Sherab Gyatsho (Gelugpa)

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Tibetische Bezeichnung
Tibetische Schrift:
ཤེས་རབ་རྒྱ་མཚོ་
Wylie-Transliteration:
shes rab rgya mtsho
Chinesische Bezeichnung
Vereinfacht:
喜饶嘉措
Sherab Gyatsho während des nationalen Volkskongresses 1954 im Gespräch mit dem großen Steuermann.

Sherab Gyatsho (tib.: shes rab rgya mtsho; *1884 in der Region Amdo im heutigen Autonomen Kreis Xúnhuà der Salaren im Südosten der Stadt Hǎidōng in der chinesischen Provinz Qīnghǎi; † 1968) war ein chinesischer Mönch und Gelehrter der Gelugpa-Tradition des tibetischen Buddhismus und Politiker tibetischer Herkunft.

Lebensweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Kind gab man ihn in das Kloster Gori Dratshang,[1] Später setzte Sherab seine Studien im Kloster Labrang in der Provinz Gansu fort. 1896 begab er sich ins Drepung-Kloster. Die Mönche dieses Klosters und von Tengyeling stellten sich in der Frage der Vertreibung der Chinesen 1911–13 gegen den Dalai Lama. Auch 1919–21 kam es immer wieder zur Konflikten mit der Regierung.

Im Wesentlichen lebte er von 1903–35 (? 1937) als Lama in Lhasa, wo er 1916 den Geshe-Grad erreicht hatte. Er war an der Herausgabe der Gesammelten Werke von Butön Rinchen Drub und der Gesammelten Werke von Desi Sanggye Gyatsho beteiligt. Er soll auch an einer neuen Zusammenstellung des Lhasa-Kanjur beteiligt gewesen sein.

1940er

Über Indien reiste er nach Nanking und verbrachte die meiste Zeit des China-Zwischenfalls in Chungking. Dort war er u. a. in der „Gesellschaft für die Förderung tibetischer Kultur“ aktiv. Ab Oktober 1942 war er Mitglied in der zahnlosen 3. Volksversammlung des KMT-Regimes. Seit Mai 1945 war er Kandidat, ab 1946 stellvertretendes Mitglied im 6. Zentralen Kontrollkomitee der KMT. 1947–49 fungierte er als einer der Vizepräsidenten der „Kommission für mongolische und tibetische Fragen“ (蒙藏委員會).

In der Volksrepublik

Nach der Befreiung wurde Sherab Gyatsho Mitglied in der Regierung seiner Heimatprovinz Qīnghǎi – seit Dezember 1954 als einer der Vize-Gouverneure. Auch war er eingeladenes Mitglied der 1. Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes (PKKCV), in die er während für die nächsten drei Legislaturperioden wiedergewählt wurde. Zugleich saß er u. a. 1950 bis September 1954 im Komitee für Nationalitätenfragen und im (Militär- und) Verwaltungsrat Nordwestchinas.[2]

Buddhistische Vereinigung
Ausschußsitzung während der Generalversammlung der chinesischen buddhistischen Vereinigung in Peking. Sherab Gyatso (sitzend 2. v. li.), Zhào Pǔchū, der Generalsekretär, am Kopfende.
Sherab Gyatsho, als Delegationsleiter der buddhistischen Vereinigung Chinas auf Besuch in Birma, trägt während einer Prozession aus Anlaß der Übergabe von Geschenken eine kleine Pagode. Weiterhin übergeben wurden ein Satz des chinesischen buddhistischen Kanons und eine Almosenschale, 11. Apr. 1955.

Zunächst stellvertretender Vorsitzender, an der Seite des greisen Yuányīng(† 1953), dann dessen Nachfolger fungierte er 1953–66 als Präsident der neugegründeten pekinger Buddhistische Vereinigung (BAC). Ebenso stand er deren Ausbildungsinstitut im Guǎngjì-Tempel (廣濟寺) nominell vor. Tatsächlich zog die Fäden jedoch der linientreue Laie Zhào Pǔchū als Generalsekretär die Organisation.

Auch im Präsidium des Welt-Buddhistenverbandes wirkte er bis Ende 1961 mit. In dieser Eigenschaft unternahm er Auslandsreisen nach Birma im April 1955 und erneut mit Chou En-lai (Dez. 1960), zum 4. World Buddhist Congress in Kathmandu im Nov. 1956 sowie im Mai 1959 zum Weltfriedenskongreß nach Schweden. Delegationen unter seiner nominellen Leitung fuhren 1961 zur Ausleihe der Zahnreliquie an Ceylon (heute Sri Lanka) und im November zum 6. World Buddhist Congress in Phnom Penh.

Zugleich war Sherab Direktor des Instituts für Buddhismus in Peking und Inhaber etlicher weiterer machtloser Pöstchen in Organisationen im Bereich der Völkerfreundschaft und Nationalitätenfragen.
Aus der Stellung als Vize-Gouverneur Qīnghǎis musste er, wohl eher aus Alters- statt politischen Gründen, Juli 1966 ausscheiden.

Seine Wiedergeburt soll 1976 in Amdo in der Nähe des Klosters Labrang Tashi Kyil gefunden worden sein.[3]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gesammelte Werke: 喜饒大師文集, Xǐ ráo dàshī wénjí
  • 藏族文化概論, Zàngzú wénhuà gàilùn [„Einführung in die tibetische Kultur“]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karma-phun-tshogs, Karma Phuntsho: Mipham's dialectics and the debates on emptiness: to be, not to be or neither. 2. Auflage. Riyang Books, Thimphu 2013, ISBN 978-99936-899-5-9.
  • Stephan von Minden (Hrsg.): Chinese Biographical Archive. Saur, München 1996–1998, ISBN 3-598-33937-2, Fiche 254, 337. (erschlossen über Chinesischer biographischer Index, 2000, 3 Bände)
  • Johannes Prip-Møller, Henry Lohner: Buddhistische Tempel in China. 中原佛寺圖考 [Zhōngyuán fósì túkǎo.] Band II, Norderstedt 2017, ISBN 978-3-7448-7273-7, S. 614–615, 642.
  • Heather Stoddard: Long Life of rDo-sbis dGe-bšes Šes-rab rGya-mcho (1884–1968). In: Helga Uebach, Jampa L. Panglung (Hrsg.): Tibetan Studies: Proceedings of the 4th Seminar of the International Association for Tibetan Studies. Kommission für Zentralasiatische Studien, München 1988, S. 465–471.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sherab Gyatso – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. tib. dga' ldan 'phel rgyas gling (sgo ris grwa tshang), chin. Gǔléi sì 古雷寺 in Zentral-Amdo im Gebiet der Tibetischen Gemeinde Daowei (道幃藏族鄉, Dào wéi zàngzú xiāng, tib. rDo-sbis) im Südosten von Xunhua, Provinz Qinghai.
  2. fodian.goodweb: Xiraojiacuo (gefunden am 15. Januar 2010)
  3. Who's who in Tibet (2010-07-07).
Sherab Gyatsho (Alternativbezeichnungen des Lemmas)
Dobi Geshe Sherab Gyatsho; rdo sbis dge bshes shes rab rgya mtsho; Sherab Gyatso; Dobi Geshé Sherap Gyatso; rDo-sbis dGe-bšes Šes-rab rGya-mcho; chin. 喜饒嘉措, 喜饶嘉措, 喜饒嘉措大師, 喜饶嘉措大师