sola gratia

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Der Ausdruck sola gratia (lat. für allein durch die Gnade) bezeichnet ein Grundelement der reformatorischen Lehre von der Rechtfertigung und ist ein theologischer Grundsatz der Kirchen, die aus der Reformation hervorgegangen sind. Er drückt die Überzeugung aus, dass der Mensch allein dank der Gnade Gottes das Heil bzw. das ewige Leben erlangt. Er kann es sich nicht durch sein Handeln verdienen.
Biblische Grundlage für diesen Gedanken sind in Röm 11,6 LUT, Eph 2,8 LUT, Apg 15,11 LUT u.a. zu finden.

Ablasshandel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Prinzip des sola gratia manifestiert sich insbesondere in Luthers Ablehnung des Ablasshandels. Die Idee, dass die Menschen anhand ihrer guten wie bösen Taten gerichtet werden, pervertiert nach Luthers Ansicht im Ablasshandel, wo jede böse Tat durch eine darauffolgende gute aufgewogen wird. Der Mensch kenne nicht Gottes „Bewertungskriterien“ am Jüngsten Tag und könne daher keinen solchen Handel betreiben.

Rettungsgedanke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der theologische Gedanke einer sola gratia soll die höhere Stellung Gottes zur Geltung bringen und explizit Gläubigen bewusst machen, dass sie nicht „Punkte“ sammeln können, um sich einen Platz im Jenseits zu sichern. Die Gnade Gottes ist weder willkürlich noch beschreibbar. Luther lässt die Frage über die Vorgehensweise für eine durch Gott gegebene Rettung offen, da er vergleichbare Ideen nicht durch die Bibel erkennen kann (sola scriptura). Er äußert sich nur in der Hinsicht, dass Gott auf das Herz des Einzelnen schauen wird und dass dessen Glaube das Vordergründige für Gott darstellt und darstellen wird (sola fide). Für den Menschen, so Luther, ist es illegitim, an Gott Erwartungen zu stellen. Nur Gott selbst entscheidet über die Rettung des Einzelnen.

Offenbarungsgedanke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ausdruck sola gratia befasst sich jedoch auch mit der Thematik der Offenbarung. Luther meint, dass dem Menschen nur die durch Gott gegebene Offenbarung zugängig ist und dass diese nicht durch kirchliche Lehren beeinflusst werden dürfen (sola scriptura).

Verhältnis zu den anderen „Soli“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem sola gratia stehen in den reformatorischen Kirchen die Grundsätze des sola scriptura, des sola fide und solus Christus. Diese Grundsätze stehen in Beziehung zueinander. Erst die Vereinigung dieser „solae“ führt nach Luthers Auffassung zum durch Gott gegebenen Glauben, der sich durch die Schrift selbst begründet. Die Auffassung Luthers steht damit konträr zur römisch-katholischen Glaubensgrundlage. Zwar kommt auch nach katholischer Lehre das Heil des Menschen allein aus der Gnade Gottes um Jesu Christi willen. Der entscheidende Unterschied besteht aber darin, dass nach katholischer Lehre der Mensch durch die Gnade Gottes befähigt wird, an seinem Heil mitzuwirken und dadurch auch eine Vermehrung der Gnade sowie ewigen Lohn verdienen kann (vgl. Konzil von Trient, Dekret über die Rechtfertigung, Kanon 32).

Sola gratia und sola fide im Verhältnis zueinander:

Sola gratia beschreibt, wie Gott dem Menschen begegnet: Gottes gerechtfertigter Zorn über alle Sünde(r) (Röm 1,18ff EU) hat nicht zur Folge, dass sich Gott vom Menschen abwendet oder ihn seinem Schicksal überlässt: „Das erste Stück der Gnade ist: einen gnädigen Gott haben, der da Gutes tut, dass wir im Schoß der Barmherzigkeit seien und Vertrauen haben auf die gewissen Verheißungen, die uns durch seine Gnade geschenkt sind… Non est deus furoris, irae, sed gratiae.“ (Es ist nicht ein Gott des Grimms, des Zorns, sondern der Gnade.) (W.A. XL/II, 350, zu Psalm 51,4f; 1532).

Sola fide beschreibt andererseits die einzig angemessene Antwort des Menschen auf Gottes Gnade: Sie im Glauben annehmen. Der Begriff der Gnade schließt dabei grundsätzlich aus, dass der Mensch sie sich erarbeiten oder verdienen könnte. Darauf hatte bereits Augustin mit seinem Satz „gratia … nisis gratis est, gratia non est“ (eine Gnade, die nicht gratis ist, ist keine Gnade) hingewiesen.[1] Dass der Mensch Gottes Gnade bzw. Gott als gnädigen Gott nur im Glauben erfahren kann, führte Luther in einer Predigt am 29. Juli 1519 in Leipzig so aus: „So liegt nu dran, dass man wisse, ob man Gottes Gnade erlangt hab. Dann muss man wissen, wie man mit Gott dran sei, soll anders das Gewissen fröhlich sein und bestehn. Wann so jemand daran zweifelt und nit fest dafür hält, er hab einen gnädigen Gott, der hat ihn auch nit. Wie er glaubt, so hat er. (W.A. II, 249).“

Wenn aber Gnade und Glaube sich verbinden, findet das menschliche Herz Frieden mit Gott: „...diese Gnade wirkt endlich in Wahrheit den Frieden des Herzens, also dass der Mensch, von seiner Verderbnis geheilt, auch fühle, er hab einen gnädigen Gott.“ (W.A. VIII, 106; 1521)[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. F. Loofs: Leitfaden zum Studium der Dogmengeschichte, 1. und 2. Teil: Alte Kirche, Mittelalter und Katholizismus bis zur Gegenwart. 6. Auflage herausgegeben von K. Aland. Max Niemeyer Verlag, Tübingen, 1959. S. 308.
  2. Zitate aus der W.A. nach: E. Hirsch: Hilfsbuch zum Studium der Dogmatik. 3. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin, 1958. S. 128; 155f.