Seppel

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Seppel (Begriffsklärung) aufgeführt.
Handpuppe einer Sepplfigur

Seppel oder Seppl (ein von Josef herrührender Kosename) ist eine traditionelle Figur aus dem klassischen Ensemble des Kaspertheaters.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Kasperspiele-Literatur taucht die Figur des Seppel ab etwa 1921, dem Gründungsjahr der Hartensteiner, später Hohnsteiner Puppenspiele, als Kaspers bester Freund und Weggefährte auf. Während der alte, noch sehr burschikose Jahrmarktskasper seine Abenteuer meist alleine und mit Hilfe seiner Pritsche (Klatsche) bewältigte, setzte der nachjacobinische Kasper deutlich mehr auf friedliche und humorvolle Problemlösungen, wozu die Figur einen Freund – ebendiesen Seppel – benötigte.

Den „Ahnen“ aller späteren Seppel schuf der Holzbildhauer Theo Eggink. Ursprünglich war Seppel ein in sächsischer Burschentracht gekleideter Charakter; später kleideten ihn die Puppenspieler in den Landestrachten ihrer jeweiligen Region ein, und es setzte sich im deutschlandweiten Bewusstsein des Publikums mehr und mehr ein bairisch anmutender Seppel mit Lederhosen und dem typischen Seppelhut durch.

Bald schon gehörte diese Figur auch zu den Standardsets der industriell gefertigten Handpuppen, wie sie als Kinderspielzeug in den unterschiedlichsten Materialien im Handel erhältlich waren und z.T. nach wie vor sind (etwa von den Firmen Lotte Sievers-Hahn, Kersa, Dresdner Künstlerpuppen, Steiff u.a.m.).

Wirkungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An Kaspers Seite wurde Seppel zum festen Ensemblemitglied des traditionellen Puppentheaters und ab den 1940er Jahren in zunehmendem Maße ein „Medienstar“, wobei die Seppel-Darstellungen in Film, Theater und Hörspiel äußerst vielseitig waren: Die Hohnsteiner und andere Bühnen zeigten in ihren Bühneninszenierungen und Filmen einen Seppel, der seinem Freund Kasper intellektuell deutlich unterlegen war, während die gleiche Figur in den zahlreichen Hörspielen von Gerd von Haßler als geistreicher, belesener und wissenschaftlich-erfinderischer Mann im jungen Erwachsenenalter daherkam. Otfried Preußler bediente sich der Figur in seinem Buch Der Räuber Hotzenplotz als einem der Hauptcharaktere, in den Filmversionen der Geschichte dargestellt von Gerhard Acktun (Verfilmung von 1974) bzw. von Manuel Steitz in der 2006er Fassung.

Redewendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnungen Seppelhose und Seppelhut für eine kurze bayerische Trachten-Lederhose und den bayerischen Trachten-Filzhut gehen weniger auf die Seppelfigur des Kasperltheaters zurück. Vielmehr findet sich der Ursprung dieser Bezeichnungen in der Hypothese, dass eine Mehrheit der Trachtenträger den recht häufig in Bayern vergebenen Vornamen Josef, hier in der Kurzform Seppel, trägt. [1]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Duden - Deutsche Rechtschreibung“ Eintrag Seppelhose