Subpolare Klimazone

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Mit subpolar wird häufig „Gebiet am Rand des ewigen Eises“ assoziiert (Ostgrönland)

Die subpolare (Klima)-Zone (von lateinisch sub = „unter, unterhalb“ der Polargebiete) – für die Nordhalbkugel wird häufig synonym subarktische Zone oder Subarktis verwendet, für die Südhalbkugel subantarktische Zone oder Subantarktis – ist eine heute uneinheitlich definierte erdumspannende Klimazone, die zwischen den beiden Polargebieten und gemäßigten Zonen – entweder als Subzone der Polargebiete oder als separate Zone – lokalisiert wird. Die genaue Abgrenzung wird sehr unterschiedlich vorgenommen, sodass die Verwendung dieser Bezeichnungen irreführend sein kann.

In Verbindung mit Aussagen zum hochpolaren Klima wird subpolar im Allgemeinen verwendet, um die milderen Randbereiche des Polarklimas zu benennen, die nicht ständig eisbedeckt sind.

Der Begriff subpolar entstammt den genetischen Klimaklassifikationen, die sich vorwiegend auf Phänomene der atmosphärischen Luftzirkulation beziehen. Wie bereits Hermann Flohn bemerkte, ist es problematisch, diese sehr veränderliche Zone auf die Klimaverhältnisse am Boden zu übertragen:[1] So erstreckt sie sich etwa über große Teile (effektiv definierter) polarer und/oder borealer Klimate bis hin zu den gemäßigten Regenwäldern der kühlgemäßigten Zone, sodass keine sinnvolle Übereinstimmung mit den gängigen Einteilungen effektiver Klimaklassifikationen möglich ist.

Genetische Abgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprüngliche Abgrenzung der subpolaren Zone in den bekannten genetischen Ansätzen beruht auf sehr wenigen Merkmalen:

Nach Alissow (1936/1950) ist die subarktische Zone begrenzt durch die Lage der Polarfront (dem dynamischen Verwirbelungsbereich polarer Kaltluft und subtropischer Warmluft).[1] Dies führt zu häufigen Niederschlägen, jedoch immer mit geringer Intensität.[2] Flohn (1950) bezog sich ebenfalls auf die Polarfront und verortete die subpolare Zone „längs der polnahen Zugstraßen der Zyklonen“, die durch „ein Maximum der Wind- und Wetterveränderlichkeit“ charakterisiert werden.[1] Neef (1954) – dessen Klimakarte auf Flohns Arbeit aufbaut – bezieht sich nur noch auf die Windverhältnisse, die im Sommer durch außertropische Westwinde und im Winter durch polare Ostwinde gekennzeichnet sind.

Neefs Festlegung zeigt deutlich die jahreszeitliche Veränderung der Zone, die im Sommer Teil der kaltgemäßigten Zone und im Winter der Polarzone ist. Dies ist die Ursache für die große Uneinheitlichkeit bei der Übertragung auf andere Klassifikationsmodelle. Unter Berücksichtigung der großen Schwankungen wird die subarktische Zone zwischen 60 und 80° Nord lokalisiert und die subantarktische Zone zwischen 55 und 70° südlicher Breite.[2]

Problematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Subpolarzone ist eine eigenständige Zonenkategorie, die kaum in die Reihe der nur sehr langsam veränderlichen klassischen Klimazonen (Polarzone, Mittelbreiten, Subtropen, Tropen) integriert werden kann, da die vergleichbaren Merkmale wie Tageslängen, Temperaturen, Niederschläge oder Jahreszeiten nicht einheitlich festgelegt werden können.[3] Sie repräsentiert die permanente Veränderlichkeit der Subpolaren Tiefdruckrinne.

