Temperierter Gletscher

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Als temperierte Gletscher oder warme Gletscher werden Gletscher bezeichnet, deren Eistemperatur sich überall am Druckschmelzpunkt befindet, mit Ausnahme der durchschnittlich etwa 15 Meter starken oberflächennahen Schichten, die saisonalen Schwankungen unterworfen sind. Das Gegenstück sind kalte Gletscher, bei denen die Eistemperaturen unter dem Druckschmelzpunkt liegen. Flüssiges Wasser kann am Druckschmelzpunkt befindliches Eis – im Gegensatz zu kälterem Eis – leicht durchdringen und den Gletschergrund erreichen.[1] Dort fungiert es sozusagen als „Schmiermittel“, setzt dabei die Reibung an der Kontaktfläche herab und ermöglicht dadurch basales Gleiten. Kalte Gletscher fließen deshalb im Durchschnitt nur etwa halb so schnell, da sie sich nur durch die plastische Verformung des Eises bewegen können. Temperierte Gletscher gibt es von den Tropen bis in die subpolare Zone, abhängig vom Höhenbereich.[1] Gletscher, die sowohl Bereiche mit temperiertem als auch kaltem Eis aufweisen, werden als polythermal bezeichnet. Fast alle Alpengletscher sind temperierte Gletscher.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff „temperierter Gletscher“ diente ursprünglich einer geografischen Klassifikation und grenzte die Gletscher der temperierten Klimazone von denen anderer Klimazonen ab, beispielsweise den polaren Gletschern.[1] In den 1930er-Jahren brachten Max Otto Lagally und Hans Wilhelmsson Ahlmann unabhängig voneinander die Idee eines neuen Klassifizierungssystem auf, das die Eistemperatur und den Druckschmelzpunkt als maßgebliches Kriterium verwendet.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Andrew Fountain: Temperate Glaciers. In: Vijay P. Singh, Pratap Singh, Umesh K. Haritashya (Hrsg.): Encyclopedia of Snow, Ice and Glaciers. Springer, Dordrecht 2011, ISBN 978-90-481-2641-5, S. 1145
  2. Konrad Hungerbühler: Accelerated release of persistent organic pollutants from Alpine glaciers. (Projektantrag, Zusammenfassung)
  3. Peter G. Knight: Glaciers. Stanley Thornes, Cheltenham 1999, ISBN 978-0-7487-4000-0, Seite 2f