Staatsfachschule für Steinbearbeitung in Saubsdorf

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Die Staatsfachschule für die Steinbearbeitung in Saubsdorf (Supíkovice), war eine Steinmetzschule für die Marmorbearbeitung von 1886 bis 1945 im Sudetenland. Sie wurde 1945 geschlossen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Staatsfachschule für Steinbearbeitung in Saubsdorf war die erste staatliche Steinmetzschule überhaupt, die bereits im Jahre 1886 im deutschsprachigen Raum ihren Ausbildungsbetrieb aufnahm. Sie wird in Steinmetzkreisen kurz Marmorschule Saubsdorf genannt.[1] Drei Staaten (Österreich-Ungarn, Tschechoslowakei und Deutschland) waren Träger der Marmorschule.[2] Diese Ausbildungsstätte absolvierten bis zu ihrer Schließung, nach Zählungen von Ehemaligen, rund 1.040 Schüler. Sie war eine der anerkanntesten Steinmetzschulen jener Zeit für die Marmorbearbeitung und sie bestand 59 Jahre lang. Nicht nur Schüler aus dem deutschsprachigen Raum belegten sie, sondern auch aus Ungarn, Polen, Jugoslawien und Rumänien. 1945 wurde diese Steinmetzschule geschlossen; in ihr befindet sich heute (2008) eine Volks- und Realschule.

Die Staatsfachschule wurde in Gegenwart des Landtagsabgeordneten Adolf Latzel aus Tomíkovice (Domsdorf) mit Saubsdorfer Steinmetzmeistern, Steinbruchbesitzern und Gemeinderäten feierlich am 15. Februar 1886 feierlich eröffnet. Dies wurde erst nach langen Verhandlungen der Gemeinde Saubsdorf mit dem Landesschulausschuss in Troppau und dem Schulministerium in Wien möglich. Das Wiener Schulministerium erteilte die Genehmigung zur Errichtung einer Landesfachschule für Marmor im Jahre 1885. Das Ministerium trug damit dem Bauboom der Gründerzeit und der damit verbundenen ansteigenden Nachfrage nach Natursteinen, insbesondere nach Marmor, Rechnung. Ferner wurden sowohl mehr als auch qualifiziertere Fachleute im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk als bisher zur Bewältigung der Bauaufgaben benötigt. Die handwerklichen Kenntnisse zur Herstellung von Steintreppen, Grabsteinen und Viehtrögen reichten nicht mehr aus um die komplizierten Baustücke für die Gründerzeitbauten herzustellen. Dass man diese Einrichtung in unmittelbarer Nähe zu Natursteinvorkommen errichtete, war dem Vorkommen des Saubsdorfer Marmors und letztendlich der Initiative engagierter und vorausblickender Saubsdorfer geschuldet.

Der erste Unterricht fand in einem Raum der Volksschule Saubsdorf, die 1871 erbaut worden war, am 16. Februar 1886 mit 13 Schülern, statt. Für die praktische Unterweisung wurde ein nahe gelegenes Privathaus gemietet, das man später als die „alte Fachschule“ bezeichnete. Das Gebäude besteht heute nicht mehr. Im Jahre 1901 errichtete das Land Schlesien einen Schulneubau und das Provisorium wurde aufgegeben.

Im Jahre 1910 wurde die Schlesische Landesfachschule durch Österreich-Ungarn verstaatlicht und reorganisiert. Sie wurde K.k. Staatsfachschule für Steinbearbeitung genannt und verblieb weiterhin im Eigentum des Landes Schlesien. Das Land hatte den Sachkostenaufwand zu bestreiten. Das staatliche Schulministerium im Wien übernahm die Schulaufsicht sowie die allgemeine Verwaltungskosten und die Personalkosten der Lehrkräfte. Die Unterrichtsinhalte wurden den veränderten Marktgegebenheiten angepasst, denn es wurden neben Marmor weitere Gesteinsfamilien (zum Beispiel Granit, Sandstein usw.) als Ausbildungsinhalte aufgenommen, da diese mit anderen technologischen Methoden zu bearbeiten sind. Der Wunsch, die Ausbildung der Steinmetzen auch an Maschinen abzurunden, wurde bereits damals vehement vertreten. Dies wurde im Jahre 1924 realisiert und die Staatsfachschule war auf dem aktuellen Stand der Technik. 1927 wurde die Schule elektrifiziert und weitere Maschinen angeschafft, nachdem eine Saubsdorfer Delegation mit dem Fachschuldirektor Paul Stadler den tschechoslowakischen Staatspräsidenten Tomáš Garrigue Masaryk aufgesucht hatte.[3] 1927/28 konnte der Lehrkörper um zwei auf insgesamt acht Lehrkräfte erhöht werden.

