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Schlacht bei Kap Finisterre (1805)

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Schlacht bei Kap Finisterre
Teil von: Dritter Koalitionskrieg

Gemälde zur Schlacht von William Anderson
Datum 22. Juli 1805
Ort vor dem Kap Finisterre, Spanien
Ausgang Taktischer britischer Sieg
Konfliktparteien

Vereinigtes Konigreich 1801 Vereinigtes Königreich

Frankreich 1804 Frankreich
Spanien 1785 Spanien

Befehlshaber

Vereinigtes Konigreich Robert Calder

Frankreich Pierre de Villeneuve
Spanien Federico Gravina

Truppenstärke

15 Linienschiffe

20 Linienschiffe

Verluste

39 Tote
159 Verwundete

476 Tote und Verwundete
2 Schiffe gekapert

In der Seeschlacht bei Finisterre verhinderte die britische Flotte unter Vizeadmiral Sir Robert Calder am 22. Juli 1805, dass die französisch-spanische Flotte unter Admiral Pierre de Villeneuve in den Ärmelkanal segeln konnte, um Napoleon bei der geplanten Invasion Großbritanniens zu unterstützen. Die Seeschlacht wird dem Dritten Koalitionskrieg zugerechnet.

Nachdem Napoleon am 18. Mai 1803 den italienischen Staat Piemont annektiert hatte, kam es erneut zum Krieg. Napoleon beabsichtigte eine Invasion Großbritanniens.[1] Um die britische Flotte unter Admiral Nelson, die den Ärmelkanal bewachte, von Europa wegzulocken, war Vizeadmiral Pierre de Villeneuve Ende März 1805 von Toulon aus mit einer französisch-spanischen Flotte in die Karibik gesegelt, wo er die dortigen britischen Kolonien bedrohte. Am 7. Juni erfuhr er durch die Kaperung eines britischen Handelsschiffs von Nelsons Ankunft in Antigua. Villeneuve segelte daraufhin am 11. Juni wieder in Richtung Europa, ohne eines seiner Ziele in der Karibik erreicht zu haben.[2]

Am 7. Juli erhielt der erste Lord der Admiralität John Jervis die Nachricht, dass Villeneuve auf dem Weg zurück nach Europa sei. Daraufhin erhielt Admiral Calder den Befehl, die Blockade der Häfen von Rochefort und Ferrol zu beenden und in Richtung Kap Finisterre zu segeln. Dort sollte er Villeneuve abfangen.[3]

Die Seeschlacht

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Am 22. Juli gegen 11:00 Uhr sichteten die Briten die französisch-spanische Flotte mit Steuerbordbug etwa 115 Seemeilen nordwestlich von Kap Finisterre. Die Briten segelten mit Backbordbug in Richtung Nordnordost. Um 12:00 Uhr ließ Calder zum Gefecht klarmachen und eine Stunde später gab er den Befehl, eine Schlachtlinie zu bilden. Calders Flotte, die den Feind durch den Nebel kaum sehen konnte, befand sich fast querab und war etwa sieben Meilen entfernt. Als Kapitän Gardner an Bord der Hero feststellte, dass die Franzosen eine Wende vollzogen hatten, wendete er selbst ohne Signal und eröffnete um 17:20 Uhr das Feuer mit seinen Steuerbordgeschützen auf die Argonauta. Um 17:45 Uhr wendete die Ajax achteraus der Hero, aber anstatt der Hero zu folgen, entfernte sie sich, um Calder über die Positionsänderung zu informieren. Danach nahm sie ihren Platz in der Reihe achtern der Glory ein. Um 17:50 Uhr, als das Signal zum aufeinanderfolgenden Wenden gehisst wurde, hatten die Triumph, die Barfleur, die Agamemnon, die Windsor Castle und die Defiance dies bereits getan. Schließlich folgte Calder mit seinem Flaggschiff Prince of Wales. Um 18:00 Uhr befanden sich alle Schiffe, mit Ausnahme der Dragon, in Luv mit Steuerbordhalsen. Durch den Rauch und den Nebel bildete sich ein dichter undurchdringlicher Schleier, sodass die Schiffe nahezu blind aufeinander feuerten. Zu den Schiffen, die am schwersten getroffen wurden, gehörten die Windsor Castle, die Malta und die Ajax. Auf französischer Seite wurden die San Rafael, die Firme und die Hispana, die nach Lee abgefallen waren, schwer beschädigt. Kurz nach 20:00 Uhr kapitulierte die Firme und wenig später die San Rafael. Bei immer noch dichtem Nebel und Rauch gab Calder um 20:25 Uhr mit hereinbrechender Nacht das Signal zur Beendigung des Kampfes. Die französisch-spanische Flotte befand sich zu diesem Zeitpunkt in Luv, immer noch in Schussreichweite. Da mehrere Schiffe das Signal nicht sahen, dauerten die Kämpfe bis 21:30 Uhr an. Gegen 21:45 Uhr drehten die Briten Richtung Westsüdwest ab, um die Schäden zu beheben.

