Sophie Pataky

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Lexikon deutscher Frauen der Feder (Buchdeckel)

Sophie Caroline Pataky, geb. Stipek, (* 5. April 1860 in Podiebrad, Böhmen; † 24. Januar 1915 in der Villa Steffihof, Untermais, Meran) war eine Bibliografin. Mit ihrem zweibändigen Lexikon deutscher Frauen der Feder erschien 1898 das erste von einer Frau herausgegebene deutschsprachige Schriftstellerinnenlexikon.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pataky war mit dem Ingenieur und Patentanwalt Carl Pataky (1844–1914) verheiratet.[1] Er hatte 1875 in Wien einen Fachverlag für Metalltechnik gegründet,[2] in dem Pataky mitarbeitete. Ansonsten war sie Hausfrau und mit „Familienpflichten“ vollständig in Anspruch genommen.[3] Das Ehepaar lebte seit Ende der 1870er- bzw. Anfang der 1880er-Jahre in Berlin. Der Frauenbewegung stand Pataky uninteressiert gegenüber, nahm jedoch im Sommer 1896 am Internationalen Frauen-Kongress im Berliner Rathaus teil. Infolgedessen begann sie sich für die Frauenfrage zu interessieren und Literatur von und für Frauen zu recherchieren; als einziges vorliegendes Lexikon ihres Jahrhunderts notierte sie August von Schindels Werk Die deutschen Schriftstellerinnen des neunzehnten Jahrhunderts, das jedoch bereits in den 1820er-Jahren erschienen war. Der Mangel einer Fortsetzung oder eines weiteren umfassenden Werkes bzw. Lexikons zu Autorinnen des 19. Jahrhunderts veranlasste Pataky, selbst in Kontakt zu Autorinnen zu treten, Biografien von Autorinnen seit 1840 zu sammeln und schließlich in dem zweibändigen Werk Lexikon deutscher Frauen der Feder zu veröffentlichen. Beide Bände erschienen nach fast zweijähriger Arbeitszeit 1898 im Verlag von Carl Pataky, der jedoch auf Metalltechnik spezialisiert war. Daher wurde das Lexikon bereits 1899 vom Verlag Schuster & Loeffler übernommen.[4]

Pataky plante ursprünglich, die Bücher unter dem Titel Lexikon deutscher Schriftstellerinnen herauszubringen, änderte den Titel jedoch, als zahlreiche schreibende Frauen eine Zuarbeit verweigerten, da sie sich nicht als Schriftstellerinnen begriffen. Patakys Ziel war es, „die schreibende Frau überhaupt, gleichviel in welcher Form sie ihre geistige Tätigkeit mit der Feder zum Ausdruck bringt“[5], im Buch zu erfassen. Insgesamt stellte Pataky in beiden Bänden rund 6000[6] Autorinnen vor, wobei eine Vielzahl ausschließlich mit ihrer Anschrift vertreten war. Durch die Aufnahme von Kochbuchautorinnen, Journalistinnen, Herausgeberinnen u.a. lieferte sie ein umfassenderes Bild über die schreibenden Frauen, als beispielsweise der zeitgleich publizierende Franz Brümmer.

Um 1898 war Pataky Vorstandsmitglied des Deutschen Schriftstellerinnenbundes.[7] Zu dieser Zeit begann sie ausgehend von ihrem Lexikonprojekt eine Bibliothek mit Werken deutschsprachiger Autorinnen zusammenzustellen. Von in Deutsche Frauen der Feder vorgestellten Autorinnen ließ sie sich so eigene Werke übersenden, die in der Bibliothek deutscher Frauenwerke zusammengefasst wurden.[8] Im Jahr 1898 hatte Pataky bereits über 1000 Bücher gesammelt. Überliefert ist in dem Zusammenhang eine Auseinandersetzung mit der Autorin Anna von Krane, die Pataky vorwarf, sich mit den Büchern selbst bereichern zu wollen.[7] Der Briefwechsel mit Krane ist zusammen mit einigen wenigen Manuskripten des Projektes im Archiv der deutschen Frauenbewegung in Kassel überliefert.[9]

Pataky und ihr Mann lebten ab 1907 in Meran, wo sie die Villa Steffihof in Untermais erwarben und bewohnten. Im gleichen Jahr nahm Carl Pataky K. J. Müller als stillen Teilhaber in seinen Verlag auf. Müller übernahm nach Carl Patakys Tod – er verstarb am 11. August 1914 während eines Urlaubsaufenthalts in Bad Reichenhall – ab September 1914 den Verlag. Sophie Pataky starb am 24. Januar 1915 in ihrem Hause in Untermais am Gehirnschlag und wurde am 26. Januar 1915 auf dem Katholischen Friedhof dortselbst begraben. In ihrem Testament vermachte sie der Städtischen Heilanstalt in Meran 20.000 Kronen und dem Maiser Versorgungshaus 10.000 Kronen. Daten zu weiteren Buchprojekten sind nicht bekannt.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lexikon deutscher Frauen der Feder. Eine Zusammenstellung der seit dem Jahre 1840 erschienenen Werke weiblicher Autoren, nebst Biographieen der lebenden und einem Verzeichnis der Pseudonyme. Herausgegeben von Sophie Pataky. Carl Pataky, Berlin 1898

  • 1. Band: A-L
  • 2. Band: M-Z

Digitalisate:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carl Pataky heiratete Sophie Stipek in zweiter Ehe. Aus erster Ehe hatte er eine Tochter, die zunächst den Verleger Richard Schuster und später den Verleger Ludwig Loeffler (Verlag Schuster & Loeffler) heiratete. Vgl. Birgit Kuhbandner: Unternehmer Zwischen Markt und Moderne: Verleger und die zeitgenössische deutschsprachige Literatur an der Schwelle zum 20. Jahrhundert. Harrassowitz, Wiesbaden 2008, S. 93, 141.
  2. Vgl. 132 Jahre Installation DKZ, abgerufen am 11. April 2013.
  3. Vorwort. In: Sophie Pataky (Hrsg.): Lexikon deutscher Frauen der Feder. Eine Zusammenstellung der seit dem Jahre 1840 erschienenen Werke weiblicher Autoren, nebst Biographien der lebenden und einem Verzeichnis der Pseudonyme. Band 1. Carl Pataky, Berlin 1898, S. 5.
  4. Birgit Kuhbandner: Unternehmer Zwischen Markt und Moderne: Verleger und die zeitgenössische deutschsprachige Literatur an der Schwelle zum 20. Jahrhundert. Harrassowitz, Wiesbaden 2008, S. 141.
  5. Vorwort. In: Sophie Pataky (Hrsg.): Lexikon deutscher Frauen der Feder. Eine Zusammenstellung der seit dem Jahre 1840 erschienenen Werke weiblicher Autoren, nebst Biographien der lebenden und einem Verzeichnis der Pseudonyme. Band 1. Carl Pataky, Berlin 1898, S. 10.
  6. Häufig wird die falsche Zahl 600 genannt, die durch einen Übertragungsfehler entstanden und schließlich in verschiedene Publikationen Einlass gefunden hat. Vgl. Lucia Hacker Schreibende Frauen um 1900: Rollen – Bilder – Gesten. Lit, Berlin 2007, S. 27, Fußnote 13.
  7. a b Vgl. Anmerkungen zum Teilnachlass von Sophie Pataky (1860–?) im Archiv der deutschen Frauenbewegung in Kassel, S. 3. (PDF; 11 kB)
  8. Vgl. Bibliotheksstempel in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin
  9. Vgl. nachlassdatenbank.de