Testbatterie

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Als Testbatterie bezeichnet man in der Differentiellen Psychologie bzw. Psychologischen Diagnostik eine Kombination unterschiedlicher Einzeltests. Sie verfolgt das Ziel, die Validität des mit einem einzelnen Test nur unzureichend messbaren, oft komplexen Merkmals oder Sachverhalts, zu erhöhen.[1]

Arten und Formen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Testliteratur weist sehr unterschiedliche Arten und Formen von Testbatterien aus: Sie unterscheiden sich insbesondere in ihrer inhaltlichen und/oder strukturellen Ausrichtung. Testbatterien können beispielsweise Phänomene auf sensomotorischen, auf intellektuellen, auf sozialen und weiteren Gebieten empirisch zu erschließen versuchen. Sie können sich als Sprachtests auf Ebenen wie das Textverstehen, den Wortschatz, die Wortbildung, die Satzgrammatik beziehen, verschiedene Intelligenzbereiche ausleuchten, sich als Persönlichkeitstests oder als Berufseignungstests präsentieren oder sich des breiten Spektrums der körperlichen Leistungsfähigkeiten[2] oder technischen Fertigkeiten[3] annehmen. Sie können sich aber auch strukturell als sogenannte homogene oder heterogene Batterien unterscheiden.

Testkombinationen, bei denen Testbatterien aus unterschiedlichen Bereichen zusammengestellt werden, etwa Testverfahren, die neben Intelligenz- auch motorische oder soziale Leistungen abfragen, bezeichnet man in Unterscheidung von den „Batterien“ sachlich zutreffender als „Testsysteme“. So lassen sich beispielsweise für die Entscheidung über eine Stellenbesetzung in einer komplexen Prüfungseinheit auch Intelligenztests, Persönlichkeitstests, Motivationstests und Konzentrationstests, die sinnvoller- und notwendigerweise ja bereits jede für sich Batterien mit einer Reihe von Subtests darstellen, verfahrenstechnisch zu einer Testeinheit zusammenfügen, die in einer Prüfungsphase zu bearbeiten sind.

Homogene und heterogene Batterien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Unterscheidung von homogenen und heterogenen Testbatterien, wie sie etwa der Testpsychologe Gustav A. Lienert[4] vornimmt, ist vor allem struktureller Natur. Der Experimentalpsychologe und Testautor Siegbert A. Warwitz definiert die Hauptunterschiede wie folgt:

Homogene Batterien sind dadurch charakterisiert, dass ihre Einzelaufgaben mehr oder weniger die gleichen Züge eines Merkmals messen. Sie korrelieren entsprechend relativ hoch sowohl untereinander als auch mit dem Validitätskriterium. Homogene Batterien besitzen im allgemeinen eine größere innere Konsistenz.[5]

In heterogenen Batterien werden Einzelaufgaben zusammengeschlossen, die jeweils andere Züge eines Merkmals messen, sich also bei der Erfassung der Variablen gegenseitig ergänzen. Sie korrelieren untereinander relativ niedrig, mit dem Kriterium aber jeweils relativ hoch. Heterogene Batterien werden vornehmlich zur Validitätsverbesserung konstruiert und besonders zur Erfassung komplexer Merkmale eingesetzt.[6] Heterogene Testbatterien bestehen entsprechend in der Regel aus mehr Einzelaufgaben (Items) als homogene Testbatterien, die ein engeres Kriterium lediglich besser absichern.[7]

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Intelligenzmessung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich der Intelligenzmessung hat sich neben zahlreichen weiteren der Intelligenz-Struktur-Test (IST) von R. Amthauer[8] zu einem verbreiteten Standardverfahren entwickelt. Die Testbatterie besteht aus einzelnen Aufgabengruppen, die jeweils einen Bereich der Intelligenz, wie räumliches Vorstellungsvermögen, sprachliches und schlussfolgerndes Denken, Abstraktionsfähigkeit oder Kombinationsfähigkeit, widerspiegeln. In ihrer Summe ergeben die verschiedenen Aufgaben ein Intelligenzprofil. Die Einsatzgebiete sind vor allem der klinische Bereich, um entsprechende Defizite bei Patienten herauszufinden und die Berufseignungs-Diagnostik.

