Tabula Imperii Byzantini

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Tabula Imperii Byzantini (abgekürzt TIB) ist ein Forschungsprojekt der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zur historischen Geographie des byzantinischen Reiches.

Geschichte und Zweck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Projekt geht auf die Initiative des Byzantinisten Herbert Hunger zurück und wurde von diesem erstmals 1966 auf dem 13. Internationalen Byzantinistenkongreß in Oxford vorgestellt. Im selben Jahr richtete die Philosophisch-Historische Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften die Kommission für die Tabula Imperii Byzantini ein, die für die Bearbeitung zuständig ist; diese ging am 1. Januar 2006 in dem neu gegründeten "Institut für Byzanzforschung" auf.

Ziel der Tabula Imperii Byzantini ist die Erstellung eines Atlas des Byzantinischen Reiches. Dieser besteht aus Karten der einzelnen Provinzen im Maßstab 1:800.000. Auf diesen Karten sind die alten geographischen Namen in schwarzer Schrift eingetragen. Die Zuordnung der Siedlungen, Festungen und kirchlichen Anlagen zu einzelnen Epochen des byzantinischen Reiches ist durch Füllung der Signaturen mit Farben dargestellt. Für Gebiete, wo infolge der Dichte der Eintragungen der Kartenmaßstab 1:800.000 nicht ausreicht, werden zusätzlich großmaßstäbliche Sonderkarten angefertigt. Den Kartenblättern sind umfangreiche Textbände zugeordnet. Diese Bände enthalten als Hauptteil in alphabetischer Reihenfolge die Namen von Orten, Fluren, Siedlungen, Klöstern, Gewässern, Bergen usw. mit Beschreibung ihrer Lage, Geschichte und Denkmäler. Die umfangreichen Einleitungskapitel zu den TIB-Bänden geben Auskunft über Grenzen, Geographie, Verwaltung, Geschichte, Kirche, Wirtschaft, Bevölkerung, Siedlungen, Architektur und Verkehrsverbindungen.

Die historisch-geographische Forschungsarbeit der TIB baut auf vier Kategorien von Quellen auf. Es sind dies: 1) die schriftlichen Quellen (literarische und nichtliterarische Texte sowie Inschriften), 2) die archäologischen Quellen (Denkmäler, Denkmalreste, Keramik etc.), 3) die onomastischen Quellen (Namen von Fluren, Siedlungen, Gewässern, Gebirgen etc. als Informationsträger) und schließlich 4) die physischen Quellen (naturräumlichen Gegebenheiten). Die aus Quellen, historischer und archäologischer Fachliteratur sowie Reiseliteratur festgestellten Orte werden - soweit möglich - im Zuge von Bereisungen aufgesucht, sodass persönliche Beobachtungen, die genauen Ortslagen, ihre Vernetzung und der aktuelle Zustand des Denkmalbestandes in den jeweiligen Bänden der TIB dokumentiert werden können.

Bände der Tabula Imperii Byzantini (TIB)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Ergänzung und Entlastung erscheinen die

Veröffentlichungen der Kommission für die Tabula Imperii Byzantini (VTIB)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • VTIB 1: Johannes Koder: Negroponte. Untersuchungen zur Topographie und Siedlungsgeschichte der Insel Euboia während der Zeit der Venezianerherrschaft. 1973, ISBN 3-7001-0020-5.
  • VTIB 2: Friedrich Hild: Das byzantinische Straßensystem in Kappadokien. 1977, ISBN 3-7001-0168-6.
  • VTIB 3: Marcell Restle: Studien zur frühbyzantinischen Architektur Kappadokiens. 1979, ISBN 3-7001-0293-3.
  • VTIB 4: Hansgerd Hellenkemper, Friedrich Hild: Neue Forschungen in Kilikien. 1986, ISBN 3-7001-0771-4.
  • VTIB 5: Sophia Kalopissi-Verti: Dedicatory Inscriptions and Donor Portraits in Thirteenth-Century Churches of Greece. 1992, ISBN 3-7001-1927-5.
  • VTIB 6: Hanns Michael Küpper: Bautypus und Genesis der griechischen Dachtranseptkirche. 1996, ISBN 3-7001-2571-2.
  • VTIB 7: Klaus Belke, Friedrich Hild, Johannes Koder, Peter Soustal (Hrsg.): Byzanz als Raum. Zu Methoden und Inhalten der historischen Geographie des östlichen Mittelmeerraumes. 2000, ISBN 3-7001-2872-X.
  • VTIB 8: Ewald Kislinger: Regionalgeschichte als Quellenproblem. Die Chronik von Monembasia und das sizilianische Demenna. Eine historisch-topographische Studie. 2001, ISBN 3-7001-3001-5.

Alle Veröffentlichungen erscheinen als Denkschriften der Philosophisch-Historischen Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Verlag der Akademie in Wien.

Literatur zur TIB[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Koder: Überlegungen zu Konzept und Methode der "Tabula Imperii Byzantini". In: Österreichische Osthefte. 20, 1978, S. 254–262.
  • Herbert Hunger: Bericht über die Tabula Imperii Byzantini. Entstehung - Aufbau - Fortschritte. In: XVIII. International Congress of Byzantine Studies. Major Papers, Moscow 1991, S. 275–281.
  • Johannes Koder: Die Tabula Imperii Byzantini und verwandte Projekte. In: Karsten Fledelius (Hrsg.): Byzantium. Identity, Image, Influence. XIX. International Congress of Byzantine Studies. Major Papers, Kopenhagen 1996, S. 423–426.
  • Johannes Koder: Perspektiven der Tabula Imperii Byzantini. Zu Planung, Inhalt und Methode. In: Geographia Antiqua. 5, 1996, S. 75–86.
  • Johannes Koder: Auf den Spuren eines Weltreichs - Die Tabula Imperii Byzantini. Rekonstruktion der spätantiken und mittelalterlichen Siedlungsrealität in Südosteuropa und im östlichen Mittelmeerraum. In: Präsidium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): schafft:wissen Lesebuch. Wien 1997, ISBN 3-7001-2640-9, S. 107–110.
  • Klaus Belke: Tabula Imperii Byzantini. Un progetto di topografia e le sue prospettive per la Sicilia. In: Byzantino-Sicula IV. Atti del I Congresso Internazionale di Archeologia della Sicilia Bizantina (Corleone, 28 luglio-2 agosto 1998), a cura di Rosa Maria Carra Bonacasa. Palermo 2002, S. 73–87.
  • Mihailo St. Popović: Mapping Byzantium – The Project “Macedonia, Northern Part” in the Series Tabula Imperii Byzantini (TIB) of the Austrian Academy of Sciences. In: K. Kriz, W. Cartwright, L. Hurni (Hrsg.): Mapping Different Geographies. (Lecture Notes in Geoinformation and Cartography). Berlin/ Heidelberg 2010, S. 219–234.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]