Sirras

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Sirras (griechisch Σίρρας; auch Sirrhas oder Irrhas geschrieben) war ein obermakedonischer Fürst, vermutlich der Landschaft Elimiotis, im späten 5. und frühen 4. vorchristlichen Jahrhundert.

Sirras war der Vater der Eurydike, die um 390 v. Chr. mit dem makedonischen König Amyntas III. verheiratet und die Mutter der Könige Alexander II., Perdikkas III. und Philipp II. wurde. Dies geht aus drei zeitgenössischen Inschriften aus Aigai (Verina) hervor. Bei Strabon ist zu erfahren, dass der Großvater mütterlicherseits der Eurydike der lynkestische Fürst Arrhabaios I. gewesen war, dessen Tochter „Irra“ mit einem nicht näher genannten Mann verheiratet war.[1] Diese Angabe wird allgemein als Schreibfehler Strabons aufgefasst, der den Namen des Schwiegersohns irrtümlich auf die Tochter des Lynkestenfürsten übertragen habe.

Uneinigkeit besteht ob der Frage zur Herkunft des Sirras, die durch eine Behauptung Plutarchs erschwert wird, der Eurydike als Illyrerin beschrieben hat.[2] Karl Julius Beloch bezweifelte dies und vermutete in Sirras einen Fürsten der Orestis, ohne dies mit Belegen untermauern zu können.[3] Dagegen erkannten schon Johann Gustav Droysen und Otto Abel in ihm einen Fürsten der obermakedonischen Landschaft Elimiotis, als einen Sohn des Fürsten Derdas I., eine Theorie, der u. a. Fritz Geyer beipflichtet.[4][5] Gestützt wird diese These auf eine Bemerkung des Aristoteles, der von einem Krieg des Königs Archelaos I. mit Sirras und einem Arrhabaios (wohl dessen Schwager Arrhabaios II.) berichtet, in welchem der König eine seiner Töchter mit dem Fürsten der Elimiotis verheiratete.[6] Laut Geyer stellte dieses Eheprojekt einen Friedensschluss des Königs mit seinen zwei Gegnern dar, wobei der Elimiotenfürst Sirras gewesen sein müsse, der für die Hand der Königstochter seine erste Frau, die Lynkestin, verstoßen haben müsste.[5]

Die Familienverbindungen des Sirras nach Fritz Geyer:

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Arrhabaios I.
Fürst der Lynkestis
 
 
 
Derdas I.
Fürst der Elimiotis
 
Archelaos I.
König von Makedonien
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Arrhabaios II.
Fürst der Lynkestis
 
Tochter
 
Sirras
Fürst der Elimiotis
 
Tochter
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Eurydike
 
Amyntas III.
König von Makedonien
 
Derdas II.
Fürst der Elimiotis
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Argeaden
 
 


Neben einer orestischen oder elimiotischen Abstammung des Sirras finden sich in der Geschichtsforschung auch Vertreter, die eine illyrische oder lynkestische favorisieren.[7][8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Geyer: Makedonien bis zur Thronbesteigung Philipps II., In: Historische Zeitschrift, Bd. 30 (1930), S. 1–148.
  • Famoula Papazoglou: Les origines et la destinée de l’état illyrien: Illyrie Proprie Dicti, In: Historia, Vol. 11 (1965), S. 143–179.
  • N. G. L. Hammond: The Kingdoms in Illyria circa 400-167 B.C., In: The Annual of the British School at Athens, Vol. 61 (1966), S. 239–253.
  • N. G. L. Hammond: A History of Macedonia, Vol. 1 (1972)
  • A. B. Bosworth: Philip II and Upper Macedonia, In: The Classical Quarterly, Vol. 21 (1971), S. 93–105.
  • Ernst Badian: ‘Eurydike‘, In: W. L. Adams und E. N. Borza (Hrsg.): Philip II, Alexander the Great and the Macedonian Heritage (1982).

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Strabon 7, 7, 8.
  2. Plutarch, Moralia 14b = De liberis educandis 20. Dies aufgreifend Libanios, Vita Demosthenis 9.
  3. Karl Julius Beloch: Griechische Geschichte, Band 3, Teil 2 (zweite Ausgabe, 1923), S. 78–79.
  4. Johann Gustav Droysen: Alexander der Große (1833, Nachdruck 2011), S.60. Otto Abel: Makedonien vor König Philipp (1847), S. 196.
  5. a b Siehe Geyer, S. 79–80.
  6. Aristoteles Politik 5, 10.
  7. Für die illyrische Abstammung siehe u. a.: Papazoglou, S. 150–151; Bosworth, S. 99 und Badian, S. 103.
  8. Für die lynkestische Abstammung siehe N. G. L. Hammond (1966), S. 243–244 und (1972), S. 15.