Schnittführung (Baumpflege)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Schnittführung nennt man die Durchführung des Schnitts beim Entfernen eines Astes. Die Schnittführung ist so zu wählen, dass der Baum die Schnittstelle optimal abschotten und durch die Bildung von Kallus die Verletzung so schnell wie möglich wieder verschließen kann. Das Entstehen von Versorgungsschatten sollte möglichst vermieden werden.

Schnittführungen der Astanbindung entsprechend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abschiedskragen bei absterbendem Ast
  • Schnitt lebender Äste mit eingewachsener Rinde: Schnitt des Astes so nah wie möglich am Stamm, aber außerhalb des Rindengrats. Der Stamm darf nicht verletzt werden;
  • Schnitt lebender Äste mit Astring: Schnitt außerhalb des Astringes, der Astring darf nicht verletzt werden;
  • Schnitt lebender Äste ohne Astring, aber mit Astkragen bzw. Astrindenleiste: Schnitt außerhalb des Astkragens, zwischen Astquerschnitt und Stammverlauf;
  • Doppelstamm (Zwiesel): Stammvergabelungen sollen so früh wie möglich entfernt werden, der Schnitt erfolgt außerhalb des Astkragens. Äste oder Stämmlinge über 10 cm Durchmesser sollten möglichst nicht mehr entfernt werden. Die Schnittführung sollte sich nach dem zu beobachtenden Winkel bei der Astreinigung orientieren.

Die wichtigsten Punkte im Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Keine stammparallelen Schnitte
  • Vermeidung großer Wunden
  • Ist ein Astring vorhanden, muss außerhalb des Astrings geschnitten werden
  • Das Stammgewebe oberhalb des Astansatzes darf nicht verletzt werden
  • Astring darf nicht abgeschnitten werden.
  • Vermeidung von Versorgungsschatten
  • kein Stummelschnitt
  • Äste müssen zunächst mit Unter- und Oberschnitt grob eingekürzt werden, um das unkontrollierte Ausbrechen der Äste zu vermeiden (Entlastungsschnitt)

Starkastschnitt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rückschnitt oder die Entfernung von Ästen mit einem Durchmesser von mehr als 10 cm. Starkastschnitte sollten ohne Notwendigkeit überhaupt nicht durchgeführt werden, da große Wunden stärker der Gefahr einer Infizierung mit Pathogenen ausgesetzt sind. Eine Folge davon ist wiederum das Entstehen großer Faulhöhlen. Insbesondere Starkastschnitte am Hauptstamm haben negative Folgen: Unterhalb der Schnittverletzungen entstehen Versorgungsschatten. Aufgrund der geänderten physikalischen Eigenschaften kann es in Wundnähe zu Längsrissen kommen. Die noch verbleibende Lebenszeit des Baumes wird stark herabgesetzt, die Bruchfestigkeit wird reduziert. Starkastschnitte werden oft in Unkenntnis der gravierenden Folgen durchgeführt. Oft werden Bäume ohne Grund zu weit aufgeastet. Zum Teil werden Starkäste im Zuge eines verspäteten Lichtraumprofilschnittes direkt am Stamm entfernt. Auf die so entzogene Blattmasse reagieren die Bäume meist verstärkt mit Neuaustrieben, die innerhalb weniger Jahre ausgelichtet werden müssen. Wegen der zu erwartenden Folgeschäden empfiehlt die ZTV-Baumpflege, Starkäste beim Lichtraumprofilschnitt nur zu reduzieren. Starkastschnitte dürfen nur durchgeführt werden, wenn sie aus Gründen der Verkehrssicherheit notwendig sind.

Ableiten auf Versorgungsast

Bei Einkürzungen soll auf Zugast geschnitten werden. Der Durchmesser des Zugastes sollte möglichst ein Drittel des einzukürzenden Astes an der Schnittstelle betragen.

Die Schnittstärke gibt den Durchmesser des zu schneidenden Astes an. Äste über 5 cm (bzw. 10 cm) Durchmesser sollten nur mit Begründung entfernt werden, also wenn es aus Sicherheitsgründen oder anderen Gründen nicht zu vermeiden ist. Grundsätzlich sollten alle Eingriffe so gering wie möglich ausfallen und die Wunden so klein wie möglich gehalten werden.

Feinst- und Feinäste (Äste unter 3 cm Durchmesser) dürfen nicht mit der Motorsäge abgeschnitten werden. Schnitte sind geradlinig durchzuführen. Das Holzgewebe muss mit scharfem Werkzeug nachgeschnitten werden. Glatte Schnitte (die auch mit neuen Astblattsägen möglich sind) fördern die Überwallung. Die Motorsäge wird in der Regel nur bei bedenklichen Bäumen benötigt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]