Solfège

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Der Begriff Solfège [sɔlˈfɛʒ] (frz.) oder Solfeggio [solˈfedːʒo] (ital.) ist sprachlich von dem mittellateinischen Verb „solfizare“ und dies wiederum von den Silben sol und fa (5. und 4. Ton der jeweiligen Tonleiter) abgeleitet.[1][2][3] Er tauchte im 18. Jahrhundert in Frankreich und Italien auf.[1] Er stellte ursprünglich eine Gesangsübung dar, die auf Vokale oder auf Tonsilben gesungen wurde und dabei Stimme und Gehör des Sängers schulte.[1][3][4] Er ist damit im Ursprung äquivalent zum Konzept der Solmisation[1][3] (sprachlich abgeleitet von den Silben sol und mi) nach Guido von Arezzo, der damit die Gesangsausbildung der Klosterknaben im 11. Jahrhundert beschleunigen wollte.[5] Das Lexikon Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG1 und MGG2) behandelt entsprechend Solfège und Solmisation gemeinsam unter dem Stichwort Solmisation.[6] Zu bemerken bleibt, dass der mittellateinische Grundterminus „solfare“ zu Solfège (Egidius de Zamora, Ars musica, um 1270; Elias Salomo, Scientia artis musicae, 1274) deutlich älter ist als der Terminus „solmisatio“/„solmizatio“ beziehungsweise das Verb „solmisare“/„solmizare“ (M. Keinspeck, Lilium musicae planae, 1496; B. Prasbergius, Clarissima plane, 1501; N. Wollick, Opus aureum musicae, 1507).[6] Der Begriff Solfège/Solfeggio entwickelte und differenzierte sich ab dem 18. Jahrhundert von Frankreich und Italien ausgehend in zwei Richtungen weiter und trennte sich so von seiner ursprünglichen Bedeutung.[3]

Begriffsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Hinsicht beschreibt Solfège eine spezielle Unterrichtsmethode in der Musikpraxis, die völlige Sicherheit im Blattsingen anstrebt.[4] Solche Übungen hatte beispielsweise der italienische Opernsänger Pier Francesco Tosi 1723 empfohlen.[1][2] Als Vorstufe wurden bestimmte Vokalisierungs- und Stimmeinstellungsübungen ebenfalls als Solfège bezeichnet.[3] In diesem Kontext stehen die virtuosen Stimmübungen auf Vokale (italienisch: vocalizzi, französisch: vocalises, deutsch: Vokalisen), „die noch in der heutigen Gesangspädagogik zur technischen Grundausbildung des Sängers gehören“ (Aussage 1967).[1] In der heutigen Gesangspädagogik im deutschsprachigen Kulturbereich spielen diese Konzepte nur noch eine untergeordnete Rolle (Aussage 2012).[2] 1772 erschien in Paris die erste Solfège-Sammlung unter dem Titel Solfèges d'Italie mit Stimmübungen unter anderem von Johann Adolph Hasse, Alessandro Scarlatti und Nicola Antonio Porpora.[1] Große Beliebtheit erlangten Solfèges bei den meist italienischen Gesangslehrern des Pariser Conservatoire im 19. Jahrhundert (Marco Bordogni, Nicola Vaccai und Giuseppe Concone).[1]

In einer anderen Hinsicht beschreibt Solfège eine umfassende musikalische Elementarmethode, die von der Solmisation ausgeht.[1][2][3] Auf der Basis von Singübungen integriert die Solfège-Methode Gehörbildung, musikalisches Vorstellungsvermögen und rhythmisches Empfinden.[1][2] Sie vermittelt zugleich eine grundlegende Einführung in Notenlehre sowie die Terminologie und Bedeutung der musikalischen Zeichen.[1][2] Solfège wird zur musikalischen Elementarlehre beziehungsweise zum „musikalischen Elementarunterricht“.[4] Die Begriffe Solfège (frz.), Solfeggio (ital.), Solfeig (katalan.) etc. (beispielsweise „Professor“ oder „Professora für Solfeig“) der romanischsprachigen Länder werden damit funktional dem Begriff der Musiktheorie im deutschsprachigen Kulturraum vergleichbar.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Solfege – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k Wilibald Gurlitt, Hans Heinrich Eggebrecht: Solfège. In: Riemann Musiklexikon. 12. Auflage. 1967.
  2. a b c d e f Wolfgang Ruf, Annette van Dyck-Hemming: Solfège. In: Riemann Musiklexikon 13. Auflage. 2012.
  3. a b c d e f Solfeig. In: Gran Enciclopèdia de la Música.
  4. a b c Solfeggio. In. Brockhaus. 19. Auflage.
  5. Michael Hermesdorff (Übers.): Epistola Guidonis Michaeli Monachio de ignoto cantu directa d.i. Brief Guidos an den Mönch Michael über unbekannten Gesang. Paulinus-Druckerei, Trier 1884 (archive.org).
  6. a b Martin Ruhnke: Solmisation. In: MGG1 und MGG2.