Flohn – der den Begriff als einer der ersten Wissenschaftler verwendete – stellte 1957 die Eigenständigkeit dieser Zone in Frage.[1]

Unterschiedliche Zuordnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Subpolare Klimazone(n): Unterschiedliche Festlegungen (Beispiele)
Schwarz = nach Siegmund und Frankenberg / Weiß = nach Neef (Grundlage Flohn)

Vegetation u./o. Makroklimate:
  • Tundra
  • Waldtundra
  • Borealer Nadelwald
  • Subpolares Ozeanklima
  • Trotz der geschilderten Problematik wird der Begriff subpolare Zone heute in sehr unterschiedlicher (zum Teil gegensätzlicher) Weise verwendet. Im folgenden einige Beispiele (Vom Pol äquatorwärts sortiert. Sofern vorhanden und kein Verweis auf ein anderes Lemma, werden die wesentlichen klimatischen Merkmale genannt):

    Subpolare Vegetation nach verschiedenen Autoren:
    Siberian Tundra.jpg
    Tundra (Sibirien)
    Northernmost extent of forest in Firth River's canyon reach, Ivvavik National Park, YT.jpg
    Waldtundra (Yukon)
    View from Kvikkjokk Fjällstation.jpg
    Boreale Taiga (Schweden)
    Ulva Island rainforest.jpg
    Gemäßigter Regenwald (Neuseeland)
    • Tundrenzone
      • In vielen Publikationen (u. a. bei Troll & Paffen 1964)[4] sowie beim darauf aufbauenden Zonenkonzept der Ökozonen nach Schultz (1988) werden die Polargebiete als „Polare/Subpolare Zone“ zusammengefasst. Die subpolaren Gebiete entsprechen hier den polaren Tundren. Bei Troll & Paffen wird konkret nur die Zone der Subarktischen Tundrenklimate untergliedert.
      • Auch Müller-Hohenstein (1989) definiert eine Subpolare Tundrenzone als eine seiner geoökologische Zonen. Nach seiner Definition liegt die Jahresmitteltemperatur zwischen −10 und −15 °C und die mittlere Temperatur des wärmsten Monats erreicht mehr als 6 °C, die jährliche Niederschlagssumme bleibt unter 300 mm. Das Klima ist vollhumid mit einer Vegetationsperiode von 30–90 Tagen (Summe der humiden Tage mit mindestens 10 °C)[5]
      • Im Diercke Wörterbuch Geographie bilden ebenfalls die Tundren im weiteren Sinne die subarktische Zone. Sie werden durch kurze, milde Sommer mit einer Vegetationsperiode von 70–100 Tagen sowie Permafrost gekennzeichnet.…
    • Waldtundrenzone
      • … im engen Sinne werden jedoch nur die Waldtundren einbezogen (die es im Gegensatz zur Tundra auch nur auf der Nordhalbkugel gibt).[6]
      • Der Bezug auf die Zone der Waldtundra ist in der Literatur häufiger anzutreffen und korreliert mit der subalpinen Höhenstufe der Gebirgsklimate, die ebenfalls (meistens) die Klimaregion zwischen Wald- und Baumgrenze umfasst
    • Tundra und Taiga
      • Im Herder Lexikon Geographie werden die subarktische und die subpolare Zone als Übergangsklima zwischen polarem und gemäßigtem Klima bezeichnet, die durch Tundren und (boreale) Nadelwälder mit sehr kalten Wintern gekennzeichnet sind. Die Zone wird für die Südhalbkugel zwischen 55 und 60° und für die Nordhalbkugel „zum Teil wesentlich brieiter“ angesetzt.[7]
      • In der Brockhaus Enzyklopädie steht: „die Klimazonen, die den Übergang von den gemäßigten zu den Polarzonen bilden, etwa zwischen 60° und 70° nördlicher und südlicher Breite.“ Klimatische Bedingungen sind vorherrschende polare Ostwinde, ganzjährig schwache Niederschläge und kurze, kühle Sommer. Zudem wird das „Auftreten von Tundra“ genannt, obwohl zwischen den genannten Breitenkreisangaben zweifellos sowohl Tundra als auch Taiga vorkommen[8]
    • Individuelle Zuordnung nach Isothermen
      • Siegmund & Frankenberg benutzen für die kalte Zone ihrer Klimaklassifikation (die zwischen Eiszone und kühler Zone liegt und durch Jahresdurchschnittstemperaturen von –10 °C bis 0 °C abgegrenzt wird) auch die Bezeichnung Subpolare Zone[9]
    • Boreale Nadelwaldzone
    • Teilbereiche der gemäßigten Zone
      • Das Köppen-Klima Cfc wird in manchen Publikationen subpolares Ozeanklima (Subpolar oceanic climate) genannt,[11] jedoch ebenso marine west coast climate oder oceanic climate, etwa in der Encyclopedia Britannica: „polwärts des Mittelmeerklimas an den regenreichen Westküsten der Kontinente (übersetzt)“.[12] Damit reicht subpolar komplett von der kalten bis in die kühlgemäßigte Klimazone

    Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. a b c d Hermann Flohn: Zur Frage der Einteilung der Klimazonen. Sonderdruck aus Erdkunde, Archiv für wissenschaftliche Geographie, Band XI, Lfg. 3, Bonn 1957, PDF; 13,2 MB, S. 165–166 (Zitat), 165, 167–168.
    2. a b Walter Roedel: Physik unserer Umwelt: Die Atmosphäre. Zweite überarbeitete und aktualisierte Auflage, Springer, Berlin/Heidelberg 1994, ISBN 978-3-540-57885-7, S. 191.
    3. Vergleiche Tabelle M1 Schematische Abfolge und Eigenschaften der Klimazonen der Erde in Diercke Erdkunde 7/8, PDF; 453 KB, abgerufen am 15. November 2022.
    4. Carl Troll u. Karlheinz Paffen: Karte der Jahreszeiten-Klimate der Erde, in Erdkunde, Band 18, Heft 1, Dümmler, Bonn 1964, PDF; 20,5 MB, abgerufen am 25. Juni 2022, S. 19–20.
    5. ‘‘Die geoökologischen Zonen der Erde‘‘ nach Müller-Hohenstein (1989) in Heinz Nolzen (Hrsg.): Handbuch des Geographieunterrichts. Bd. 12/I, Geozonen, Aulis Verlag Deubner & Co. KG, Kšln 1995, ISBN 3-7614-1618-0, S. 9, Tabelle Abb. 1.2.1/2.
    6. Hartmut Leser (Hrsg.) et al.: Diercke Wörterbuch Geographie. 16., völlig überarbeitete Auflage, Westermann, Braunschweig 2017, ISBN 978-3-14-100840-1. Stichwort: subarktische Zone, S. 913.
    7. Johannes Klein (Bearbeiter): Herder Lexikon Geographie. 10., neubearbeitete Auflage, Herder, Freiburg i. Br. 1990, ISBN 3-451-21753-8. Stichworte: subarktische Zone u. subpolare Zone, S. 209.
    8. Brockhaus Enzyklopädie, Stichwort: Subpolarzonen. Online, abgerufen am 13. November 2022.
    9. Sascha Leufke (Autor), Michael Hemmer, Gabriele Schrüfer, Jan Christoph Schubert (Hrsg.): Klimazonen im Geographieunterricht - Fachliche Vorstellungen und Schülervorstellungen im Vergleich, in Münsteraner Arbeiten zur Geographiedidaktik, Band 02, 2011, PDF; 5,9 MB, abgerufen am 31. Juli 2022. S. 27.
    10. Matthias Schaefer: Wörterbuch der Ökologie. Spektrum, Berlin 2003, ISBN 3-8274-0167-4. Stichworte: subarktisch, S. 282.
    11. Subpolar oceanic climate. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 8. November 2022 (englisch).
    12. John P. Rafferty: Suchbegriff marine west coast climate. online, abgerufen am 8. November 2022.