Milder Kiefern-Zapfenrübling

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Milder Kiefern-Zapfenrübling

Milder Kiefern-Zapfenrübling (Strobilurus stephanocystis)

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Champignonartige (Agaricales)
Familie: Physalacriaceae
Gattung: Zapfenrüblinge (Strobilurus)
Art: Milder Kiefern-Zapfenrübling
Wissenschaftlicher Name
Strobilurus stephanocystis
(Kühner & Romagn. ex Hora) Singer

Der ungenießbare Milde Kiefern-Zapfenrübling oder Milde Kiefernzapfen-Nagelschwamm (Strobilurus stephanocystis) ist eine Pilzart aus der Familie der Rindenschwammverwandten. Die Fruchtkörper erscheinen von März bis Mai auf Kiefernzapfen.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Kristallschopfzystide des Milden-Kiefern-Zapfenrüblings im Lichtmikroskop

Makroskopische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hut ist 0,5–2,5 cm breit, anfangs gewölbt, dann ausgebreitet und bisweilen flach gebuckelt. Die Oberfläche ist glatt und matt und gelbbraun oder rötlich bis dunkelbraun gefärbt. Der glatte, ungeriefte Rand überragt die Lamellen ein wenig. Die weißlichen, blassgrau bis blass gelblichen Lamellen sind am Stiel tief ausgebuchtet angeheftet bis fast frei. Das Sporenpulver ist weiß. Der schlanke, zylindrische Stiel ist zäh-elastisch und oft verbogen. Er ist 5–7 cm lang (über der Erde) und 1–2 cm breit und mehr oder weniger kahl und glänzend. Im unteren Teil ist er gelb- bis rotbraun, die Spitze ist heller bis weißlich. Die Stielbasis hat oft eine strigelig-filzige, 5–8 cm lange „Wurzel“ (Pseudorhiza), die in einem mehr oder weniger tief im Boden vergrabenem Kiefernzapfen entspringt. Das weißliche, zäh-elastische Fleisch ist dünn und riecht angenehm pilzartig. Der Geschmack ist mild bis bitterlich.[1][2]

Mikroskopische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die inamyloiden Sporen messen 5,5–10 × 3–4 µm. Die auffallend dickbauchigen oder breit keulig bis flaschenförmigen Zystiden sind an ihrer typisch abgerundeten Spitze oft mit großkörnigen Kristallen besetzt.[1]

Artabgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehr ähnlich ist der ebenfalls auf Kiefernzapfen wachsende Bittere Kiefern-Zapfenrübling (Strobilurus tenacellus), der bitterer schmecken soll. Seine Fruchtkörper erscheinen meist später, etwa von April bis Juni. Eine sichere Unterscheidung kann nur durch das Mikroskop erfolgen. Der Bittere Kiefern-Zapfenrübling hat spitz zulaufende Zystiden, die keine Kristalle tragen. Ebenfalls ähnlich ist der Fichtenzapfen-Rübling (Strobilurus esculentus), der aber auf Fichtenzapfen wächst. Auch der ähnliche Mäuseschwanzrübling (Baeospora myosura) wächst auf Fichten- oder Kiefernzapfen, seine Fruchtkörper erscheinen aber im Herbst. Er hat sehr dicht stehende Lamellen und ist an seinem fein flockigen Stiel zu erkennen.[1]

Ökologie und Phänologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Milde Kiefern-Zapfenrübling ist an keinen besonderen Wald-, Boden- oder Klimatyp gebunden und kommt auch außerhalb geschlossener Baumbestände vor. Man findet den Pilz auf Kahlschlägen und Lichtungen, an Waldwegen und in Parks und Gartenanlagen. Er lebt als Saprobiont auf vorjährigen, vergrabenen Kiefernzapfen. Die Fruchtkörper erscheinen einzeln bis gesellig meist zwischen März und Mai.[3]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Europäische Länder mit Nachweisen des Milden Kiefern-Zapfenrübling.[4][5][6][7][8][9][10][3][11][12][13]
Legende:
grün = Länder mit Fundmeldungen
cremeweiß = Länder ohne Nachweise
hellgrau = keine Daten
dunkelgrau = außereuropäische Länder.

