Thebanisches Alphabet

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Thebanische Alphabet aus Johannes TrithemiusPolygraphiæ, Abdruck von 1561

Das Thebanische Alphabet (auch Engelsschrift, Engelsalphabet, Alphabet des Honorius oder Hexenalphabet) ist ein Schriftsystem unbekannter Herkunft. Es besteht aus 24 Zeichen, und dient vor allem der Verschleierung geheimer Texte.[1]

Herkunft[Bearbeiten]

Johannes Trithemius

Erstmals veröffentlicht wurde das Thebanische Alphabet 1508 in den Polygraphiæ libri sex des Benediktinerabtes Johannes Trithemius (1462–1516), der das Alphabet Honorius von Theben zuschreibt und sich dabei auf ein nicht näher bestimmtes „viertes großes Buch“ des italienischen Astrologen Pietro d’Abano (1250–1316) beruft.[Tri 1]

Agrippa von Nettesheim

Trithemius’ Schüler Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim (1486–1535) erwähnt das Honorius-Alphabet im dritten Band seiner zwei Jahre später erschienenen De occulta philosophia libri tres[Agr 1], wobei er die Angaben Trithemius’ übernimmt.

In Francis Barretts 1801 erschienener Abhandlung Der Magus wird das Thebanische Alphabet neben anderen Sigillenalphabeten ebenfalls mit Verweis auf Honorius von Theben aufgeführt und in Barretts magisches System integriert.

Aufbau und Verwendungszweck[Bearbeiten]

Das Alphabet wurde nicht für eine einzelne Sprache entwickelt, sondern galt von jeher der Verschleierung geheimer Texte in der eigenen Sprache, beziehungsweise Latein. Trithemius nennt den Verwendungszweck in seinen Polygraphiæ „das Verstecken der Torheiten der Magie“,[Tri 2] während Agrippa davon spricht, es solle „die Geheimnisse der Götter und die Namen der Geister vor den Augen der weltlichen Menschen verborgen halten“.[Agr 2]

Die 24 Zeichen des Systems können den Buchstaben des Lateinischen Alphabets zugeordnet werden, für die Buchstaben j, u und w gibt es jedoch keine Entsprechungen. Zusätzlich existiert ein weiteres Symbol, welches gemeinhin als Zeichen für das Satzende interpretiert wird. Wörter werden durch Leerzeichen oder einen Interpunkt voneinander getrennt, weitere Satzzeichen oder Ziffern sind nicht beschrieben. Es wird nicht zwischen Groß- und Kleinschreibung unterschieden.[1] Beim Thebanischen Alphabet handelt es sich um eine monoalphabetische Substitution, die keinen wirksamen Schutz gegen eine unbefugte Entschlüsselung darstellt.

In der Neuzeit wird das Thebanische Alphabet von Neuheiden benutzt. Vor allem innerhalb der Wicca-Bewegung ist das System häufig anzutreffen, nachdem es deren Begründer Gerald Brousseau Gardner (1884–1964) aus den Schriften Agrippas entnahm.[1]

Die Zeichen[Bearbeiten]

Das Thebanische Alphabet in Francis Barretts The Magus (1801).
Theban glyph A.svg Theban glyph B.svg Theban glyph C.svg Theban glyph D.svg Theban glyph E.svg Theban glyph F.svg
A B C D E F
Theban glyph G.svg Theban glyph H.svg Theban glyph I.svg Theban glyph K.svg Theban glyph L.svg Theban glyph M.svg
G H I K L M
Theban glyph N.svg Theban glyph O.svg Theban glyph P.svg Theban glyph Q.svg Theban glyph R.svg Theban glyph S.svg
N O P Q R S
Theban glyph T.svg Theban glyph U.svg Theban glyph X.svg Theban glyph Y.svg Theban glyph Z.svg Theban glyph end-of-sentence.svg
T V X Y Z Satz­ende

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Thebanisches Alphabet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b c Eric S. Raymond: Proposal to add the Theban Alphabet to ISO/IEC 10646. 26. Februar 2002, abgerufen am 15. Mai 2015.

Agrippa von Nettesheim[Bearbeiten]

  1. Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim: De occulta philosophia libri tres. Köln 1533. Dort Kapitel 29 De characteribus & sigillis spirituum. Scan des Exemplars aus der Library of Congress. Textwiedergabe nach Henrici Cornelii Agrippæ ab Nettesheym: Armatæ Militæ Eqvitis Avrati, et ivris vtriivsqve ac medicinæ doctoris, opera omnia in dvos tomos concinne digesta. Straßburg 1600. Seite 307f., Digitalisat Seite 307 mit Textstelle, Digitalisat Seite 308 mit Abdruck des Alphabets, Englische Translation: Of Occult Philosophy, Book III
  2. „sacra deorum & spirituu nomina a prophanorum versu lectioneque custodientes“, Agrippa: a.a.O.

Johannes Trithemius[Bearbeiten]

  1. Johannes Trithemius: Polygraphiæ libri sex. 1508. Textwiedergabe hier nach Basel 1518. Seite 497f. Es heißt dort u.a. „Petrus de Abano testatur in suo maiore libro qarto“ Digitalisat S. 497 mit Abdruck der Textstelle, Digitalisat S. 498 mit Abdruck des Alphabets
  2. „magicis fatuitates ascondit“, Trithemius: a.a.O.