Sudanesische Volksbefreiungsarmee

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Links das Wappen der sudanesischen Volksbefreiungsbewegung, rechts das der sudanesischen Volksbefreiungsarmee

Die Sudanesische Volksbefreiungsbewegung (englisch Sudan People’s Liberation Movement, abgekürzt SPLM; arabisch ‏الحركة الشعبية لتحرير السودان‎) ist eine politische Partei und ehemalige Widerstandsbewegung im Sudan und im Südsudan.

Sie wurde 1983 gegründet. Ihre Grundlage war die verbreitete Unzufriedenheit im Südsudan mit der sudanesischen Zentralregierung. Ihr bewaffneter Arm, die Sudanesische Volksbefreiungsarmee (engl. Sudan People’s Liberation Army, SPLA), kämpfte im zweiten Sezessionskrieg im Südsudan bis 2005 gegen die Regierungen Dschafar Muhammad an-Numeiris und Sadiq al-Mahdis sowie Umar al-Baschirs. Offizielles Ziel der Bewegung war die Umgestaltung des Sudans hin zu einem säkularen und demokratischen Staat („Neuer Sudan“). Allerdings strebten weite Teile ihrer Basis als Hauptziel die Unabhängigkeit des Südsudans an.

Nach dem Friedensabkommen 2005 war die SPLM 2005–2011 an der sudanesischen Regierung beteiligt. Den Südsudan regierte sie in diesem Zeitraum als autonome Region und seit 2011 als unabhängigen Staat. Während sich die SPLM im Südsudan zur De-facto-Einheitspartei entwickelt hat und die SPLA zur regulären Armee des Südsudans werden soll, ist die SPLM im (Nord-)Sudan als Oppositionspartei aktiv und in den Bundesstaaten Dschanub Kurdufan und an-Nil al-azraq in bewaffnete Auseinandersetzungen mit der sudanesischen Regierung verwickelt.

Geschichte[Bearbeiten]

Bürgerkrieg (1983–2005)[Bearbeiten]

Anführer der SPLA war von 1983 bis zu seinem Unfalltod 2005 John Garang, ein Dinka. Er erhielt eine wissenschaftliche und militärische Ausbildung in den USA, wo er auch promoviert wurde. 1991 spaltete sich die SPLA in zwei Hauptparteien: die SPLA-Torit unter John Garang, benannt nach ihrem damaligen Zentrum Torit, und die SPLA-Nasir, benannt nach dem Hauptort Nasir der abtrünnigen Fraktion unter Riek Machar, einem Nuer, und Lam Akol, einem Schilluk. Innere Zerstrittenheit führte zu weiteren Abspaltungen und zum Bürgerkrieg zwischen den Fraktionen.

Seit dem Friedensabkommen 2005 ist die SPLA als politische Partei SPLM auch in Nordsudan vertreten. SPLM-Flagge vor ihrem Parteibüro in einem Dorf nahe Karima

Diese internen Konflikte waren die Ursache für eine hohe Zahl von zivilen Toten, Verwundeten und Vertriebenen, mitverantwortlich für mehrere Hungersnöte und behinderten die Arbeit der Operation Lifeline Sudan. Im April 1997 schloss die SPLA unter Riek Machar einen separaten Friedensvertrag mit Khartum (Khartoum Peace Agreement, KPA), und Machar führte die mit der sudanesischen Regierung verbündete South Sudan Defense Force (SSDF). Taban Deng Gai, ein Nuer, der mit Machar zur SPLA-Nasir gewechselt hatte, wurde Anführer der politischen Partei United Democratic Sudan Forum (UDSF), die seit 1996 ebenfalls mit der sudanesischen Regierung verbunden war. Seit 1996 auf Seiten der Regierung stand auch die 1995 in Südsudan gegründete Equatoria Defense Force (EDF), die die SPLA als Bedrohung sah, später unabhängig operierte und sich erst 2002 mit den anderen Gruppen verbündete.

Die SPLA unter Garang blieb die wichtigste Rebellengruppe des Südens. Verhandlungen über ein Ende des Bürgerkrieges mit der Regierung blieben zunächst ergebnislos, 2002 wurde jedoch ein Waffenstillstand für die Nuba-Berge erreicht. 2003 konnte das Machakos-Abkommen geschlossen werden, ein Rahmenabkommen für weitere Verhandlungen. Darin akzeptierte die Regierung „Selbstbestimmung“ für den Südsudan, während die SPLM das Ziel aufgab, auch im Nordsudan die Scharia abzuschaffen.

Im Februar 2003 eskalierte der Konflikt in Darfur, mit Billigung oder Beteiligung der SPLM. Am 9. Januar 2005 schloss die SPLM einen Friedensvertrag mit der sudanesischen Regierung. Dieser ebnete den Weg zur Beteiligung der SPLM an der Regierung, zu allgemeinen Wahlen im Jahr 2010 sowie zum Unabhängigkeitsreferendum im Südsudan 2011.

Politische Partei (seit 2005)[Bearbeiten]

Ehemalige Flagge der SPLM in den 1990er Jahren

John Garang starb am 1. August, Wochen nach Abschluss des Friedensabkommens, bei einem Hubschrauberabsturz. Führer der SPLM ist seither Salva Kiir Mayardit.

Bei den Wahlen im Sudan 2010 gewann die SPLM sämtliche Wahlen in der autonomen Region Südsudan mit überwältigender Mehrheit. Die landesweiten Präsidentschaftswahlen boykottierte sie. In einem einzigen der 15 nordsudanesischen Bundesstaaten, in an-Nil al-azraq, gewann sie die Gouverneurswahlen mit ihrem Kandidaten Malik Agar. In Dschanub Kurdufan, wo die Gouverneurswahl erst 2011 stattfand, bestreitet sie die Niederlage ihres Kandidaten gegen Ahmad Harun von der Regierungspartei.

Im Vorfeld der Unabhängigkeit des Südsudans teilte sich die SPLM in einen südlichen und einen nördlichen Zweig. Die SPLM-Northern oder SPLM-N ist im (Nord-)Sudan nach der Abspaltung des Südsudans als Oppositionspartei aktiv. Ihr Führer ist Malik Agar, Generalsekretär ist Yasir Arman.[1] Die Regierung verweigert ihre Anerkennung als politische Partei und verlangte, dass Kämpfer der SPLA aus Dschanub Kurdufan und an-Nil al-azraq in den Südsudan abziehen.[2][3]

Unterstützung von außen[Bearbeiten]

Die SPLM wurde bis 2008 von der US-amerikanischen Bush-Regierung unterstützt. Wie laut Veröffentlichungen von WikiLeaks im Dezember 2010 aus dem Schriftverkehr zwischen amerikanischen Dienststellen hervorgeht, war es amerikanisches Ziel, die SPLA zu einer schlagkräftigen Armee aufzurüsten. Die Hilfe der USA umfasste die direkte Unterstützung von Waffenlieferungen über Kenia bis zu Trainingsprogrammen für die SPLA, einschließlich des Schießtrainings für Soldaten.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sudanesische Volksbefreiungsarmee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. SPLM adopts South Sudan name, untangles its northern sector, in: Sudan Tribune, 14. Februar 2011
  2. Sudan shuts down SPLM-North offices in Khartoum, in: Sudan Tribune, 4. September 2011
  3. Al-Bashir vows to squelch SPLM-N as Sudan’s army says ready to take rebels’ stronghold, in: Sudan Tribune, 5. September 2011
  4. Horand Knaup: Entführtes Waffenschiff. Diskreter Deal für einen kleinen Krieg. Spiegel Online, 8. Dezember 2010