Semski Sobor

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Die Semski Sobor (russisch Земский собор) war eine russische Ständeversammlung, die im 16. und 17. Jahrhundert in unregelmäßigen Abständen tagte. Mitglieder waren die Vertreter aller Stände mit Ausnahme der hörigen Bauern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Semski Sobor waren ständische Landesvertretungen, Reichsversammlungen, die im Russland des 16. und 17. Jahrhunderts tagten. Ihr Auftreten stand in Verbindung mit der Herausbildung des russischen Einheitsstaates, der Schwächung der fürstlich-bojarischen Aristokratie, der erhöhten politischen Machtstellung des niederen und mittleren Adels und dem Emporkommen der städtischen Oberschichten.

Der erste Semski Sobor trat im Jahr 1549 in der Regierungszeit von Iwan IV. zusammen; bei ihnen handelte es sich um Vertreter der geistlichen und der weltlichen Landesherren. Auf ihren Sitzungen wurden wichtige Fragen der Gesellschaft und des Staates beraten. Seit den 1560er Jahren nahmen an den Beratungen des Semski Sobor auch Angehörige des Unternehmer-, Kaufmanns-, und Handwerkerstandes teil. Der Semskij Sobor wählte 1598 Boris Godunow, 1613 Michael I. zum Zaren.

Im Zusammenhang mit der Herausbildung der absoluten Regierungspraxis verloren die Semski Sobor allmählich ihre Funktion und verschwanden schließlich ganz. Eine nochmals bedeutsame Rolle spielten die Semski Sobor beim Erlass des Reichsgesetzbuches von 1649.

1922 rief die Provisorische Amur-Regierung ein „Semski Sobor“ zusammen, das Nikolai Nikolajewitsch Romanow zum Zaren bestimmte.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • С.Л. Авалиани. "Литературная история земских соборов". Odessa, 1916.
  • Земские соборы The encyclopedia Brockhaus and Efron, Moscow, 1993. Abgerufen 10. März 2012