Netilat Jadajim

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Silberkanne zur rituellen Händewaschung

Netilat Jadajim (נטילת ידיים), die rituelle Waschung der Hände, ist neben der Tevila, dem Eintauchen des gesamten Körpers in einer Mikwe, eine von zwei verschiedenen Formen der rituellen Waschung im Judentum.

Die ersten Aufzeichnungen über diese Praktiken finden sich in der Tora und werden in Mischna und Talmud erläutert.[1] Heute wird die rituelle Waschung der Hände nur noch von Anhängern des orthodoxen Judentums sowie vereinzelt auch im konservativen Judentum praktiziert. Im liberalen Judentum findet sich dieser Brauch nicht mehr.

Grundlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sowohl traditionell religiöse als auch säkulare Gelehrte sind sich darüber einig, dass die rituelle Waschung im Judentum von den Rabbinern zu Zeiten des Talmuds eingeführt wurde, um die Reinheitsgebote zu erweitern und sicherzugehen, dass auch alle Gebote bis ins kleinste Detail befolgt würden. Jedoch ist man sich über die Ursprünge und den Sinn dieser Praktik uneinig.

Anlässe zum Händewaschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Negel Vasser (Jiddisch für "Nagel Wasser"), nach dem Aufstehen am frühen Morgen, oder auch, wenn man nur ein Nickerchen gemacht hat, wäscht man sich die Hände, indem man einen Krug nimmt und die Hände dreimal alternierend mit Wasser übergiest und eine Bracha (Segnung) spricht. In manchen Gemeinden ist es üblich, eine Bracha zu vermeiden, wenn man zuvor Geschlechtsverkehr hatte.
  • Netilat Jadajim (Hebräisch für "Die Hände (nach der rituellen Reinigung heben")): Bevor man eine Mahlzeit mit Brot isst, wäscht man sich die Hände und spricht eine Bracha. In anderen Situationen wäscht man sich die Hände ohne Bracha, z. B. nach dem Berühren der Genitalien oder eines Insekts.
  • Mayim acharonim (Hebräisch, grob übersetzt "Wasser danach") ist die rituelle Waschung der Finger nach einer Mahlzeit.
  • Während eines Seders wäscht man die Hände ein weiteres Mal, bevor man das "Karpas" genannte Gemüse isst.
  • Nachdem man auf der Toilette war.
  • Um Unreines zu entfernen, nachdem man sich die Haare oder Nägel geschnitten hat.
  • Um tumat meit (Hebräisch grob „Verunreinigung durch den Tod“) zu entfernen: Nachdem man an einer Trauerfeier teilgenommen hat, wenn man einen Friedhof betrat, oder sich bis zu vier Ellen einer Leiche genähert hat.
  • Einige Strenggläubige waschen sich nach einem Samenerguss, auch bei der Ejakulation, da der Mann danach als Baal Keri, unrein, gilt.

Waschen der Hände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rabbiner des Talmuds zogen den Schluss, dass es nötig ist, sich die Hände zu waschen aus Leviticus 15:11

Und jeder, den der an Ausfluss Leidende berührt, - er hat aber seine Hände nicht im Wasser abgespült -, der soll seine Kleider waschen und sich im Wasser baden, und er wird bis zum Abend unrein sein.

und von Psalm 26:6

Ich wasche meine Hände in Unschuld und halte mich, Herr, zu deinem Altar.

Die Halacha (Jüdisches Gesetz) schreibt vor, dass das Wasser, mit dem man sich die Hände wäscht, natürlich, rein und unbenutzt sein soll und das es keine anderen Substanzen enthalten darf. Außerdem muss es aus einem Krug gegossen werden, in Erinnerung an Elisha, der Wasser über die Hände Elijahs goss. Das Wasser sollte jeweils zweimal über beide Hände gegossen werden.

Vorgehensweise beim Händewaschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die übliche Praxis ist, dass man über jede Hand mindestens dreimal Wasser gießt. Das sollte alternierend passieren. Dazu benutzt man einen speziellen Krug (nach dem Ritual als "Negel Vasser" bezeichnet) und ein Lavoir.[2]

Bei Mahlzeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Babylonische Talmud beschreibt zwei verschiedene Arten des Waschens während einer Mahlzeit: Das Waschen, bevor eine Mahlzeit eingenommen wird, wird als Mayim Rishonim („Erstes Wasser“) bezeichnet, und das Waschen nach einer Mahlzeit heißt Mayim Acharonim („Letztes Wasser“). Der erste Ausdruck ist weitgehend ungenutzt und in Vergessenheit geraten, der zweite allerdings wird noch immer benutzt.

