Tönnjes E.A.S.T. Infrastruktur Invest

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Tönnjes E.A.S.T. Infrastruktur Invest GmbH

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Rechtsform GmbH
Gründung 1832
Sitz Delmenhorst, Deutschland
Leitung Dietmar Mönning, Jörn Bertram (Geschäftsführer)
Mitarbeiterzahl 2000
Umsatz Keine Angaben
Branche Fahrzeugidentifikation und -registration
Website www.toennjes.com
Stand: 2019

Die Tönnjes E.A.S.T. Infrastruktur Invest GmbH (Eigenschreibweise: TÖNNJES E.A.S.T. INFRASTRUKTUR INVEST GmbH) ist ein Unternehmen im Bereich der sicheren Fahrzeugidentifikation. Der Firmensitz befindet sich im niedersächsischen Delmenhorst.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1832 wurde die J. H. Tönnjes von Hinrich Tönjes in Delmenhorst gegründet. Das Unternehmen begann als Korkschneiderei für Flaschenverschlüsse aller Art und entwickelte im Laufe der Zeit Flaschenverschlüsse aus Kunststoff und Aluminium, welche später industriell gefertigt wurden. In den frühen 1960er Jahren verwendete das Unternehmen die bestehenden Technologien der Metallverarbeitung und des Kunststoffspritzgusses für die Herstellung der ersten Fahrzeugkennzeichen.

Von Anfang an setzte das Unternehmen auf den Export von Maschinen und Materialien. Im Laufe der Jahre richtete sich Tönnjes neu aus. Heute gehören neben den KFZ-Kennzeichen und Zubehör auch Kunststoffspritzguss sowie Werbeschilder und Beschriftungen zu den Geschäftsfeldern.

1990 wurde die J.H. Tönnjes E.A.S.T. GmbH & Co KG gegründet, um neben dem klassischen Export auch Produktionsstätten für Kfz-Kennzeichen im Ausland zu gründen und um vor Ort als Lieferant und Dienstleister für die Zulassungsbehörden agieren zu können. Erste Niederlassungen wurden in den ehemaligen Ostblockstaaten wie zum Beispiel in Ungarn, Polen, Russland, Lettland und Litauen gegründet. Neben J.H. Tönnjes E.A.S.T. wurde auch die Tönnjes E.A.S.T. Infrastruktur Invest GmbH für strategische Investitionen und Zukäufe sowie zum Halten von Beteiligungen in Europa und Übersee gegründet. Im Jahr 2001 wurde die Tönnjes C.A.R.D. International GmbH gegründet, um speziell Entwicklungs- und Schwellenländer außerhalb Europas zu bearbeiten. Mit Gründungen in Lateinamerika und Zukäufen in Afrika entwickelte sich Tönnjes C.A.R.D. schnell zu einem wichtigen Standbein für Tönnjes. 2011 fusionierten die Familienunternehmen Tönnjes und Utsch das Auslandsgeschäft außerhalb Europas in der neu gegründeten Holding Utsch Tönnjes International AG (UTI) und Tönnjes C.A.R.D. wurde Bestandteil der UTI. Mit Zukäufen in den Vereinigten Staaten von Amerika und Australien wurde UTI angeblich zum Weltmarktführer für sichere Fahrzeugidentifizierung.

Ende 2018 entschieden sich die neuen Eigentümer sowie der Vorstand der Utsch AG dazu, ihre Beteiligung an UTI komplett an die Tönnjes E.A.S.T. Infrastruktur Invest GmbH zu veräußern.[1] Damit schied der Wettbewerber aus der Gesellschaft aus. Während Tönnjes in den letzten Jahren als Technologielieferant agiert hat, wurde das Unternehmen damit zum Systemanbieter, der von der Kennzeichenproduktion bis zur Schaffung eines zentralen Zulassungsregisters, alle Bereiche der Fahrzeugregistrierung und -identifikation aus einer Hand bietet.

Heute ist der neue Konzern, an dessen Spitze nun die Tönnjes E.A.S.T. Infrastruktur Invest GmbH steht, an 50 Standorten im Ausland mit lokalen Beteiligungen vertreten und beschäftigt rund 2.000 Mitarbeiter weltweit.

Produkte und Dienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es lassen sich die Geschäftsfelder des Unternehmens in die Bereiche Software Lösungen, elektrische Fahrzeugidentifikation, Sicherheitslösungen und Produktionstechnologie aufteilen.

