Scholarch

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Ein Scholarch (altgriechisch σχολάρχης scholárchēs „Schuloberhaupt“, von σχολή scholḗ „Schule“ und ἄρχειν árchein „gebieten“) ist der Leiter einer Akademie oder anderen höheren Bildungseinrichtung.

Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff stammt aus den antiken Philosophenschulen, namentlich der platonischen Akademie und dem Peripatos (Lykeion). Der Scholarch wurde auf Lebenszeit gewählt. In der Akademie ist für die Wahl des Xenokrates, des zweiten Nachfolgers Platons, eine Kampfabstimmung mit knappem Ausgang bezeugt. Wähler waren in der Akademie die Studenten, nicht etwa ein Leitungsgremium, und die Wahl war geheim. In der Spätzeit (ab der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts v. Chr.) wurde die Scholarchenwahl manchmal umgangen, indem die Scholarchen noch zu Lebzeiten die Schulleitung an von ihnen ausgewählte Nachfolger übergaben. Im Peripatos konnte der Scholarch, wenn er wollte, mittels testamentarischer Verfügung seinen Wunschnachfolger durchsetzen oder ein Wahlgremium bestimmen. Rechtlich war der Scholarch des Peripatos Eigentümer der Schule, d. h. des Schulgeländes und der Bibliothek.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Neuzeit wurde ein höherer Beamter der Schulverwaltung oder der Schulaufsicht mancherorts als „Scholarch“ bezeichnet, etwa im Königreich Bayern, wo Christoph von Schmid und Georg von Jäger als Kreisscholarchen amtierten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tiziano Dorandi: Chronology und Organization and structure of the philosophical schools. In: Keimpe Algra u. a. (Hrsg.): The Cambridge History of Hellenistic Philosophy. Cambridge University Press, Cambridge 1999, ISBN 0-521-25028-5, S. 31–62