Schwimmschule Steyr

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Historische Preisliste aus dem Jahre 1884

Die Steyrer Schwimmschule, das älteste Freibad für Arbeiter Europas,[1] wurde ursprünglich von Direktor Josef Werndl (Geschäftsmann und Waffenproduzent, Steyr Daimler Puch AG) für Werksarbeiter der Steyr-Werke im Jahre 1874 im Wehrgraben als „Josef Werndl’sche Schwimm- & Badeanstalt“ neu errichtet und besteht in seiner heutigen Form mit dem Namen „Schwimmschule“ seit 1950. Seit dem Jahrhunderthochwasser 2002 wurde sie in mehreren Etappen modernisiert.

Geschichte[Bearbeiten]

Schon früher, im Jahre 1863, hatte Josef Werndl für seine Arbeiter an der Direktionsstraße die ursprüngliche Schwimmschule errichtet, die 1873 aufgrund eines Fabrikbaus an dem Standort aufgelassen wurde. 1874 schuf Werndl als Ersatz eine neue Badeanstalt, wozu der Zimmermeister und späterer Maschinenfabrikant Josef Huber den Plan lieferte. Die ursprünglich U-förmige Anlage, von der nur noch das Becken vorhanden ist, bestand aus einem Eingangspavillon, einem Restaurantgebäude und einem langgestreckten Kabinentrakt mit einem in der Mitte liegenden „Salon“. Der Holzfachwerkbau mit Ziegelausmauerung war in seiner architektonischen Gestaltung ein Mittelding zwischen Kur- und Industriebau. Die Anstalt war sowohl dem Schwimm- als auch dem Eislaufsport gewidmet. Schwimmsaison war damals von April bis inklusive September, Eislaufsaison von Oktober bis inklusive März. Im Mai 1950 wurde die Schwimmschule durch die Steyr-Daimler-Puch AG wiedereröffnet, nachdem die eingebrochene Mauer entlang der Steyr erneuert, das Kinderplanschbecken mit Filteranlagen ausgestattet und die Schwimmbecken völlig neu angelegt worden waren. 1961 wurde das Bad modernisiert. Dabei verschwand das Eingangsgebäude an der Schwimmschulstraße.[2]

Die Renovierungsarbeiten des ältesten Freibades Europas wurden 2013 abgeschlossen. Im Zuge dieser Modernisierung wurde der Kabinentrakt (2002), das Kästchen- & Sanitärgebäude, der Eingangsbereich samt Kasse (2004–06), Sammelkabinen nebst Terrasse (2008), das Kinderbecken mit Rutsche[3] (2010) sowie ein neues Buffet mit Terrasse, welches direkt am Steyrer Fluss gelegen ist und das große Sportbecken (2012) umfangreich saniert.

Die nach dem Bad benannte Schwimmschulstraße führt von der Wehrgraben- bis zur Schweizergasse[4]

Im Jahre 1999 verkaufte Frank Stronach für die Steyr-Daimler-Puch AG die defizitäre Badeanstalt an den neu gegründeten „Verein Freunde der Schwimmschule“ um einen österreichischen Schilling.[5] Der Gründer des Vereins ist Altbürgermeister der Stadt Steyr Hermann Leithenmayr, der zugleich auch als Obmann fungierte. Nach seinem Ableben im Jahr 2010 übernahm diese Tätigkeit der Altvizebürgermeister Gerhard Bremm. Die Geschäftsführung hat der ehemalige Stadtwerke-Steyr-Chef[6] Direktor a.D. Dkfm. Ing. Karl Zeilinger inne.

Die Stadt Steyr unterstützt den Verein der „Freunde der Schwimmschule“ maßgeblich, damit die Steyrer Schwimmschule erhalten bleibt. Jährlich werden sogenannte lebende Subventionen genehmigt, die neue Investitionen im laufenden Betrieb abdecken sollen. Die Lohnabrechnung und der reibungslose Schwimmschulbetrieb wird kostenfrei vom Steyrer Magistrat durchgeführt.[7]

Im Zuge der Renovierungsarbeiten erhielt die Schwimmschule weitere Anerkennungen. Unter anderem beim Oberösterreichischen Holzbaupreis 2007 sowie beim Architekturpreis 2009 der Region.[8]

Die Schwimmschule soll in Zukunft eventuell zu einem historischen Naturbad umgebaut werden.[9]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ältestes Arbeiterfreibad Europas angesehen 13. Mai 2010
  2. Benedikt Schnabl: Industriegeschichte Steyr. (PDF) angesehen 17. Mai 2010
  3. Fotogalerie Schwimmschule – Kinderbecken angesehen 17. Mai 2010
  4. Straßennamen Steyr online; angesehen 23. November 2010
  5. Verein der Freunde der Schwimmschule in Steyr angesehen 13. Mai 2010
  6. Leitung Stadtwerke Steyr
  7. Stadt Steyr unterstützt Schwimmschule (Memento vom 23. August 2012 im Internet Archive). Eintrag vom 12. April 2012
  8. Anerkennungen & Preise
  9. Amtsblatt der Stadt Steyr 2001, Nr. 6, S. 8–9. Auch zur Vorgeschichte des ältesten Arbeiterbades Europas ab 1863. Dazu auch ebd. Nr. 7, S. 7: Projekt „Schwimmschule neu“: Kultur- und Naturraum verschmelzen, weiters etwa ebd. 2002, Nr.6, S. 4: Verein will Schwimmschule und einzigartige Erholungsanlage erhalten. Angesehen 13. Mai 2010

48.04224020277814.406673013889Koordinaten: 48° 2′ 32″ N, 14° 24′ 24″ O