St. Margarethen (Ranis)

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Die evangelische Kirche St. Margarethen liegt in der thüringischen Stadt Ranis unweit von Pößneck.

St. Margarethen von der Burg aus gesehen
Stirnseite der evangelischen Stadtkirche St. Margarethen in Ranis

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon vor dem Bau der Stadtkirche um 1400 soll es an gleicher Stelle einen kleineren Vorgängerbau seit dem 12. Jahrhundert gegeben haben. Auch auf der Burg existierte eine Kapelle, die 1868 abgebrochen wurde. Im Zusammenhang mit der Burg Brandenstein im heutigen gleichnamigen Ortsteil wurde 1506 eine Burgkapelle St. Barbara erwähnt.[1]

Der spätgotische Kirchenbau wurde in West-Ost-Richtung errichtet und war Maria und Margaretha geweiht. Nach der Reformation wurde der Name St. Margarethen gebräuchlich.[2] Ein Gutachten im Jahr 1860 bemängelt das zu dunkle Kirchenschiff. So heißt es: Da das Kirchenschiff durch die zwei einzigen Fenster (an der Giebelseite) zu wenig Licht erhält, so hat man auf beiden Seiten eine Reihe von Dachfenstern angebracht, welche sich in das Brettergewölbe über der oberen Empore öffnen und etwas mehr Licht verbreiten.[3] So kam es 1870/71 zum Umbau. Das Kirchenschiff der alten Kirche war laut Matrikel des Pfarrarchivs 14,5 m lang sowie 9,6 m breit. Die Höhe betrug 14 Meter. Das neue Kirchenschiff erhielt eine Länge von 18 Metern, eine Breite von 12,3 m sowie eine Höhe von 15 Metern.[3] Durch den Umbau veränderte sich das Aussehen stark. Erhalten blieben der Turm, die Sakristei, der Triumphbogen mit dem Chorraum, die zwei ältesten Glocken, ein geschnitzter Altaraufsatz, der Taufstein und Teile von Grabmälern.

Die älteste erhaltene Glocke aus dem September 1429 hat einen Durchmesser von 107 cm. Sie befindet sich in der unteren Glockenstube welche über eine steinerne Spindeltreppe erreichbar, und mit vier Spitzbogenfenstern mit Maßwerk ausgestattet ist. Eines der Grabmäler gehörte Hans Christoph von Breitenbauch (1570–1627) und seiner Frau Anna (1572–1633), geb. v. Stein (Lausnitz). Hans Christoph war der zweite v.Breitenbuchsche Herr auf Burg Ranis. Die zu sehenden Teile des Epitaphs wurden 1942 wieder in der Kirche aufgestellt. Das aus Gips und Holz bestehende Epitaph steht heute rechts von der Kanzel, unter der Empore.

Haupteingang der Stadtkirche

Glocken-Ritzzeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1429 gegossene Glocke hat seltene, kunsthistorisch bedeutsame Glocken-Ritzzeichnungen, die in einem Werk der Kunsthistorikerin Ingrid Schulze von 2006 gewürdigt werden[4].

Beschreibung der alten Kirche St. Margarethen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Aussehen der alten Kirche ist folgendes bekannt: Die Kirche stand damals in der Mitte des Kirchhofes, der bis an die Häuser von Jobst und Pauli reichte. Die Kirche selbst sah vor dem Umbau anders aus. Heute steht nur noch der Turm mit dem Treppenturm und der Altarraum, während das Schiff abgerissen und größer gebaut wurde. Von der Inneneinrichtung erinnere ich mich an folgendes: Die Kirche war sehr reich mit Verzierungen ausgestattet; hinter dem Altar erhob sich ein mächtiger Holzaufbau mit reichem Schmuck und Holzschnitzereien, Säulen und Wappen. Die Kirche war damals ganz aus Stein gewölbt und die Decke bemalt. Die Deckenbemalung über dem Altar stellte den Himmel dar, unter dem Engel schwebten. Die Bemalung über dem Schiff stellte die Hölle dar, in der Teufel mit Schürhaken und Karsten ihre von Gott verdammten Opfer ins Feuer zogen oder stießen. Auf der linken (Nord-) Seite war der Patronatssitz, zu dem man nur durch den kleinen Treppenturm gelangen konnte. Er war durch bunte Bleifenster abgetrennt, die zu öffnen waren. Der Patronatssitz war in Logen abgeteilt für die Patrone von Ranis, Brandenstein und Wöhlsdorf bzw. Heroldshof. Die Patronatssitze lagen in Höhe der Emporen, gegenüber der Kanzel; unter ihnen befand sich die Frauenstände. Im Altarraum links, etwa über dem Eingang zur Sakristei, hing ein großes Bild, umgeben von Waffenemblemen, an die sich sternförmig Turnierlanzen, Schwerter, Spieße, Äxte und anderes Kriegswerkzeug anschlossen. Vor der Mitte des Altarraums befanden sich drei oder vier Grüfte, die durch Holzdeckel verschlossen waren, an denen sich eiserne Ringe befanden, mittels derer die Deckel aufzuheben waren. Es waren große und Kindersärge darin.[3] Diese Grüfte wurden während des Umbaus entfernt.

Vor dem Umbau war der ganze Chorraum und der gesamte Fußboden des alten, kleineren Kirchenschiffes mit fein gearbeiteten Steindecken der Patronatsfamilien von Burg Ranis und Brandenstein belegt. 1870 wurden sie entfernt, ein Teil soll durch Feuchtigkeit zerstört gewesen sein. Andere sollten an der Südseite der Kirche an der Mauer des Gottesackers aufgestellt werden. Dabei sollen die meisten zerbrochen sein. Deshalb sah man ganz davon ab und brachte nur einige gut erhaltene Steine und Denkmäler auf die Burg. Die übrigen, es sollen über vierzig gewesen sein, ließ der damalige Kreisbaumeister Boetel im Einvernehmen mit dem Baurat Drewitz aus Erfurt in Stücke zerschlagen und die Grabgewölbe der Kirche damit auffüllen.[3] Unter den zerstörten Grabplatten war auch jene von Ewalt von Brandenstein.

Katholische Kirche St. Elisabeth in Ranis

Heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswert sind das Tonnengewölbe, die Maßwerkfenster im Chorraum, der Altar, die Kanzel und die in Paulinzella gebaute Schulze-Orgel. Die Kirche ist nicht nur Gottesdienstort, sondern wegen ihrer hervorragenden Akustik auch eine überregional geschätzte Konzertkirche.

Neben der Kirche St. Margarethen existiert in Ranis die katholische Kirche Sankt Elisabeth.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: St. Margarethen (Ranis) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. F. H. Dedié: Oppurg und seine Besitzer im Laufe der Jahrhunderte. Wagner, Neustadt a.d. Orla 1933.
  2. 625 Jahre Stadt Ranis 1381–2006. NORA Verlagsgemeinschaft Dyck & Westerheide, 2006.
  3. a b c d Friedrich Wilhelm: Führer durch die Stadtkirche St. Margarethen zu Ranis.
  4. Ingrid Schulze: Ritzzeichnungen von Laienhand – Zeichnungen mittelalterlicher Bildhauer und Maler? Figürliche Glockenritz-Zeichnungen vom späten 13.Jahrhundert bis zur Zeit um 1500 in Mittel- und Norddeutschland. Leipzig 2006, ISBN 978-3-939404-95-8

Koordinaten: 50° 39′ 41,4″ N, 11° 33′ 50,6″ O