Im September 1938 benutzten deutsche Freikorps die Steinmetzschule als Unterkunft und die Nazis beabsichtigten nach dem Einmarsch der Wehrmacht die Marmorschule mit der Granitschule aus Friedeberg in eine Kunstakademie in Freiwaldau (Žulová) zusammenzulegen.[4] Der Bürgermeister Kaps und der Fachschuldirektor Schönhofer wehrten sich erfolgreich gegen diese Bestrebungen.

Nach 1938 fanden nach der Besetzung des Sudetenlands durch die Wehrmacht erstmals deutsche Ausbildungsgänge zum Steintechniker statt und des Weiteren hatte die Schule die Aufgabe den Berufschulunterricht für die Steinmetzlehrlinge aus dem Ort und der näheren Umgebung durchzuführen.

Am 25. Juli 1945 kam das Ende der traditionsreichen Marmorschule, als der Lehrkörper Saubsdorf verlassen musste. Das Gebäude stand anschließend lange leer und wurde von 1975 bis 1983 renoviert und beherbergt heute eine Volks- und Realschule.

Gebäude[Bearbeiten]

Das Schulgebäude in Saubsdorf besaß einen Zeichensaal und Modellier- und Abgussraum, ein Bildhauer-Atelier, einen Reißboden, eine Schmiede, einen Steinsäge- und Steinschleifmaschinenwerkstatt, eine Foto-Dunkelkammer, einen Raum für eine Stein-Drehmaschine, eine Tischlerei, einen Direktoren- und Lehrerraum, Ausstellungsraum und Magazine und weitere Funktionsräume, ferner ein Gebäude für Internatsschüler. Der Gebäudekomplex der Schule umschloss einen Werk- und Materiallagerplatz, der zum Steintransport einen Gittermastkran besaß.

Ausbildungsgänge[Bearbeiten]

Steinmetzgeselle[Bearbeiten]

Der Schultyp einer Staatsfachschule entwickelte sich in der Zeit der Österreichisch-Ungarischen Donaumonarchie und trug den Anforderungen einer qualifizierten Berufsausbildung der damaligen Zeit Rechnung. Diese Staatsfachschulen waren Ausbildungsstätten, die Schüler ohne Berufsausbildung in die drei Jahre dauernde schulische Ausbildung aufnahmen. Zur Schulaufnahme war das Abgangszeugnis einer Volks- oder Bürgerschule Voraussetzung. Es war kein beruflicher Ausbildungsgang nach dem deutschen „Dualen System“, in dem die praktischen Fertigkeiten im Ausbildungsbetrieben und in überbetrieblichen Werkstätten und die Vermittlung von theoretischen Kenntnissen in staatlichen Berufsschulen stattfindet. Die Schuldauer war mit der Dauer der Lehrzeit identisch, die es neben der schulischen Ausbildung in Steinmetzbetrieben gab. In der Schule wechselten praktische Unterweisungen und theoretischer Unterricht systematisch ab. Der erfolgreiche Schulabschluss war dem Gesellenbrief gleichgestellt. Die Absolventen waren schulisch ausgebildete Steinmetzgesellen, die Steinmetztechniker genannt wurden. Die Steinmetztechnikerausbildung in Österreich-Ungarn ist nicht mit zweijährigen Ausbildungsgängen zu den staatlich geprüften Steintechnikern zu verwechseln, die es in der Bundesrepublik Deutschland gibt.

Neben der Vollzeitausbildung gab es für die Steinmetzlehrlinge, die in den Betrieben ausgebildet wurden, nachmittags und abends ein Unterrichtsangebot.

1938 nach dem Einmarsch der Wehrmacht wurde das deutsche Schulsystem mit der Steintechnikerausbildung eingeführt und 1941 verabschiedete die Nazi-Regierung Deutschlands das Gesetz zur Berufsschulpflicht und damit war für die Steinmetzlehrlinge ein Berufsschulbesuch obligatorisch.

Steintechniker[Bearbeiten]

Die Ausbildung zum staatlich geprüften Steintechniker wurde als deutscher Ausbildungsgang ab 1938 installiert. Voraussetzung zur Aufnahme der Steintechnikerausbildung war der erfolgreiche Abschluss einer Steinmetzgesellen- oder Steinmetztechnikerprüfung und Berufspraxis. Ab 1943 nahm die Schule nicht mehr kriegsverwendungsfähige Soldaten, die den Steinmetzberuf abgeschlossen hatten, auf.

Steinmetzmeister[Bearbeiten]

In der österreichischen und tschechoslowakischen Zeit konnten sich Steinmetzgesellen und Steinmetztechniker nach einer dreijährigen Berufspraxis zur Steinmetzmeisterprüfung anmelden und schlossen diese, sofern sie Erfolg hatten, mit dem staatlich geprüften konzessionierten Steinmetzmeister ab, den bis 1938 in dieser Form gab.[5] Die theoretische Meisterprüfung dauerte etwa zehn Tage. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde ein Vorbereitungskurs für die staatliche Meisterprüfung nach erfolgter Genehmigung durch das tschechoslowakische Ministerium für Schulwesen und Volkskultur in Prag als eigene Schulabteilung eingeführt. Nur die konzessionierten Meister waren berechtigt staatliche, private, profane und sakrale Steinarbeiten auszuführen.

Schuldirektoren[Bearbeiten]

Die Schulleiter in zeitlicher Reihenfolge:

  • Aka.-Maler Eduard Zelenka († 3. April 1943)
  • Prof. Rudolf Jüttner († 2. März 1920)
  • Aka.-Bildhauer Paul Stadler († 22. Oktober 1955 in Bad Wildungen)
  • Arch., Dipl.-Ing. Rudolf Schönhofer (* 1886 in Böhmisch-Leipa (Česká Lípa); † 22. November 1981 in Braunschweig)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Edgar Herbst, Knabe: Staatsfachschule für Steinbearbeitung in Saubsdorf, in: Saubsdorf, hrsg. v. d. Arbeitsgemeinschaft der Gemeinde Saubsdorf, Nöth, Augsburg 1980.
  • Edgar Herbst, Rolf Kretschmer: Gelernt ist gelernt, in: Saubsdorf, hrsg. v. d. Arbeitsgemeinschaft der Gemeinde Saubsdorf, Nöth, Augsburg 1980.
  • Festschrift: 100 Jahre nach Gründung der Staatsfachschule für Steinbearbeitung in Saubsdorf in Würzburg 14.6.1986, zusammengestellt v. Viktor Hanke unter anderem, Eigenverlag 1986.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Steinmetzschule in Friedeberg (Žulová), die sich unweit von Saubsdorf befindet, wird als Granitschule Friedeberg bezeichnet.
  2. Historisch bemerkenswert ist, dass diese Schule in der tschechoslowakischen Regierungszeit den deutschen Namen Deutsche Staatsfachschule für die Steinbearbeitung in Saubsdorf führen konnte (Zit. nach Festschrift: 100 Jahre Saubsdorfer Fachschule, S. 63, siehe Lit.).
  3. Das Gastgeschenk, das die Delegation Masaryk überbrachte, war eine Schreibtischgarnitur Onyx-Gold, aus einem Onyxmarmor, das das Ergebnis des Gesprächs möglicherweise beschleunigte.
  4. Festschrift: 100 Jahre Saubsdorfer Fachschule, S. 90, siehe Lit.
  5. Edgar Herbst: Staatsfachschule, s. 216, siehe Lit.