Der Pilz kommt in Asien (Japan, Südkorea) und Europa vor. In Kiefernwäldern ist er ein ziemlich häufiger Frühjahrspilz.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kiefern-Zapfenrüblinge wurden in jüngster Zeit dadurch bekannt, weil man aus ihnen verschiedene Strobilurine isoliert hat. Strobilurine haben eine starke fungizide Wirkung, sind aber gegenüber Pflanzen und Säugetieren kaum toxisch. Da die natürlichen Strobilurine relativ schnell abgebaut werden, werden heute überwiegend synthetisch hergestellte Strukturanaloga als Pflanzenschutzmittel eingesetzt.[14]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Ewald Gerhardt: Pilze (= Spektrum der Natur / BLV Intensivführer. Band 1: Lamellenpilze, Täublinge, Milchlinge und andere Gruppen mit Lamellen). BLV, München / Wien / Zürich 1984, ISBN 3-405-12927-3, S. 114.
  2. Hans E. Laux: Der neue Kosmos-Pilzatlas. 1. Auflage. Kosmos, Stuttgart 2002, ISBN 3-440-07229-0, S. 84.
  3. a b German Josef Krieglsteiner (Hrsg.), Andreas Gminder: Die Großpilze Baden-Württembergs. Band 3: Ständerpilze. Blätterpilze I. Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3536-1, S. 518.
  4. Cvetomir M. Denchev & Boris Assyov: Checklist of the larger basidiomycetes in Bulgaria. In: Mycotaxon. Band 111, 2010, ISSN 0093-4666, S. 279–282 (online [PDF]).
  5. Belgian List 2012 - Strobilurus stephanocystis. Abgerufen am 3. Januar 2014 (englisch).
  6. Zdenko Tkalcec & Mesic Armin: Preliminary checklist of Agaricales from Croatia. I. Families Pleurotaceae and Tricholomataceae. In: Mycotaxon. Vol: 81, 2002, S. 113–176 (englisch, cybertruffle.org.uk). cybertruffle.org.uk (Memento des Originals vom 24. September 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cybertruffle.org.uk
  7. Estonian eBiodiversity Species description Strobilurus stephanocystis. In: elurikkus.ut.ee. Abgerufen am 3. Januar 2014 (englisch).
  8. Worldwide distribution of Strobilurus stephanocystis. (Nicht mehr online verfügbar.) In: GBIF Portal / data.gbif.org. Archiviert vom Original am 23. Januar 2015; abgerufen am 3. Januar 2014.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/data.gbif.org
  9. Georgios I. Zervakis et al.: Mycodiversity studies in selected ecosystems of Greece: II. Macrofungi associated with conifers in the Taygetos Mountain (Peloponnese). In: Mycotaxon. Vol 83:, 2002, S. 97–126 (cybertruffle.org.uk). cybertruffle.org.uk (Memento des Originals vom 24. September 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cybertruffle.org.uk
  10. D.M. Dimou, G.I. Zervakis & E. Polemis: Mycodiversity studies in selected ecosystems of Greece: IV. Macrofungi from Abies cephalonica forests and other intermixed tree species (Oxya Mt., central Greece). In: [Mycotaxon]. Vol: 104, 2008, S. 39–42 (englisch, online [PDF]).
  11. Jean-Pierre Prongué, Rudolf Wiederin, Brigitte Wolf: Die Pilze des Fürstentums Liechtenstein. In: Naturkundliche Forschung im Fürstentum Liechtenstein. Vol. 21. Vaduz 2004 (online [PDF]).
  12. Grid map of Strobilurus stephanocystis. In: NBN Gateway / data.nbn.org.uk. Abgerufen am 3. Januar 2014 (englisch).
  13. Strobilurus stephanocystis. Pilzoek-Datenbank, abgerufen am 3. Januar 2014.
  14. Karin Montag: Milder Kiefernzapfen-Nagelschwamm Strobilurus stephanocystis Im virtuellen Pilzbuch. In: Tintling.com. Abgerufen am 3. Januar 2014.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Milder Kiefern-Zapfenrübling (Strobilurus stephanocystis) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Strobilurus stephanocystis. In: Funghi in Italia / funghiitaliani.it. Abgerufen am 3. Januar 2014 (italienisch, Fotos vom Milden Kiefernzapfen-Nagelschwamm).