Sozialistischer Wettbewerb

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Gewinner des sozialistischen Wettbewerb (1973).
„Kollektiv der sozialistischen Arbeit“-Medaille der DDR (Rückseite: Sozialistisch Arbeiten, Lernen und Leben)

Der Sozialistische Wettbewerb war eine Methode zur Entwicklung der Masseninitiative der Werktätigen in den realsozialistischen Staaten.

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der DDR wurde er durch den Gewerkschaftsbund FDGB unterstützt, vertreten durch die Betriebsgewerkschaftsleitung (BGL) in jedem Betrieb oder Behörde. Beschlossen wurde das Wettbewerbsprogramm durch die Vertrauensleutevollversammlung der Gewerkschaft am Beginn jedes Planjahres.

Wettbewerbsziele waren insbesondere:

  • weitere Erhöhung der Erzeugnisqualität,
  • verbesserte Effektivität der Grundfonds,
  • Verbesserung der Materialökonomie,
  • rationellste Nutzung des Arbeitsvermögens,
  • hocheffektive Verwirklichung der Investitionen,
  • Produktion qualitativ hochwertiger Konsumgüter,
  • planmäßige Verbesserung der Arbeitsbedingungen,
  • Verbesserung von Ordnung, Sicherheit und Disziplin im Betrieb.

Bei der Mehrheit der Kollektive, die um den Ehrentitel bzw. die jährliche Verteidigung des Titels „Kollektiv der sozialistischen Arbeit“ kämpften, gab es ergänzende Verpflichtungen im Rahmen des Kultur- und Bildungsplanes. Praktische Bedeutung hatten die Geldprämien, die auch für unpolitische Werktätige als wirksamer finanzieller Anreiz für die erfolgreiche Planerfüllung und gezielte Überbietung galten.

Einzuhalten waren die Leninistischen Grundprinzipien des sozialistischen Wettbewerbs: Öffentlichkeit, Vergleichbarkeit/Messbarkeit und Wiederholbarkeit.

Eine Wettbewerbsmethode im Bereich des Kraftverkehrs in der DDR ab 1955 bis 1960 war die „100 000er-Bewegung“. Ziel war „das Schaffen der Voraussetzung zur größtmöglichen Ausnutzung des Transportraumes durch pfleglichen Umgang mit Fahrzeugen und sparsamsten Materialverbrauch“. Bei Erreichung von betriebsspezifischen Zielen (z.B. Reduzierung von Leerfahrten, Kraftstoffverbrauch, Reifenabnutzung) gab es Prämien für alle Beschäftigten eines Kollektivs.[1]

Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Wettbewerb der Arbeiter untereinander versuchte der kommunistische Staat die Ineffizienz der staatlich gelenkten Wirtschaft zu kompensieren. Ein Ziel, das nie auch nur annähernd erreicht wurde. Die kapitalistischen Marktwirtschaften waren schlicht wesentlich effektiver darin, Unternehmer zu motivieren, mit maximaler Effizienz zu arbeiten, da Gewinnsteigerungen, z. B. durch neue, effizientere Verfahren, sich direkt in einer Erhöhung des Lebensstandards für den Unternehmer niederschlug. Umgekehrt ist ein Unternehmer im Kapitalismus auch dazu gezwungen, besser oder zumindest ähnlich gut wie die Konkurrenz zu produzieren, da er ansonsten sein Unternehmen über kurz oder lang verlieren wird. Damit war und ist im Kapitalismus ein hoher Anreiz gegeben, den Produktions- und Verkaufsprozess fortwährend zu optimieren. Demgegenüber hatten die Unternehmen im Kommunismus keinen Anreiz, sich dem Markt anzupassen. Stattdessen sollten sie möglichst akkurat den Plänen der Ministerien folgen, die ihnen genau vorgaben, was sie zu produzieren hatten, selbst wenn für diese Produkte gar kein Markt bestand. Im Umkehrschluss herrschte auf vielen Gebieten Mangel.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Verkehrspraktiker – Zeitschrift für Theorie und Praxis des Kraftverkehrs und des Städtischen Nahverkehrs, Verlag Die Wirtschaft Berlin, Heft 6/1959, Seite 28