Sonne, Mond und Thalia

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Sonne, Mond und Thalia (neapolitanisches Original: Sole, Luna e Talia) ist ein Märchen (AaTh 410). Es steht in Giambattista Basiles Sammlung Pentamerone als fünfte Erzählung des fünften Tages (V,5).

Inhalt[Bearbeiten]

Ein Herr verbannt allen Flachs aus seinem Haus, da ihm von Weisen und Astrologen vorausgesagt wurde, dass seiner Tochter Thalia Gefahr von einer Flachsfaser drohe. Die Heranwachsende sieht eine spinnende Alte am Fenster vorbeigehen und streicht neugierig den Faden. Daraufhin fällt sie mit einer Faser unter dem Fingernagel leblos um, und der Vater lässt sie prächtig aufgebahrt im Palast zurück. Ein König, der auf der Jagd ist, folgt seinem Falken in den Raum mit der Schlafenden. Er vergewaltigt und schwängert sie und lässt sie anschließend liegen, worauf Feen ihre Zwillinge, einen Sohn und eine Tochter, versorgen. Das Mädchen saugt der Mutter schließlich die Flachsfaser aus dem Finger, als es deren Brust nicht findet. Diese erwacht und lernt den König kennen, der sie wieder besucht und daheim nur noch von ihr redet, obwohl er bereits verheiratet ist. Seine eifersüchtige Frau schickt ihren Sekretär nach den Kindern, unter dem Vorwand, der König wolle sie sehen, und verlangt von dem Koch, er solle sie ihrem Mann zum Essen vorsetzen, doch der schlachtet stattdessen ein Zicklein. Dann will sie Thalia verbrennen, doch der König hört sie, wie sie sich schreiend auszieht. Er wirft Frau und Sekretär ins Feuer und belohnt den Koch.

Erläuterungen[Bearbeiten]

Thalia bedeutet wohl etwa „Die Blühende“, siehe Thalia (Muse) oder Thalia (Charis). Laut Rudolf Schenda sei dies die älteste Version des Märchens von der Schlafenden Schönheit im Wald (AaTh 410), aber schon im frühfranzösischen Ritterroman vom Perceforest angelegt, der 1558 ins italienische übersetzt wurde. Das Märchen wurde über Charles Perrault La Belle au Bois Dormant als Dornröschen - freilich in biedermeierlich geglätteter Form - in Grimms Märchen bekannt. Basiles Märchen sei noch im 19. und 20. Jahrhundert in Italien erzählt worden. [1] Die antike Geschichte von Astyages, der seinem Arzt dessen eigenen Sohn als Speise vorsetzte, sei im 16. Jahrhundert oft kolportiert worden.[2]

Vgl. schon in 1001 Nacht die Prinzessin in Die Geschichte der messingnen Stadt, zur Verwöhnung der Schönen von Feenhand auch Amor und Psyche, zum gekochten Kind Tantalos bzw. bei Grimm Von dem Machandelboom, Die Schwiegermutter, Der gelernte Jäger, zum Feuertod z.B. Die zwölf Brüder.

Literatur[Bearbeiten]

  • Giambattista Basile: Das Märchen der Märchen. Das Pentamerone. Herausgegeben von Rudolf Schenda. C.H. Beck, München 2000, ISBN 3-406-46764-4, S. 442-447, 565-566, 613-614 (nach dem neapolitanischen Text von 1634/36, vollständig und neu übersetzt).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Giambattista Basile: Das Märchen der Märchen. Das Pentamerone. Herausgegeben von Rudolf Schenda. C.H. Beck, München 2000, ISBN 3-406-46764-4, S. 613-614 (nach dem neapolitanischen Text von 1634/36, vollständig und neu übersetzt).
  2. Giambattista Basile: Das Märchen der Märchen. Das Pentamerone. Herausgegeben von Rudolf Schenda. C.H. Beck, München 2000, ISBN 3-406-46764-4, S. 565 (nach dem neapolitanischen Text von 1634/36, vollständig und neu übersetzt).