Schiffswerft Hermann Barthel

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Schiffswerft Hermann Barthel GmbH

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Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1799
Sitz Derben, Deutschland
Leitung Hermann Barthel
Branche Schiffbau
Website www.barthelwerft.de

Schiffswerft Hermann Barthel

Die Schiffswerft Hermann Barthel GmbH ist eine Werft in Derben an der Baggerelbe, einem Altarm der Elbe. Sie beschäftigt sich mit Neubauten, Umbauten und Reparaturen von Schiffen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Lösche gründete die Werft 1799 mit Hilfe seines Vaters. Die Schiffe wurden zu dieser Zeit aus Holz gebaut und hatten eine Größe zwischen 50 und 100 t. Später entstanden hier Schiffe bis 500 t. 1850 wurde die Werft an Friedrichs Sohn Andreas Lösche übergeben und 1899 an Andreas Sohn Hermann Lösche. Eiserne Schiffe wurden ab 1890 gebaut. Als Hermann Lösche 1903 starb, übernahm sein Sohn Hermann den Werftbetrieb und leitete ihn bis 1964. In den beiden Weltkriegen wurde die Werft von Zerstörungen verschont. Danach übernahm der Schwiegersohn Günther Barthel den Werftbetrieb, der 1972 verstaatlicht und anschließend als Betriebsteil der VEB Schiffsreparaturen Berlin geführt wurde. In dieser Zeit entstanden Neubauten von Fähren für die Havel und die Saale, außerdem erfolgten viele Zulieferungen für die Werft Genthin, die heute als Teil der SET Schiffbau- u. Entwicklungsgesellschaft Tangermünde besteht.

Nach der Wiedervereinigung 1990 wurde die Werft durch Hermann Barthel in der sechsten Generation übernommen und modernisiert. Er erneuerte die Slipanlage und es entstanden zwei neue Schiffbauhallen. Damit können der Schiffbau und die Reparaturarbeiten unabhängig vom Wetter durchgeführt werden.

Bauprogramm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Schiffswerft Hermann Barthel werden vorwiegend nationale Behördenschiffe gebaut und repariert, Kunden sind die Wasserschutzpolizeien, Wasser- und Schifffahrtsämter und Hafenverwaltungen. So entstanden Polizei-, Lotsen- und Arbeitsboote. Daneben wurden Fahrgastschiffe für Berliner und Hamburger Reedereien abgeliefert und das hochseetaugliche um Rügen verkehrende Fahrgastschiff Nordwind. Für das Ausland wurden Vermessungs- und Arbeitsschiffe abgeliefert.

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen des Forschungsvorhabens ELEKTRA der TU Berlin, das sich mit der Entwicklung und Optimierung eines durch Brennstoffzellen und Akkumulatoren angetriebenen Binnenschubschiffes befasst, wird ein Demonstrator, ein Schubschiff bei der Schiffswerft Hermann Barthel gebaut. Das Schubschiff wird die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie im Zusammenwirken mit Akkumulatoren auf Binnenschiffen untersuchen und demonstrieren.

Die Anforderungen an das Schubschiff wurden in einem Vorprojekt untersucht, das von 1. April 2017 bis 30. September 2019 lief. Sie ergaben sich aus den Behala-Dienstleistungen, die zukünftig möglichst emissionsfrei erbracht werden sollen. Bezüglich der Schubleistung wurde der Transport großer Siemens-Gasturbinen im Schwergutleichter Ursus (Schiff) zu Grunde gelegt. Daraus ergab sich sowohl im regionalen als auch überregionalen Betrieb die maximale Schublast von ca. 1.400 t. Die Hauptabmessungen ergaben sich aus den zu befahrenden Fahrwasserstraßen und Schleusen sowie der zu transportierenden Ladung.

Derzeit erfolgt die Realisierung unter dem Namen ELEKTRA-II "Realisierung und Erprobung eines durch Brennstoffzellen und Akkumulatoren hybridbetriebenen Schubschiffes" bis 31. Dezember 2024, das ein Gesamtbudged von rund 13 Mio. Euro umfasst, davon wird die Hälfte gefördert.

Projektteilnehmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • TU Berlin
  • Schiffswerft Hermann Barthel GmbH
  • Imperial Shipping Services GmbH
  • SER Schiffselektronik Rostock GmbH
  • BEHALA
  • ANLEG Gesellschaft mbH
  • EST-Floattech B.V.

Regionaler Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der regionale Einsatz ist regional mit 65 km im Raum Berlin-Brandenburg und überregional zum Überseehafen Hamburg in der Zeit von vier Tagen mit rund 130 km pro Tag geplant. Im regionalen Betrieb können wichtige Industriestandorte bei einer Betriebsdauer von 8 Stunden mit einer Dienstgeschwindigkeit von 8 km/h erreicht werden und bei Schichtende kann die Elektra wieder im Westhafen anlegen.

Überregionaler Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im überregionale Betrieb zum Gasturbinentransport von Berlin zum nächsten Überseehafen nach Hamburg soll mit einer mittleren Dienstgeschwindigkeit von 8,5 km/h und einer Betriebsdauer bis zu 16 Stunden am Tag gefahren werden. Zum Energie schonenden Betrieb wurde ein Fahrassistenzsystem entwickelt, das auch die Routenplanung und eine Routensimulation beinhaltet. Für die Energieversorgung muss auf dieser Strecke eine Lade- und Bunkerinfrastruktur vorhanden sein. Die Bebunkerung mit Wasserstoff und die vollständige Aufladung aller Akkumulatoren muss in einem Zeitraum von sieben Stunden möglich sein. Daher werden parallel zum Bau und der Erprobung der Elektra begleitende infrastrukturelle Maßnahmen im Bereich der Strom- und Wasserstoffversorgung durchgeführt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schiffswerft Hermann Barthel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 52° 25′ 21,4″ N, 11° 59′ 39,6″ O