Stille Post

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Stille Post (auch bekannt als Flüsterpost) ist ein Kinderspiel[1]. Der Begriff wird aber auch sinnbildlich für die Verfälschung von Nachrichten durch die mehrfache informelle Weitergabe verwendet.

Regeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Spiel ordnen sich die Teilnehmer (je mehr desto besser) in einer Reihe oder einem Kreis an. Ein Spieler denkt sich eine Nachricht aus. Diese Nachricht wird nun flüsternd von Mund zu Ohr von einem Teilnehmer zum jeweiligen Nachbarn weitergegeben. Das Spielvergnügen ergibt sich durch die folgende Auflösung, bei der der oder die letzte in der Reihe laut ausspricht, was als letzte Mitteilung ins Ohr geflüstert wurde. Die zunehmende Verfälschung der ursprünglichen Nachricht kann dadurch dokumentiert werden, dass jeder Teilnehmer die verstandene Nachricht laut für alle wiederholt, was auch die Zahl der Lacherfolge steigen lässt.

Bewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit älteren Kindern und Jugendlichen kann in der Pädagogik auf diese Weise auch die Entstehung von Gerüchten oder Missverständnissen erklärt werden, da sich Nachrichten durch die subjektive Wahrnehmung bei der Weitergabe stets verändern.

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Variante von Stille Post lässt den ersten Spieler einen Satz auf einen Zettel schreiben. Der nächste Spieler malt dann zu diesem Satz ein Bild. Der nächste Spieler schreibt zu diesem Bild wieder einen Satz und so geht es immer weiter, bis das Spiel mit einem Satz aufgelöst wird.

Eine weitere Version von Stille Post lässt den ersten Spieler seinem Partner eine lange Geschichte laut vorlesen. In der nächsten Runde kommt ein weiterer Partner hinzu, der die Geschichte nicht mit gehört hat, und bekommt sie vom Vorgänger erzählt usw. Die Zuschauer erkennen dabei sehr gut das Interpretations- und Filterungsverhalten.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kunstprojekt Stille Post[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kunstprojekt Stille Post wurde 2006 an der Universität der Künste in Berlin realisiert.[2] Am 30. Juni 2006 erschien die gebundene Ausgabe, in der die künstlerischen Arbeiten dargestellt sind.[3] Das Projekt wurde mit dem Karl-Hofer-Preis der Universität der Künste ausgezeichnet.[4] Im Anschluss wurde das Kunstprojekt Stille Post auf die Lehre übertragen als Gastprofessur für Künstlerische Transformationsprozesse.[5] Im Reimerverlag erschien die Dokumentation der Lehrtätigkeit im Rahmen von Modellen künstlerischer Produktionen.[6]

Fußball Landesliga Württemberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gerücht, dass Trainer Jens-Uwe Zierer seine Zelte bei der SpVgg Holzgerlingen abbrechen und zum SV Althengstett wechseln würde, wurde per Stiller Post weiter verbreitet, so dass die Schwester des Trainers sich bei ihm erkundigte, warum sie über seinen bevorstehenden Wechsel vorab nicht informiert worden wäre, dabei gab es nicht einmal eine Anfrage aus Althengstett.[7]

App für Ausfall des Mobilfunknetzes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wurde eine App für Smartphones entwickelt, die z. B. bei einem Stromausfall, bei dem das Mobilfunknetz und das Internet betroffen wäre, Nachrichten (wie bei der Stillen Post) per WLAN von Handy zu Handy übertragen kann, so dass noch eine zeitverzögerte Kommunikation möglich wäre.[8]

Internationale Bezeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Spiel ist auch in vielen anderen Kulturen unter einer Vielzahl von Namen bekannt.

  • Im englischsprachigen Raum unter anderem als (übersetzt) Chinesisches Flüstern, Telefon oder Russischer Skandal.
  • Im Französischen als Arabisches Telefon.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Barbara Schniebel: Stille Post. In: Kinder Geburtstag planen. 31. März 2011, abgerufen am 4. Februar 2018.
  2. ...: Stille Post! Kunst. In: lift01.net. Abgerufen am 25. Juli 2016.
  3. Stille-Post-Transformationen-Ausstellungsprojekt-Karl-Hofer-Gesellschaft Abgerufen am 25. Juli 2016
  4. competition online Abgerufen am 25. Juli 2016
  5. Lehrkonzept Abgerufen am 25. Juli 2016
  6. Modelle künstlerischer Produktionen Abgerufen am 25. Juli 2016
  7. Michael Schwartz: Jens-Uwe Zierer: "Ich musste selbst jedes Mal lachen". In: KREISZEITUNG Böblinger Bote. 25. Januar 2018, abgerufen am 2. Februar 2018.
  8. Jan-Peter Bartels: Katastrophen-App - Wenn das Netz ausfällt. In: Tagesschau. Norddeutscher Rundfunk, 30. Januar 2018, abgerufen am 2. Februar 2018.