aus für remis, wenn fünfmal dieselbe Stellung aufgetreten ist oder wenn 75 Züge lang weder ein Bauer gezogen noch eine Figur geschlagen wurde.

Besondere Turnierregeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei manchen Turnieren erhält der Schiedsrichter weitere Kompetenzen. Manche Veranstalter wünschen Spiele, die für Zuschauer und Sponsoren attraktiver sind, und somit weniger Spiele, die unentschieden ausgehen. Nach der sogenannten Sofia-Regel entscheidet der Schiedsrichter, ob ein Remis-Angebot zulässig ist oder ob die Spieler die Situation noch weiter auskämpfen müssen.

Hängepartien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schachschiedsrichter sind auch für die korrekte Abwicklung der in der heutigen Turnierpraxis kaum noch vorkommenden Hängepartien zuständig. Dazu muss der Spieler seinen Zug notieren, darf ihn aber noch nicht ausführen. Der Schiedsrichter hütet das Geheimnis um diesen Zug, worauf dieser bei Wiederaufnahme des Spieles ausgeführt werden muss.

Sanktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schachschiedsrichter kann bei Regelverstößen eine oder mehrere der folgenden Strafen verhängen:

  • eine Verwarnung
  • das Verlängern der Restbedenkzeit des Gegners
  • das Verkürzen der Restbedenkzeit des zu bestrafenden Spielers
  • den Verlust der Partie
  • eine Kürzung der Punktzahl im Partieresultat der zu bestrafenden Partei
  • eine Erhöhung der Punktzahl im Partieresultat des Gegners bis zu der in dieser Partie erreichbaren Höchstzahl
  • den Ausschluss vom Turnier

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Deutschen Schachbund gibt es ein dreistufiges Ausbildungskonzept für Schiedsrichter, das durch zwei weitere Lizenzen im Weltverband FIDE ergänzt wird:

  • Die erste Stufe beginnt mit der Lizenz des Turnierleiters. Diese werden vorwiegend auf Vereinsebene eingesetzt.
  • Ein Jahr nach Erwerb der Turnierleiterlizenz darf mit der Ausbildung zum Regionalen Schiedsrichter begonnen werden. Mit dem Bestehen qualifiziert man sich für Einsätze in den Oberligen und teilweise auch in den zweiten Bundesligen.
  • Zwei Jahre nach dem Erwerb des Titels Regionaler Schiedsrichter und nach Einsatz in mindestens drei Landes-, Bundes- oder FIDE-Turnieren sowie fünf Mannschaftskämpfen kann die Prüfung zum Nationalen Schiedsrichter abgelegt werden. Diese Lizenz berechtigt den Schiedsrichter zum Einsatz in allen deutschen Ligen und in den Einzel- und Pokalmeisterschaften.
  • FIDE-Schiedsrichter (FIDE-Arbiter) ist der erste der zwei Internationalen Schiedsrichtertiteln. Er setzt eine Turnierpraxis voraus und einen Prüfungslehrgang. Da der Titel von der jeweiligen Föderation (Deutscher Schachbund) beantragt werden muss, können auch schärfere Regeln durch die Föderationen erlassen werden.
  • Internationaler Schiedsrichter (International Arbiter) kann nur ein FIDE-Schiedsrichter werden, der Hauptschiedsrichter (Chief Arbiter) oder Nebenschiedsrichter (Deputy Arbiter) bei vier internationalen Normenturnieren der FIDE war. Seine Fähigkeiten werden durch den Hauptschiedsrichter (IA) oder durch den Organisator bestätigt.

Einsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den unteren Ligen der Mannschaftskämpfe werden gewöhnlich keine neutralen Schiedsrichter eingesetzt. Hier gibt es bei den verschiedenen Landesverbänden unterschiedliche Regelungen. Oft übernehmen die Mannschaftsführer gemeinsam die Aufgaben des Schiedsrichters bzw. Wettkampfleiters. Gelegentlich wird auch nur ein (vor dem Wettkampf zu benennender) regelkundiger Spieler der Heim- oder Auswärtsmannschaft, der nicht gleichzeitig Mannschaftsführer sein soll, als Wettkampfleiter bestimmt.

Neutrale Schiedsrichter findet man in den Bundes- sowie den Oberligen vor. In Deutschland ist für diese Ligen ihre Anwesenheit verpflichtend vorgeschrieben. Ferner werden Turnierleiter und Schiedsrichter bei offiziellen Einzelmeisterschaften auf allen Ebenen und sogenannten „Opens“ (offene Turniere) eingesetzt.

Bekannte Schachschiedsrichter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der wohl bekannteste Schiedsrichter ist der deutsche Großmeister Lothar Schmid, der unter anderem das Match des Jahrhunderts leitete. Auch der Belgier Albéric O’Kelly de Galway war ein hoch respektierter Unparteiischer bei den beiden Weltmeisterschaftskämpfen PetrosjanSpasski. Der angesehenste Schiedsrichter der Gegenwart ist der Niederländer Geurt Gijssen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]