Schluff

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Dieser Artikel beschreibt eine bestimmte Korngröße in Lockersedimenten und Böden; zu anderen Bedeutungen des Wortes siehe Schluff (Begriffsklärung).
Schluffpartikel sind so feinkörnig, dass sie, wie Tonpartikel, auch bei geringen Turbulenzen lange in Suspension bleiben können. Sie finden sich daher unter anderem in typischen Schwemmlandsedimenten in relativ großer Entfernung zum eigentlichen Flussbett. Das Foto zeigt das mit schluffig-tonigem Material überzogene Innere eines PKW im Osten (9th ward) von New Orleans, der von einem Deichbruch des Mississippi im Zusammenhang mit dem Hurrikan Katrina betroffen war.

Unter Schluff (auch Silt) versteht man in den Geowissenschaften unverfestigte klastische Sedimente sowie Feinböden unterschiedlicher Abkunft, deren mineralische Bestandteile überwiegend (> 50 %) eine Korngröße von 0,002 bis 0,063 Millimeter aufweisen. Schluff und Silt sind zugleich auch die Bezeichnungen für das entsprechende Korngrößenintervall, das eine Mittelstellung zwischen dem gröberen Sand und dem feineren Ton einnimmt. Partikel in Schluffgröße sind in hohem Maße in den bindigen Böden bzw. Sedimenten enthalten, die als Lehm bezeichnet werden. Als Kurzbezeichnung für die Korngröße Schluff dient ein großes „U“. Klastische Sedimentgesteine mit einer Dominanz von Korngrößen im Schluffbereich werden Schluff- oder Siltsteine genannt.

Bestimmung silthaltiger Sedimente und Böden im Gelände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siltkörner sind so klein, dass sie weder mit dem bloßen Auge noch mit der Lupe einzeln auflösbar sind. Eine Unterscheidung von Silt- und Tonpartikeln ist daher auf diese Weise im Gelände nicht möglich. Allerdings gilt, dass aufgrund der speziellen Eigenschaften der jeweiligen Minerale, Siltpartikel in der Regel aus relativ harten Mineralen, meist Quarz, bestehen, während Tonpartikel aus den viel weicheren Tonmineralen bestehen. Bei der provisorischen Untersuchung von schwach bis moderat verfestigten Sedimentgesteinen während der geologischen und bodenkundlichen Gelände- und Feldarbeit kann daher eine Unterscheidung von Siltstein oder siltigem Tonstein und reinem Tonstein durch die sogenannte „Knirschprobe“ erfolgen. Hierbei wird ein sehr kleines Eckchen des betreffenden Gesteins abgebissen und „gekaut“. Ein charakteristisches Knirschen des Gesteins zwischen den Zähnen zeigt das Vorhandensein von Silt im „beprobten“ Gestein an.

Die Abgrenzung von schluffigen zu tonigen Feinböden bzw. unverfestigten Sedimenten erfolgt im Gelände mittels „Fingerprobe“. Anders als relativ reiner Ton ist feuchter Schluff oder schluffreicher Ton zwischen den Fingern nur mäßig formbar und durch die größere Korngröße wird das Licht diffuser reflektiert, sodass das Material beim Verreiben zwischen den Fingerkuppen nicht typisch fettig glänzt.

Untergliederung der Korngröße Schluff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Korngröße Schluff bzw. Silt ist durch die Norm EN ISO 14688 definiert, die 2002 die DIN 4022 abgelöst hat. Unterteilt wird hierbei in Fein-, Mittel- und Grobschluff.

Schluff
(Silt) (U/Si)
Grobschluff (gU/CSi) 0,02 bis 0,063 mm
Mittelschluff (mU/MSi) 0,0063 bis 0,02 mm
Feinschluff (fU/FSi) 0,002 bis 0,0063 mm

Da bei der Korngößenanalyse eines Sedimentes oder Bodens im Labor die Abtrennung der Silt- von der Tonfraktion sowie die Trennung der Unterfraktionen der Siltfraktionen aufgrund der geringen Korngrößen nicht durch Sieben erfolgen kann, sondern durch Schlämmen erfolgen muss, werden Ton- und Siltpartikel in diesem Zusammenhang unter dem Begriff Schlämmkorn subsumiert.

Die international zur Einteilung der Sedimente verwendete Wentworth-Skala basiert auf dem Logarithmus zur Basis 2, die Klassifikation nach EN ISO bzw. DIN dagegen auf dem dekadischen Logarithmus. Damit erreichen die letztgenannten Normen, dass auf einer logarithmischen Korngrößenskala die Abstände im wichtigen Bereich von 0,002 bis 20 mm gleich sind. Als Konsequenz weichen die Grenzen der Kornklassen der beiden Systeme voneinander ab. Nach der Wentworth-Skala hat der Silt eine Korngröße von 0,004 bis 0,063 mm (gerundet). Daher ist bei Verwendung von Literatur aus unterschiedlichen Quellen auf das jeweilig zugrunde liegende Bezugssystem zu achten.

Klassifikation schluffhaltiger Sedimente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle klastischen Sedimente deren Körner mehrheitlich (> 50 %) im Größenbereich von Schluff bzw. Silt liegen werden als Schluffe bzw. Silte bezeichnet. Je nachdem, welche der Schluff-Korngrößen dominiert, können, analog zu den entsprechenden Korngrößenbezeichnungen, Fein-, Mittel- und Grobschluffe unterschieden werden. Fein- und Mittelschluffe gehören gemeinsam mit den Tonsedimenten zu den Peliten, Grobschluffe werden gemeinsam mit den Sanden zu den Psammiten gestellt. In Sedimenten mit hohem Ton- und Schluffanteil sind nomenklatorische Abstufungen wie Schluffton (Ton dominiert noch), Tonschluff (Schluff dominiert schon) und toniger Schluff (Schluff dominiert deutlich) möglich.

Ein relativ stark verfestigtes klastisches Sedimentgestein, das überwiegend aus schluffigem Korn besteht, wird als Schluffstein (Siltstein) bezeichnet. In der englischen Nomenklatur werden alle klastischen Sedimentgesteine, in denen Korngrößen unterhalb der von Feinsand dominieren, als Mudstones („Schlammsteine“) zusammengefasst.

Karbonatgesteine können als Kalkschluff, Dolomitschluff usw. klassifiziert werden, wobei zu beachten ist, dass Karbonatpartikel dieser Größenordnungen in aller Regel nicht klastisch sind, sondern im Ablagerungsraum („in situ“) durch Organismen erzeugt werden (Bioerosion, aktive Abscheidung von Kalziumkarbonat durch Einzeller).[1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Silt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Schluff – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. siehe z.B. Amr A. El-Sammak: Nature and genesis of silt-size carbonate sediments; Northern Red Sea, Egypt. Carbonates and Evaporites. Bd. 16, Nr. 1, 2001, S. 37–45, doi:10.1007/BF03176225