Am Morgen des 23. Juli betrug der Abstand zwischen den beiden Flotten 27 km. Calder war nicht bereit, noch einmal einen überlegenen Gegner anzugreifen. Außerdem hatte er die beschädigten Schiffe Windsor Castle und Malta zu schützen. Er fürchtete auch, dass die Flotten, die in den bislang blockierten Häfen Rochefort und Ferrol lagen, entkommen und sich mit Villeneuves Flotte zusammenschließen könnten. Daher griff er nicht mehr an und segelte mit seinen Prisenschiffen in Richtung Nordosten. Am 24. Juli drehte der Wind zugunsten der Franzosen. Dennoch unterließ Villeneuve einen Angriff und segelte stattdessen in Richtung Süden.[4]

Aus taktischer Sicht blieb die Schlacht ohne klares Ergebnis. Aus strategischer Sicht bedeutete sie jedoch einen weiteren Rückschlag für Napoleons Invasionspläne. Die britischen Verluste betrugen 198 Tote und Verwundete. Auf Seite der Franzosen und Spanier waren 490 Tote und Verletzte zu verzeichnen. Calder wurde wegen seiner Zurückhaltung im Kampf am 23. und 24. Juli seines Kommandos enthoben, vor das Kriegsgericht gestellt und erhielt dort eine ernste Rüge. Er erhielt danach nie wieder ein Kommando auf See.[5]

Britische Flotte

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Admiral Robert Calder
  • Calder hatte 15 Linienschiffe, zwei Fregatten und zwei kleinere Schiffe zur Verfügung.
SchiffKanonen KommandantVerluste Anmerkungen
getötetverwundetInsgesamt
Hero74 Alan Hyde Gardner145
Ajax74 William Brown218
Triumph74 Henry Inman5611
Barfleur98 George Martin3710
Agamemnon64 John Harvey33
Windsor Castle98 C. Boyles103545
Defiance74 Philip Durham178
Prince of Wales98 W. Cumming32023 Flaggschiff von Admiral Calder
Repulse64 Arthur Keye-Legge044
Raisonnable64 Josias Rowley112
Dragon74 Edward Griffith044
Glory98 Samuel Warren112 Flaggschiff von Konteradmiral Sir Charles Stirling
Warrior74 S. Hood Linzee000
Thunderer74 William Lechmere71118
Malta80 Granger54045

Französisch-spanische Flotte

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Admiral Pierre de Villeneuve
  • Villeneuve hatte 20 Linienschiffe (6 spanische und 14 französische) sowie sieben Fregatten und zwei Briggs zur Verfügung.
SchiffKanonenKommandant VerlusteAnmerkungen
getötetverwundetInsgesamt
Argonauta80 Rafael de Hore6511 Flaggschiff von Generalleutnant Federico Gravina
Terrible74 Francisco Vázquez de Mondragón178
América64 Juan Darrac51318
España64 Bernardo Muñoz52328
San Rafael80 Francisco de Montes4197138 gekapert
Firme74 Rafael de Villavicencio356095 gekapert
Pluton74 Julien Marie Cosmao-Kerjulien142438
Mont-Blanc74 La Villegris51621
Atlas74155267 Kommandant getötet
Berwick74 Camas31114
Neptune80 Maistral3912
Bucentaure805510 Flaggschiff von Admiral Pierre de Villeneuve
Formidable80 Jean-Marie Letellier6814 Flaggschiff von Konteradmiral Pierre Dumanoir Le Pelley
Intrépide74 Ifernet7916
Scipion74 Berenguer0
Swiftsure74 Villemadrin0
Indomptable80 Jean Joseph Hubert112
Aigle74 Gourrege66
Achille74 Nieport0
Algésiras74 Brouard0 Flaggschiff von Konteradmiral Magon
  • Mark Adkin: The Trafalgar companion : a guide to history's most famous sea battle and the life of Admiral Lord Nelson. Aurum Press, London 2005, ISBN 978-1-84513-018-3 (englisch).
  • William Laird Clowes: The Royal Navy, A History from the Earliest Times to 1900,. Band V. Chatham Publishing, London 1997, ISBN 1-86176-014-0 (englisch).
  • Geoffrey Jules Marcus: The age of Nelson; the Royal Navy, 1793-1815. Viking Press, New York 1971, ISBN 0-670-10965-7 (englisch).
  • Noel Mostert: The Line upon a Wind: The Greatest War Fought at Sea Under Sail 1793–1815. Random House, London 2007, ISBN 978-0-7126-0927-2 (englisch).
  • Ben Wilson: Empire of the deep: the rise and fall of the British Navy. Phoenix, London 2014, ISBN 978-0-7538-2920-2 (englisch).
Commons: Schlacht bei Kap Finisterre (1805) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Wilson: Empire of the deep, Phoenix, London, 2014, S. 431.
  2. Mostert: The Line upon a Wind, Random House, London 2007, S. 458 ff., S. 463.
  3. Marcus: The age of Nelson, Viking Press, New York, 1971, S. 258.
  4. Clowes: The Royal Navy, A History from the Earliest Times to 1900 Bd V, Chatham Publishing, London, 1997, S. 111 f.
  5. Adkin: The Trafalgar companion, Aurum Press, London 2005, S. 54–57.