Strichtarn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der deutsche Buntfarbenaufdruck 1931 bildete die Grundlage für das Strichtarnmuster
Strichtarn der NVA (Sommerfelddienstanzug)
NVA-Strichtarn im Detail

Strichtarn ist die Bezeichnung für ein um 1960 vorgestelltes Tarnmuster der Kampfanzüge und persönlichen Ausrüstungen mehrerer Armeen.

Das Strichtarnmuster ist für den Einsatz zu allen Jahreszeiten in Mitteleuropa aus dem Buntfarbenaufdruck 1931 (Splittertarn) der Reichswehr entwickelt worden. Optisch erscheint das Strichtarn als Zweifarbentarnmuster, das die Tradition des Buntfarbenaufdrucks wiederaufnimmt und in reduzierter Form dessen in eine Richtung weisende gestrichelte Linien kopiert.

Strichtarn in verschiedenen Ländern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Polen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Polen war 1956 ein Splittertarnmuster eingeführt worden, das sich in seinem Gesamterscheinungsbild vollkommen am Reichswehr-Buntfarbenaufdruck 1931 orientierte. Es wurde jedoch bereits um 1960 wieder ausgemustert. In dieser Zeit erschien als Nachfolger das polnische Strichtarnmuster (wz58 „Deszczyk“ – Regen), von dem es mehrere Varianten gibt. Polen gilt als „Erfinder“ des vereinfachten Strichtarnmusters.

Tschechoslowakei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die tschechoslowakische Volksarmee führte 1953 ein Tarnmuster auf Basis des Sumpftarnmusters der Deutschen Wehrmacht ein. 1963 wurde dieses von einem einfachen Strichtarn-Muster („jehliči“ – Nadel) abgelöst.

Deutsche Demokratische Republik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Armeegeneral Heinz Hoffmann trägt die Jacke der Winterfelddienstuniform in der Ausführung für Generale

Bei der Nationalen Volksarmee (NVA) und dem Ministerium des Inneren (MdI) wurde 1958 mit dem Flächentarndruck ein Flecktarnmuster eingeführt, das möglicherweise von einer Waffen-SS-Vorlage abgeleitet worden war. Das DDR-Flecktarn wurde bis 1967 hergestellt und nachweislich bis 1971 für die Herstellung von Felddienstbekleidung verwendet. Es wurde langsam vom Strichtarnmuster nach polnischem Vorbild ersetzt, das man seit 1965 eingeführt hatte. Strichtarn wurde zusammen mit einem neuen Feldanzug, dem so genannten "Kampfanzug 64", und weiteren Ausrüstungsgegenständen (Sturmgepäck, Zeltbahnen, Stahlhelm-Tarnbezüge, Feldflaschen, Kleidersäcke, Gerätetaschen u. ä.) in der NVA vorgestellt. Das Muster nimmt eine Tradition des Splittertarns (eigentlich „Buntfarbenaufdruck“) wieder auf und kopiert in radikal vereinfachter Form dessen in eine Richtung weisende gestrichelte Linien.

Strichtarn ist die Endstufe der Weiterentwicklung des Buntfarbenaufdruck 31 der Reichswehr, während das Flächentarnmuster als eine Weiterentwicklung der Flecktarnmuster der Waffen-SS zu betrachten ist.

Das DDR-Strichtarn wurde in zwei Varianten gefertigt, die Variante 1 mit dünneren braunen Strichen auf sandgelbem Grund (Herstellung von etwa 1965 bis 1966/67) und die Variante 2 mit etwas dickeren braunen Strichen auf oliv-bräunlichem Grund (Herstellung von etwa 1967 bis 1990).

Das Strichtarnmuster wurde auch in anderen bewaffneten Formationen verwendet, wie ab 1971 bei der Zollverwaltung der DDR. Es verschwand mit dem Ende der DDR und der Auflösung der NVA ab 1989 aus dem allgemeinen militärischen Gebrauch in Deutschland.

Auch nach der Deutschen Einheit wurden aber kurzzeitig noch Strichtarn-Uniformen der Volkspolizei-Bereitschaft bei den Bereitschaftspolizeien der Länder eingesetzt.

Bulgarien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab dem Ende der 1960er Jahre wurden in Bulgarien verschiedene Tarnmuster in Anlehnung an das Splittertarn-Muster eingeführt. Darunter war auch eine vereinfachte Variante, ähnlich der Strichtarns der anderen Warschauer Vertragsstaaten.

Südwestafrika (heute: Namibia)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Regierung der DDR, welche die südwestafrikanische SWAPO in ihrem Kampf gegen die rassistische Regierung unterstützte, rüstete auch Kontingente der Befreiungsarmee mit Strichtarnuniformen aus. Doch auch die Gegner der SWAPO, die südafrikanische Armee (SADF), rüstete einige Einheiten mit Strichtarn aus und stellte dafür in kleinem Rahmen identische Kopien der NVA-Uniform her.

Südafrika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Südafrika waren Uniformen mit Strichtarnmuster noch nach 2003 in der Armee im Einsatz.

Jugoslawien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Auflösung der NVA ab 1989/1990 wurden auch die Uniformbestände verkauft. So war NVA-Strichtarn-Kleidung in Europa zuletzt in größerem Stil bei Söldnern während der Jugoslawienkriege (1991 bis 1999) zu sehen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Strichtarn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien