Silberstift

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Silberstift

Ein Silberstift ist ein Zeichenstift ähnlich dem Bleistift aus Silber. Im 15. Jahrhundert war die Blütezeit der Silberstiftzeichnung. Aber auch heute wird der Silberstift von Künstlern benutzt. In den meisten Fällen wurde der Silberstift durch den Bleistift ersetzt. Gegenüber diesem haben Silberstifte die Vorteile, dass sie annähernd unzerbrechlich sind und kaum jemals nachgespitzt werden müssen; außerdem können sie auch auf feuchten Zeichenuntergründen (zum Beispiel Papier) eingesetzt werden.

Burg Weinsberg 1515, von Hans Baldung Grien mit Silberstift gezeichnet.
Das Aachener Rathaus 1520, Zeichnung von Albrecht Dürer
Profil eines Kriegers, um 1475, Zeichnung von Leonardo da Vinci

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Silberstift wurde für Zeichnungen, aber auch zum Vorzeichnen von Gemälden benutzt.

Er war bereits unter den Metallstiften in der römischen Antike bekannt und war das ganze Mittelalter hindurch verbreitetes Zeichenmittel. Cennino Cennini erwähnte um 1400 den Silberstift in seinen Malanleitungen. Der Stift entwickelte sich mit der ausgehenden Gotik und dem Beginn der Frührenaissance zu dem eigentlichen Mittel der autonomen Zeichnung, das heißt, die Zeichnung wurde selbst zum Kunstwerk und war nicht mehr Hilfsmittel und Vorstufe zum eigentlichen Werk. Ihren Höhepunkt erlebte die Technik in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Jan van Eyck, Leonardo da Vinci, Hans Holbein, Albrecht Dürer, Hans Baldung und andere haben den Silberstift häufig verwendet. Nach 1500 kam er mehr und mehr außer Gebrauch. Es tauchten nur noch vereinzelt Werke in dieser Technik auf. Im 19. Jahrhundert wurde der Stift im Zuge der Romantik wieder neu entdeckt, vorrangig für Bildwerke. Im 20. Jahrhundert regte Joseph Meder 1909 mit dem Büchlein vom Silbersteft die Künstler dazu an, sich wieder mit dem Silberstift zu beschäftigen. Beispiele dafür sind Otto Dix und Franz Lenk.

Alte Silberstifte bestehen meistens aus einem massiven Metallgriffel aus Kupfer oder Bronze, auf den eine kurze runde Silberspitze aufgelötet ist. Sie sind häufig reich verziert und tragen eine Öse am Ende zur Befestigung einer Schnur, damit der wertvolle Stift nicht so leicht verloren geht.

Verfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Spitze von Silberstiften ist leicht abgerundet, damit sie die Zeichenunterlage nicht zerkratzt. Der Untergrund muss leicht rau sein, damit sich das Silber vom Stift abreibt. Trotzdem sind nur dünne hellgraue Linien möglich. Im Laufe der Zeit dunkeln diese zu einem bräunlichen Farbton durch Bildung von Silbersulfid nach. Silbersulfid ist eigentlich schwarz, sieht aber bei der geringen Menge eher bräunlich aus. Dieses Nachdunkeln wird durch einen schwefelhaltigen Zeichengrund unterstützt.

Als Zeichenunterlage wurde mit Bims angerauhtes Pergament oder beschichtetes Papier verwendet. Die Beschichtung bestand dabei aus Tierknochen, Gips, Kreide und Leimwasser, auch Eidotter wurde zugesetzt. Gips und Eidotter enthalten Schwefel, der für eine bessere und schnellere Dunkelfärbung sorgt, als dies nur an Luft möglich wäre. Heute wird als Untergrund ein Anstrich mit Lithopone empfohlen, hier bringt das in der Lithopone enthaltene Zinksulfid den Schwefel mit.

Im Buch von Kurt Wehlte Werkstoffe und Techniken der Malerei sind drei Rezepte für Silberstiftgründe genannt.

Zeichentechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Silberstift können nur dünne Linien gezeichnet werden. Eine Flächenfüllung ist nur durch Schraffuren möglich, ähnlich wie bei Kupferstichen und Radierungen. Ein einmal gesetzter, anfangs feingrauer Strich, der rasch nach Braun oxidiert, lässt sich nicht mit einem Radiergummi entfernen. Dazu muss der Streichgrund entweder abgekratzt werden, was aber sichtbar bleibt, oder er muss mit neuem Streichgrund übermalt werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Silberstiftzeichnungen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien