Standardannahme

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Standardannahme, oder der Default (engl. [dɪ'fɔlt] oder [dɪ'fɔ:lt]), bezeichnet die Annahme, dass ein Satz, eine Relation oder eine Eigenschaft im Standardfall gilt, d. h., dass eine Annahme ohne explizite Setzung im Einzelfall solange gilt, bis sie durch eine speziellere Festlegung außer Kraft gesetzt wird. Der Begriff weist Analogien zum Begriff der Voreinstellung (auch: Default) in der Programmierung auf, wird aber in einem verallgemeinerten Sinn in verschiedenen Gebieten verwendet.

Charakterisierung und Anwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Standardannahme lässt Abweichungen zu, dies unterscheidet sie von der Allaussage. Infolgedessen ist die Standardannahme das geeignete Mittel dafür, mit Default-Mechanismen Systeme zu beschreiben, deren Merkmale nicht von vornherein vollständig bekannt sind, oder die Irregularitäten beinhalten.

Praktische Anwendung finden Standardannahmen bei der Simulation von Prozessen des Lernens oder zur Beschreibung von Prototypen im Alltagswissen (Vögel können fliegen, Schwäne sind weiß sind solche Standardannahmen). Die Sprachwissenschaft verwendet formale Systeme wie Default-Vererbungsnetzwerke oder Default-Logiken, um Modelle von Systemen zu erstellen, die teilweise irreguläre Teilsysteme enthalten (z. B. defektive Paradigmen in der Morphologie).

Herkunft der Bezeichnung Default[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bedeutung des Wortes Default ist im Englischen ursprünglich „Ausfall“,[1] z. B. der Zahlungsausfall eines Schuldners. Im oben genannten Zusammenhang entwickelte sich zunächst die Wendung, dass etwas per Default (by default) gilt, also „wegen des Fehlens [anderweitiger Information].“ Daraus ergibt sich der Sprachgebrauch, wonach der Default der Fall ist, in dem eine Voreinstellung greift, und von daher dann auch, dass das Wort Default die voreingestellte Information selbst bezeichnet.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • R. Reiter: A Logic for Default Reasoning. In: Artificial Intelligence 13, 1980
  • Helmut Glück (Hsg): Metzler Lexikon Sprache. Stuttgart: Metzler 2005, ISBN 347602056-8

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Grundbedeutungen nach www.etymonline.com
  2. Vgl. en:Default (computer science)