Stuttgarter Gaishirtle

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Zeichnung von Wilhelm Lauche

Die Stuttgarter Gaishirtle[1] (auch Geishirtl oder Geishirtli) ist eine Sorte der Birne (Pyrus communis), die sowohl als Tafelbirne wie auch als Mostbirne und Dörrfrucht verwendbar ist. Die Sorte wurde angeblich um 1750 bei Stuttgart von einem Ziegenhirten aufgefunden. Das Geishirtle wurde in die Liste der 50 empfohlenen Sorten der siebten Versammlung deutscher Pomologen (Trier) aufgenommen.

Synonyme: Wahre Stuttgardter Geishirtenbirne,[2] Chevriers de Stuttgardt, Honigbirne, Hutzelbirne, (Langstielige) Stuttgarter Russelet, Zuckerbirne

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Wildling veredelt ist der mittelstark wachsende Baum durch seine harmonische, pyramidale Form auch als Hausbaum gut geeignet. Bei einer Veredelung auf Quitte bleibt der Wuchs schwach, sie ist aber auch für die Erziehung als Spalier und Busch geeignet. Die Sorte gedeiht in jedem Boden, bevorzugt aber warme Lagen und ist gegen Schädlinge und Krankheiten recht widerstandsfähig.

Die eher kleine, gelegentlich bauchige Frucht besitzt eine glatte, gelblich grüne Schale mit vielen roten Punkten. Der Geschmack wird als sehr süß und zimtartig gewürzt beschrieben. Das Fruchtfleisch ist fest. Die Früchte sind direkt vom Baum weg genießbar.

Die früh auftretende Blüte ist ausdauernd und gegen Nässe und kaltes Wetter unempfindlich. Die Sorte gilt als guter Pollenspender. Befruchtersorten sind „Clapps Liebling“, „Gellerts Butterbirne“, „Gute Luise“ und „Williams Christ“.[3]

Das Geishirtle reift als frühe Sommerbirne bereits Ende August und ist danach noch etwa acht Tage haltbar, auch reifen nicht alle Birnen gleichzeitig, so dass über einen längeren Zeitraum geerntet werden kann. Durch ihre gute Eignung für Konservierung und vor allem für das Dörren wird die kurze Nutzbarkeit ausgeglichen.[4] Die Hutzeln der Gaishirtle sind neben Dörrzwetschgen eine Hauptzutat für Hutzelbrot. Da sie im Vergleich zu anderen Sorten wenig Gerbsäure und weniger Saft enthält, ist sie nicht so gut geeignet als Mostbirne.

Gelegentlich wurden Anfälligkeiten für Schorf und Gipfeldürre beobachtet.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BUND-Lemgo Obstsortendatenbank; abgerufen am 9. Juli 2017.
  2. Friedrich Jakob Dochnahl: Der sichere Führer in der Obstkunde auf botanisch-pomologischem Wege oder Systematische Beschreibung aller Obstsorten. Band 2: Systematische Beschreibung aller Birnensorten. Nebst der Quitten, Speyerlingen, Azerolen u. Mispeln. Wilhelm Schmid, Nürnberg 1856, S. 45.
  3. Thomas Langner: pflanzen & pflegen: Birne – Befruchtertabelle. Abgerufen am 2. Dezember 2012 (Übersicht der Befruchtersorten für Birnen).
  4. Gaishirtle. In: Schmeck den Süden Baden-Württemberg. MBW Marketinggesellschaft, abgerufen am 11. Februar 2015 (Warenkunde).
  5. Erhaltung alter Kernobstsorten. Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee, 1. Februar 2011, abgerufen am 2. Dezember 2012: „Ein Interreg-IIIA-Projekt der Länder Baden-Württemberg, Bayern, Vorarlberg, Fürstentum Liechtenstein und der Schweiz“

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karteikarte der Sorte in der BUND-Lemgo Obstsortendatenbank
  • Stuttgarter Gaishirtle. Verband der Bediensteten für Obstbau, Garten und Landschaft e.V., abgerufen am 11. Februar 2015 (Sortenbeschreibung).