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Schloss Bad Carlsruhe

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Ansicht vor der Zerstörung.

Das Herzogliche Schloss Bad Carlsruhe, zuvor auch Schloss Carlsruhe polnisch Pałac w Pokoju stammte aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und wurde bei Kriegsende 1945 zerstört. Es wurde im barocken Stil erbaut und lag in der Mitte des Rings (Schlossplatz) und des strahlenförmigen Straßennetzes mit acht Straßenachsen im damaligen schlesischen Bad Carlsruhe, dem heutigen Pokój in der Woiwodschaft Opole in Polen.

Um das Schloss waren kreisförmig acht Kavalierhäuser angeordnet.[1] Es hatte einen quadratischen Grundriss und an allen vier Ecken runde Ecktürme, dazwischen je einen Giebel. In der Mitte des Daches erhielt das Schloss einen weiteren Turm. Alle fünf Türme hatten ein Runddach.

Südöstlich des Schlosses entstand ein großflächiger Schlosspark und eine Teichlandschaft. In dieser Gegend entstanden viele weitere kleinere Schlösschen, Wirtschaftsgebäude, Nebengebäude, Pavillons, Hütten und zahlreiche Denkmäler.

Das Gebiet Herzogtum Oppeln gehörte seit 1688 den Herzögen von Württemberg-Oels. Herzog Karl Christian Erdmann von Württemberg-Oels legte 1747 einen eingezäunten Tiergarten mit einer Größe von 640 Hektar an. Es wurden Alleen angelegt, die sich sternförmig kreuzten. In der Mitte dieser Achsen ließ der Herzog ein Jagdschloss bauen. Der Grundstein für das erste Schloss (ein einfaches hölzernes Bauwerk) wurde am 18. März 1749 gelegt und am 3. April 1750 fertiggestellt. Im Oktober 1751 brannte es ab. Im Frühjahr 1752 begann der Bau eines neuen massiven Schlosses nach Entwurf des brandenburgischen Architekten Georg Ludwig Schirrmeister (herzoglicher Landbaumeister von Oels, auch als Georg Wilhelm genannt), 1757 wurde es fertiggestellt. In den folgenden Jahren entstanden die ersten Wohnhäuser und Ställe um das Schloss. Dadurch entwickelte sich Carlsruhe zu einer Ortschaft. 1754–1760 wurden die Teiche, 1760 der Schlosspark angelegt. Von 1765 bis 1775 wurde die evangelische Sophienkirche erbaut, die auch als Grabkapelle der Herzogsfamilie diente. Von 1779 bis 1780 wurde das Schloss ausgebaut und zugleich ein weiteres Stockwerk (2. Etage) errichtet. 1792 starb Herzog Karl Christian Erdmann und Carlsruhe ging an seinen Neffen Prinz Eugen Friedrich Heinrich von Württemberg über. Er verlegte 1793 den Residenzsitz von Oels nach Carlsruhe. Am 8. Februar 1798 brannte das Schloss aus, anschießend und wurde es durch den Baumeister Leyser wieder aufgebaut. Die ursprünglichen Kavalierhäuser wurden später durch Neubauten ersetzt, dabei verringerte sich die Zahl auf sieben.[2][3]

Württemberg-Wappen. Evang. Sophienkirche (Pokój).

1903 erlosch die Stammlinie der Herzöge von Württemberg-Oels in den Folgegenerationen[4] aus. Der letzte Vertreter war Herzog Nikolaus von Württemberg und dessen Frau Herzogin Wilhelmine Eugenia von Württemberg, älteste Tochter seines Halbbruders, die Ehe blieb kinderlos. Die Herrschaft Carlsruhe kam in den Besitz des königlichen Hauses Württemberg-des Königs Wilhelm von Württemberg. 1923 wurde das Schloss ein letztes Mal umgebaut. Letzter Württemberger in Bad Carlsruhe wurde der Offizier Albrecht Eugen von Württemberg (1895–1954).

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurden das Schloss und die umliegenden dazugehörigen Gebäude durch die Rote Armee geplündert und durch Brand zerstört. In den anschließenden Jahren wurden die Reste des Schlosses abgetragen. Bis heute blieb das Gelände unbebaut und es befindet sich dort nur eine leere Rasenfläche.

  • Richard Konwiarz: Alt-Schlesien: Architektur, Raumkunst, Kunstgewerbe. Fotos: Heinrich Goetz, Verlag J. Hoffmann, Stuttgart 1913. Reprint 1: Verlag Wiedlich, Frankfurt am Main 1979. ISBN 3-8035-1032-5.; Reprint 2: Lizenz des Stürtz-Verlag, Würzburg, Bechtermünz, Augsburg 1997. ISBN 3-86047-177-5.
  • Walter Irrgang: Bemerkenswerte Parkanlagen in Schlesien. Hrsg. Forschungsstelle Ostmitteleuropa: Veröffentlichungen der Forschungsstelle Ostmitteleuropa. Reihe A, Nr. 33, Verlag Pädagogische Hochschule, Dortmund 1978, u. a. S. 47.
  • Robert Weber: Schlesische Schlösser. Band 2, Verlag des Deutschen Schlösser Album, Dresden 1909.
  • Das Herzogl. Haus Württemberg zu Carlsruhe in Schlesien, In: L. Oelenheinz, H. von Kohlhagen (Hrsg.): Heraldisch-Genealogische Blätter für adelige und bürgerliche Geschlechter. Monatsschrift. Organ des St. Michel. 4. Jahrgang, Nr. 7, Verlag Handels-Druckerei, Bamberg Juli 1907, S. 111 f.
  • Friedrich-Carl Esbach: Das herzogliche Haus Württemberg zu Carlsruhe in Schlesien. W. Kohlhammer, Stuttgart 1906.
  • Alexander Duncker (Hrsg.): Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der Preußischen Monarchie nebst den königlichen Familien-, Haus-, Fideicommiss- und Schattull-Gütern nebst Text. Band 4, Selbstverlag, Berlin 1861, Blatt 205.

Quellen (Auszug)

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Commons: Schloss Bad Carlsruhe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Arwin Bormann: Schlesische Monatshefte. Blätter für Kultur und Schrifttum der Heimat. 1927, Jg. 4, Nr. 7. Wilhelm Gottlieb Korn, Breslau 1927. (PDF-Digitalisat)
  2. Kulturportal West-Ost/Ansicht 18. Jahrhundert. Karl Christian Erdmann Duke of Württemberg-Oels.: (Digitalisat)
  3. Herder-Institut Marburg-Lahn (Hrsg.): Ansicht 18. Jahrhundert. (Digitalisat)
  4. Freiherr J. vün Hügel, G. F. Schmidt: Die Gestüte und Meiereien Sr. Majestät des Königs Wilhelm von Württemberg. Ebner & Seubert, Stuttgart September 1861, S. 221, u. S. 1. (Digitalisat)

Koordinaten: 50° 54′ 9″ N, 17° 50′ 13,9″ O