Die Gemara des Babylonischen Talmuds beinhaltet eine Beschreibung über die Wichtigkeit dieser Praktik, inklusive eines Arguments, dass das Waschen vor einer Mahlzeit so wichtig ist, dass man als unkeusch gilt, wenn man die Waschung nicht praktiziert, und eine Bestrafung (durch Gott) in Form einer großen, plötzlichen Zerstörung und Armut erfolgen kann. Die Diskussion über Mayim Acharonim, das Waschen nach einer Mahlzeit, enthält eine Andeutung, dass ihm als Maßnahme zur Gesundheitsvorsorge eine noch höhere Wichtigkeit zukommt als dem Waschen vor der Mahlzeit, weil das zum Konservieren von Lebensmitteln benutzte Salz Blindheit verursachen könnte, wenn man sich nach einer Mahlzeit mit ungewaschenen Händen die Augen reibt.

Das Waschen nach einer Mahlzeit ist im orthodoxen Judentum fest verankert. Besondere Bedeutung findet sich beim Schabbat und den jüdischen Feiertagen. Die konservativen Gemeinden sprachen sich gegen Mayim Acharonim aus; da die Rabbiner zu Zeiten des Talmuds von gesundheitlichen Maßnahmen ausgingen und da moderne Lebensmittel nicht mehr solch gefährliche Konservierungsstoffe enthalten, fällt das strikte Waschen der Hände nach einer Mahlzeit weg.

Der Seder beinhaltet eine dritte Waschung, bevor man das grüne Gemüse isst, denn das gilt als unabhängige Mahlzeit. Im orthodoxen Judentum wird jede Waschung, vor, nach und zwischen der Mahlzeit, während des Pessach Seder eingehalten. Außerhalb des orthodoxen Judentums jedoch hat sich nur die Waschung vor der Mahlzeit gehalten.

Vor dem Gebet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entsprechend dem Schulchan Aruch sollte eine Person beide Hände vor dem Gebet waschen. Diese Praktik geht zurück auf die Tradition, sich rituell zu reinigen, bevor man den heiligen Tempel in Jerusalem betrat. Da der Tempel jedoch zerstört wurde, dienen die Gebete als Ersatz.

Vor einer priesterlichen Segnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im orthodoxen Judentum (und manchmal auch im konservativen Judentum) bieten Kohanim (Mehrzahl von Kohen), Mitglieder des priesterlichen Ranges, eine priesterliche Segnung der Gemeinde zu besonderen Anlässen. Bevor sie ihr Amt ausführen, müssen sie sich die Hände rituell reinigen. Dieser Brauch geht auf die Heiligen Schrift, die Torah, zurück:

„Damit Aaron und seine Söhne sich die Hände und Füße waschen können, wenn sie ins Heilige Zelt gehen oder an den Altar treten, um ein Opfer darauf zu verbrennen. 21 Wenn sie das unterlassen, müssen sie sterben. Diese Anweisung gilt auch für ihre Nachkommen in aller Zukunft.“ Exodus 30:19

Es ist Brauch für Leviten, das Wasser über die Hände der Kohanim zu gießen und auch in anderen Bereichen zu assistieren. In vielen Gemeinden praktiziert man, da der Tempel in Jerusalem nicht mehr steht, das Waschen der Füße vor einer priesterlichen Segnung nicht mehr.

Nach dem Schlafen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Talmud sagt, das Gott den Juden befahl, sich die Hände zu waschen.

Nach dem Schulchan Aruch ist eine Person, die länger als zwanzig Minuten schläft, dazu verpflichtet, sich nach dem Aufwachen zu waschen und die Netilat-Jadajim-Segnung zu sprechen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Daniel Travis, Netilat Jadajim – die rituelle Waschung der Hände, Hanegev. abgerufen am 21. Mai 2016.
  2. Händewaschen vor der Mahlzeit, Chabad.org, Abgerufen am 21. Mai 2016.