Zum Inhalt springen

Tefilat HaDerech

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Tefilat HaDerech in einem Siddur aus dem Jahr 1743 (Amsterdam)
Tefilat HaDerech
Tefilat HaDerech

Die Tefilat HaDerech (hebräisch תפילת הדרך) ist ein jüdisches Gebet für die Reise, wörtlich das „Gebet des Weges“. Juden sprechen es, wenn sie eine Reise unternehmen, bei der sie sich außerhalb der Stadtgrenzen begeben, als Wunsch für eine sichere Reise und Ankunft am Ziel.

Der Talmud schreibt die Schaffung dieses Ritus dem Propheten Elija zu, der einen Gelehrten darauf hingewiesen hat: „und wenn du dich auf den Weg begibst, berate dich mit deinem Schöpfer und geh hinaus.“[1]. Der Talmud schreibt auch eine Grundform des Gebets vor, sehr ähnlich jener, die heute noch Verwendung findet: „Möge es dein Wille sein, o Herr, mein Gott, daß du mich in Frieden führest, daß du mich in Frieden schreiten lassest, daß du mich in Frieden stützest, daß du mich aus der Hand jedes Feindes und jedes Wegelagerers errettest, daß du den Segen in meiner Hände Arbeit sendest, daß du mich Gunst, Gnade und Erbarmen in deinen Augen und in den Augen aller, die mich sehen, finden lassest. Gepriesen seist du, o Herr, der du das Gebet erhörest.“[1] Der Text des heutigen Gebets ist im Plural formuliert.

Die Tefilat HaDerech wird einmal zu Beginn eines jeden Reisetages rezitiert, wenn mindestens eine persische Meile (ca. 1500 m) pro Tag gereist wird. Wenn möglich, sollte dieses Gebet im Stehen rezitiert werden, obwohl es an Orten, wo das Aufstehen kompliziert ist (Berachot 30a; Schulchan Aruch, Orach Chaim 110,4-7) wie in einem Auto oder Flugzeug, auch im Sitzen gesprochen werden darf. Das Gebet wird in der ersten Person Plural gesprochen. Sowohl Aschkenasim als auch Sephardim sprechen dieses Gebet, wobei sich der Text geringfügig unterscheidet. Auch gibt es zusätzliche Passagen für Luft- und Seefahrt.

Alternative Versionen dieses Gebets – speziell für Fallschirmjäger, Piloten, Matrosen und Soldaten – wurden von Schlomo Goren, dem ehemaligen Oberrabbiner der israelischen Streitkräfte, verfasst.

Die Tefilat HaDerech im Wortlaut

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hebräischer Text

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

יְהִי רָצוֹן מִלְפָנֶיךָ ה׳ אֱ-לֹהֵינוּ וֵא-לֹהֵי אֲבוֹתֵינוּ, שֶתּוֹלִיכֵנוּ לְשָלוֹם וְתַצְעִידֵנוּ לְשָלוֹם. וְתִסְמְכֵנוּ לְשָלוֹם. וְתַדְרִיכֵנוּ לְשָלוֹם. וְתַגִיעֵנוּ לִמְחוֹז חֶפְצֵנוּ לְחַיִּים וּלְשִמְחָה וּלְשָלוֹם וְתַצִּילֵנוּ מִכַּף כָּל אוֹיֵב וְאוֹרֵב וְלִסְטִים וְחַיּוֹת רָעוֹת בַדֶּרֶךְ וּמִכָּל מִינֵי פּוּרְעָנִיּוֹת הַמִתְרַגְּשוֹת לָבוֹא לָעוֹלָם וְתִשְלַח בְּרָכָה בְּכל מַעֲשֵה יָדֵינוּ, וְתִתְּנֵנוּ לְחֵן וּלְחֶסֶד וּלְרַחֲמִים בְעֵינֶיךָ וּבְעֵינֵי כָל רוֹאֵינוּ וְתִשְמַע קוֹל תַּחֲנוּנֵינוּ. כִּי אֵ-ל שוֹמֵעַ תְּפִלָּה וְתַחֲנוּן אתה: בָּרוּךְ אַתָּה ה׳, שוֹמֵעַ תְּפִלָּה

Jehi razzon milfanecha Adonai Eloheinu we’Elohei awoteinu, schetolicheinu leschalom, wetatza’ideinu leschalom, wetismecheinu leschalom, wetadrichenu leschalom, wetagi’enu limchos cheftzeinu lechajim ulesimcha uleschalom. Wetzileinu mikaf kol ojeff we’oreff, welistim wechajot ra’ot baderech, umikol minej pur’anijot hamitragschot lawo la’olam. Wetischlach bracha bechol ma'assej jadeinu, wetitnenu lechen ulechesed ulrachamim be’ejnecha uwe’ejnej kol ro'ejnu, wetischma kol tachanuneinu. Ki El schomea tefila wetachanun ata. Baruch ata Adonai, schomea tefila.

Möge es Dein Wille sein, Herr, unser G-tt und G-tt unserer Väter, dass Du uns in Frieden führst, unsere Schritte in Frieden lenkst, uns in Frieden stützt und in Frieden leitest. Lass uns unser Ziel erreichen – zum Leben, zur Freude und zum Frieden. Errette uns vor der Hand jedes Feindes und jedes Hinterhalts, vor Räubern und vor wilden Tieren auf dem Weg, und vor allen Arten von Unheil, die über die Welt hereinzubrechen drohen. Gib Segen in all unser Tun, und schenke uns Gnade, Güte und Barmherzigkeit in Deinen Augen und in den Augen aller, die uns sehen. Höre auf die Stimme unseres Flehens. Denn Du bist ein G-tt, der Gebet und Bitte erhört. Gepriesen bist Du, Herr, der Du das Gebet erhörst.

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. 1 2 Talmud Bawli, Berachot 29b, in der Übersetzung von Lazarus Goldschmidt