Software Lösungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zulassungssoftware IDeTRUST organisiert plattformunabhängig den behördlichen Prozess der Fahrzeugzulassung. Sie lässt sich zudem an die lokalen Anforderungen anpassen und in bestehende IT-Systeme integrieren. Nicht nur die Fahrzeugregistrierung, sondern auch Abläufe wie die Auftragserfassung, die Kennzeichenproduktion, der Druck von Zulassungsdokumenten, die Lagerhaltung und Lieferung können mithilfe von IDeTRUST gesteuert werden. Gleichzeitig sind die Übermittlung und der Abgleich von Registrierungsdaten sowie eine Vernetzung mit relevanten Schnittstellen wie der Polizei oder dem Zoll möglich. Mit der IDeTRUST Verification App lassen sich Fahrzeuge auch per Smartphone authentifizieren.

Elektrische Fahrzeugidentifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tönnjes E.A.S.T. Infrastruktur Invest GmbH hat federführend mit den Partnern NXP Semiconductors und Kathrein SE ein auf RFID-Technologie basierendes Sicherheitssystem zur elektronischen Fahrzeugidentifikation entwickelt. Mittelpunkt ist das RFID-Kennzeichen IDePLATE. Es enthält einen integrierten Chip, der den alphanumerischen Datensatz des Kennzeichens in Form einer verschlüsselten Identifikationsnummer speichert. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert der ebenfalls von Tönnjes entwickelte Windschutzscheibenaufkleber IDeSTIX, das sogenannte Dritte Kennzeichen[2]. Der passive, batterielose RAIN RFID UHF-Chip kann von autorisierten Lesegeräten, ruhend oder im Fließverkehr ausgelesen werden. Datensätze werden über die eigens entwickelte Software IDeTRUST abgesichert, dekodiert und verifiziert.

Ein Testlauf[3] auf dem Militärstützpunkt Oirschot in der niederländischen Provinz Nordbrabant bestätigte, dass Fahrzeuge mit Chip-basierter RFID-Technologie auch bei Regen, Schnee oder Nebel sicher identifiziert werden können und damit eine bessere Quote als bei der Fahrzeugidentifikation über Kamerasysteme möglich ist.

Bei einem Performance Test am Sachsenring[4] im März 2019 demonstrierte Tönnjes Kunden und Behördenvertretern aus mehr als 30 Nationen, dass die RFID basierte IDePLATE-Technologie Fahrzeuge bei einer Geschwindigkeit von bis zu 220 Stundenkilometern erfasst und authentifiziert. Dazu stellten mehrere Pkw, LKW und Motorräder verschiedene Verkehrsszenarien nach und wurden dabei per Lesegerät und Kamera kontaktlos erfasst. Die Identifikationsquote lag bei der Kombination aus Kamera, IDePLATE und IDeSTIX bei rund 99 Prozent.

Die Tönnjes E.A.S.T. Infrastruktur Invest GmbH berät zudem Behörden und Unternehmen weltweit bei der Einführung und Implementation von analogen oder elektronischen Systemen zur Fahrzeugregistration und -identifikation.[5][6][7]

Sicherheitslösungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um eine höhere Fälschungssicherheit zu gewährleisten entwickelt Tönnjes Lasercodierungen, Wasserzeichen oder ISO-zertifizierte Hochsicherheitshologramme, die aus dem Bankensektor stammen und internationalen Sicherheitsstandards entsprechen. Außerdem bietet Tönnjes einen Sicherheitskennzeichenhalter an. Dieser bietet höheren Schutz gegen den Diebstahl von Kfz-Kennzeichen, weil zu der Demontage ein Spezialwerkzeug notwendig ist. Die verschiedenen Sicherheitselemente lassen sich zudem miteinander kombinieren.

Produktionstechnologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Produktionstechnologie für Kfz-Kennzeichen von Tönnjes besteht aus Werkzeugen, Maschinen und Produktionsanlagen, die nach dem Baukastensystem konzipiert sind. Auf diese Weise kann das Unternehmen die einzelnen Elemente individuell an die länderspezifischen Anforderungen anpassen. Gleichzeitig ist eine digitale Verkettung aller Arbeitsprozesse sowie eine permanente Überwachung und Dokumentation der Produktion möglich. Somit kann jeder Produktionsschritt eines Kfz-Kennzeichens dank einer Identifikationsnummer auch später noch zurückverfolgt werden. Im Jahr 2018 lieferte Tönnjes der staatlichen Druckerei Italiens, Instituto Poligrafico e Zecca dello Stato, die erste vollautomatische Kennzeichenproduktion der Welt.[8]

Anwendungsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das IDePLATE-System ist für eine Reihe staatlicher, kommerzieller und privater Anwendungsbereiche nutzbar:

Staatliche Nutzung

Kommerzielle und private Nutzung

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]