Stichnote

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Stichnote (Begriffsklärung) aufgeführt.
Stichnoten in einer Orchesterstimme: Erster Takt mit Stichtext in polyphon geteiltem System. Oben: Stichtext (ausschließlich nach oben gehalst), unten: Ganztaktpause im Großdruck. Zweiter Takt: der eigentliche Text der Stimme im Großdruck

Stichnoten (englisch: cue notes) in der Musiknotation sind Noten im Stimmenheft oder -blatt für ein Instrument oder einen Sänger, die nicht von diesem gespielt bzw. gesungen werden. Sie dienen vielmehr anhand einer möglichst auffälligen Stelle eines anderen Instruments als zeitliche Orientierung für den Einsatz, ähnlich einem Stichwort beim Sprechtheater.

Ausnahmen, in denen Stichnoten vom Instrument zu spielen sind, werden unten genannt.

Schreibweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stichnoten sind kleiner gedruckt als der zu spielende Text der Stimme. Sie sind mit der Angabe versehen, welches andere Instrument das „Stichmotiv“ spielt, so dass z. B. im Orchester eine bestimmte Klangfarbe und Richtung erwartet werden.

Stichnoten werden der eigentlichen Instrumentenstimme wie eine weitere, polyphone Stimme in der gleichen Zeile gegenübergestellt, also wahlweise ausschließlich nach oben oder nach unten gehalst. Die eigentliche Instrumentenstimme enthält entsprechende Pausen im Großstich (s. Abb.).

Praxis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stichnoten sind zum Beispiel dann erforderlich, wenn ein Instrument viele Takte lang nichts zu spielen hat, oder wenn das Taktzählen schwierig wäre, weil in einer anderen Stimme ein Solo üblicherweise mit Rubato gespielt wird. Der Spieler liest zuvor das Stichmotiv und wartet, bis das Motiv zu erwarten ist (Mehrtaktpausen in seinem Stimmenheft geben ihm eine gewisse Vorstellung von der Wartezeit). Nimmt er das Stichmotiv um den erwarteten Zeitpunkt wahr, macht er sich bereit für seinen Einsatz. Bei Orchestermusik erwartet er aber auch vom Dirigenten einen direkten Wink (ebenfalls als Einsatz bezeichnet).

Bei Instrumenten mit eher spärlich gesätem Text, wie bei manchen Schlagzeuginstrumenten, kann manche Seite im Stimmenheft ausschließlich Stichnoten enthalten, durchsetzt mit Mehrtaktpausen.

In Orchesternoten werden Stichmotive einerseits so gewählt, dass sie möglichst auffällig sind (Motive mit Signalcharakter), andererseits so, dass sie von Instrumenten gespielt werden, die dem Ausführenden in der Sitzordnung möglichst nahe sind. So erhalten zum Beispiel Paukisten möglichst Stichnoten von Blechbläsern, da diese näher, also direkter zu hören sind als etwa die Holzbläser- oder Streichergruppe, die weiter vorne sitzt. Sinnvolle Stichnoten erfordern von den Kopisten erhebliche Orchestererfahrung.

Salonmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei variablen Arrangements zum Beispiel in der Salonmusik sollen die Stichnoten gespielt werden, wenn die betreffenden Instrumente fehlen. So können in einer ersten Bläserstimme wichtige Stellen der zweiten Bläserstimme in Stichnoten angegeben sein, um sie in diesem Fall ausführen zu können.

Alte Drucke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei älteren Musikdrucken wird eine Stichnote am Ende der Zeile, die der ersten Note in der neuen Zeile entspricht und damit den Anschluss beim Lesen des Zeilenwechsels erleichtern soll, als Custos bezeichnet.

Bei Neumen in der Quadratnotation wird die letzte Note einer Liqueszenz als Stichnote gesetzt.