Sensomotorik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich der Sensomotorik hat der Wiener Koordinationsparcours (WKP) von S. Warwitz,[9] vor allem im Bereich der Eignungsprüfungen für das akademische Sportstudium sowie für die Aufnahme in Sporteliteschulen und für Anwärter im Polizei- und Militärdienst, eine größere Bedeutung erlangt. Es handelt sich um eine empirisch-diagnostische Bestandsaufnahme des komplexen Leistungsspektrums der Koordinativen Fähigkeiten als Basisvoraussetzung für das Lern- und Leistungsvermögen in allen Bereichen der Bewegungskunst und des Sports. Geprüft wird in einer Testbatterie von acht Items etwa das Zusammenspiel von kognitiven, sensorischen und motorischen Komponenten wie Raumerfassungsvermögen, Raumorientierung, Bewegungssteuerung, Bewegungsfluss, Bewegungspräzision, Beweglichkeit, Bewegungsökonomie, Bewegungskopplung und Antizipationsvermögen.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Amthauer: Intelligenz-Struktur-Test 2000 R: I-S-T 2000 R Manual. 2. Auflage, Hogrefe, Verlag für Psychologie, Göttingen 2001, DNB 965201929.
  • Mohammes K. Bakir Bashokhaj: Die Erstellung einer Testbatterie als Messinstrument zur Erfassung der konditionellen Fähigkeiten jordanischer Fussballspieler der Ersten Liga, Dissertation Uni Gießen, Tectum Verlag, Marburg 2001, ISBN 3-8288-8285-4.
  • Klaus Bös: Der „Wiener Koordinationsparcours“ von Warwitz. In: Ders.: Handbuch sportmotorischer Tests. Göttingen 2001, S. 361–364, 3. Auflage 2017
  • Heinrich Furrer: Statistische Überprüfung der Reliabilität und Objektivität einer sportpsychologischen Testbatterie (WKP). Wiss. Staatsexamensarbeit. Karlsruhe 1975.
  • P. Herzberg: Testbatterie zur Erfassung der motorischen Lernfähigkeit, In: Theorie und Praxis der Körperkultur (TPKK) 17 (1968) S. 1066 ff.
  • Gustav A. Lienert, Ulrich Raatz: Testaufbau und Testanalyse. 6. Auflage. Beltz, Weinheim 2011, ISBN 978-3-621-27424-1.
  • Siegbert Warwitz: Das sportwissenschaftliche Experiment. Planung-Durchführung-Auswertung-Deutung. Verlag Hofmann, Schorndorf 1976, ISBN 3-7780-9021-6.
  • A. Wurdel: Sportmotorische Testbatterien und motorische Lernfähigkeit, Ahrensburg 1972.
  • Zentrum für psychologische Information und Dokumentation (Hrsg.): Verzeichnis Testverfahren: Wiener Koordinationsparcours. 21. Auflage, Trier 2014, Seiten 129–131 (9001322)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. W. Stangl: Stichwort: 'Testbatterie'. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik. 2018
  2. Heinrich Furrer: Statistische Überprüfung der Reliabilität und Objektivität einer sportpsychologischen Testbatterie (WKP). Wiss. Staatsexamensarbeit. Karlsruhe 1975
  3. Mohammes K. Bakir Bashokhaj: Die Erstellung einer Testbatterie als Messinstrument zur Erfassung der konditionellen Fähigkeiten jordanischer Fussballspieler der Ersten Liga, Dissertation Uni Gießen, Tectum Verlag, Marburg 2001
  4. Gustav A. Lienert: Testaufbau und Testanalyse. 3. Auflage, Beltz, Weinheim 1969, S. 376
  5. Siegbert Warwitz: Bedeutung und Bau von Batterien, In: Ders.: Das sportwissenschaftliche Experiment. Planung-Durchführung-Auswertung-Deutung. Verlag Hofmann, Schorndorf 1976, S. 49.
  6. ebenda S. 49–50.
  7. A. Wurdel: Sportmotorische Testbatterien und motorische Lernfähigkeit, Ahrensburg 1972, S. 13
  8. Rudolf Amthauer: The Intelligence Structure Test. IST. Verlag für Psychologie, Oxford 1953
  9. Zentrum für psychologische Information und Dokumentation (Hrsg.): Verzeichnis Testverfahren: Wiener Koordinationsparcours. 21. Auflage, Trier 2014, S. 129–131
  10. Siegbert Warwitz: Der Wiener Koordinationsparcours, In: Ders.: Das sportwissenschaftliche Experiment. Planung-Durchführung-Auswertung-Deutung. Verlag Hofmann, Schorndorf 1976, S. 48–62