There are known knowns

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2x2 Matrix: bekanntes/unbekanntes Wissen/Unwissen; rot umrandet: „unbekanntes Unbekanntes“ = „unknown unknowns“
2x2 Matrix: das Wissen wird in knowns und unknowns unterteilt (obere Zeile - blau); zusätzlich wird dieses Wissen auf einer Metaebenen nochmals in unbekannt und bekannt unterteilt (linke Spalte)

There are known knowns ... But there are also unknown unknowns (engl. für „Es gibt bekannte Bekannte ... Aber es gibt auch unbekannte Unbekannte“) ist der bekannteste Ausspruch des US-Verteidigungsministers a. D. Donald Rumsfeld, den er während einer Pressekonferenz im Februar 2002 tätigte.[1]

Das Zitat wurde weit über die damalige Fragestellung im Vorfeld des Dritten Golfkriegs bekannt und in der Folge in der Öffentlichkeit wie Fachliteratur zu Risikoabschätzungen verwendet.[2] Rumsfeld selbst spielte mit dem Titel seiner 2011 erschienenen Biografie Known and Unknown: A Memoir auf seinen Ausspruch an.

Verwendung[Bearbeiten]

Donald Rumsfeld sagte am 12. Februar 2002 auf einer Pressekonferenz:

„[T]here are known knowns; there are things we know we know. We also know there are known unknowns; that is to say we know there are some things we do not know. But there are also unknown unknowns – there are things we do not know we don't know.“
„Es gibt bekannte Bekannte, es gibt Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie wissen. Wir wissen auch, dass es bekannte Unbekannte gibt, das heißt, wir wissen, es gibt einige Dinge, die wir nicht wissen. Aber es gibt auch unbekannte Unbekannte - es gibt Dinge, von denen wir nicht wissen, dass wir sie nicht wissen.“

Damit vermied er es, (vgl. Begründung für den Irakkrieg) auf der damaligen Pressekonferenz das Fehlen von Beweisen anzusprechen, die die Regierung des Irak mit der Lieferung von Massenvernichtungswaffen an Terrorgruppen in Verbindung brachten.

Hintergrund[Bearbeiten]

Das Statement geht vermutlich auf eine Präsentation Nassim Nicholas Talebs zurück, der seine im 2007 in Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse ausgearbeitete Thesen bereits in einem Vorgängerbuch (deutsch Narren des Zufalls) skizziert hatte und beim amerikanischen Verteidigungsministerium zu einer Präsentation eingeladen worden war.[3][4][5] Ebenso nahm Kirk Borne, ein ehemaliger Datenspezialist der NASA eine Urheberschaft bei einer TED Präsentation in Anspruch.[6] Die Kernbotschaft in „Der Schwarze Schwan“ ist, dass unbekannte Unbekannte bedeutende Umwälzungen hervorrufen, aber eben nicht vorhergesehen oder einfach abgewendet werden können.

Reaktionen[Bearbeiten]

Rumsfeld wurde vorgeworfen, sich unverständlich oder falsch ausgedrückt zu haben, unter anderem von der britischen Interessengruppe Plain English Campaign, die sich als Sprachwächter für die Reinheit der englischen Sprache einsetzt.[7] Die Sprachgesellschaft vergab für dieses Zitat den „Foot in Mouth“-Preis für 2003 an Rumsfeld – mit dem Kommentar: „Wir glauben, wir wissen, was er meint. Aber wir wissen nicht, ob er es wirklich weiß“.[8]

Der Linguist Geoffrey Pullum bezeichnete das Zitat hingegen als „syntaktisch, semantisch, logisch und rhetorisch tadellos“.[9] ebenso sprachen sich etwa der konservative kanadische Kolumnist Mark Steyn und der australische Ökonom und Blogger John Quiggin für die Wendung aus.[10]

Der psychoanalytische Philosoph Slavoj Žižek extrapolierte aus diesen drei Kategorien eine vierte, das „unbekannte Bekannte“, welches wir uns willentlich weigern anzuerkennen, dass wir es kennen: „Wenn Rumsfeld glaubte, dass die wichtigsten Gefahren in der Konfrontation mit dem Irak die ‚unbekannten Unbekannten‘ waren, das heißt, die Bedrohungen durch Saddam, deren Natur wir nicht einmal ahnten, dann zeigt uns der Abu-Ghraib-Skandal, dass die größten Gefahren von den ‚unbekannt Bekannten‘ ausgehen - die verleugneten Überzeugungen, Vermutungen und obszönen Praktiken, von denen wir vorgeben sie nicht zu kennen, sogar wenn sie die Grundlage unserer öffentlichen Werte sind.“[11] Žižek baute auch die Ideen des „bekannten Unbekannten“ und des „unbekannten Bekannten“ in seinen Dokumentarfilm über „Die Realität des Virtuellen“ ein.

Den Soziologen Christopher Daase and Oliver Kessler sahen das kognitive Rahmenwerk von politischem Handeln (vgl. Framing (Kommunikationswissenschaft)) durch Rumsfeld richtig formuliert, es fehle nur eben das wichtige vierte Feld was wir nicht wissen wollen, das unbewusst bleibende beziehungsweise ausgeblendete Wissen.[12]

Eine Formulierung aller vier Aspekte findet sich bereits in der klassischen persischen Literatur. Der persisch-tadschikische Poet Ibn Yamin (* 1286 in Faryumad, bei Sebzevar, † 1368) (ابن یمین فریومدی) schrieb im 13. Jahrhundert, dass es vier Typen von Männern gibt:

  • Diejenigen, die wissen und wissen, dass sie wissen ... Sein Pferd der Weisheit wird den Himmel erreichen.
  • Diejenigen, die wissen, aber nicht wissen, dass sie wissen ... Er schläft schnell ein, so dass man ihn aufwecken muss.
  • Diejenigen, die nicht wissen, aber wissen, dass sie nichts wissen ... Sein lahmendes Maultier wird ihn schließlich nach Hause bringen.
  • Diejenigen, die nicht wissen, und nicht wissen, dass sie nichts wissen ... Er wird auf ewig in seiner Vergessenheit verloren sein.

Populärkultur[Bearbeiten]

Seit der Rede von Rumsfeld tauchte das vollständige Zitat aber auch die beiden wichtigsten Begriffe daraus - „known knowns“ und „unknown unknowns“ - in der Populärkultur auf:

  • Der Titel des Romans von Jeffrey Rotte The Unknown Knowns. ist eine Anspielung auf das Zitat und das volle Zitat wird in der Buchinschrift zitiert.
  • Das Zitat wird in der CD The Poetry of Donald Rumsfeld and Other Fresh American Art Songs verwendet (Die Poesie von Rumsfeld und andere neue amerikanische Kunstlieder) [13]
  • Hart Seely hat eine Zusammenstellung von Rumsfelds Zitaten unter dem Titel „Pieces of Intelligence: The Existential Poetry of Donald H. Rumsfeld.“ (2003) herausgegeben.
  • In der amerikanischen TV-Zeichentrickserie The Boondocks wird Donald Rumsfeld durch die Figur Gin Rummy verkörpert und verwendet des Öfteren das Zitat „unknown unknowns“.
  • Die Punkrock-Band No Use for a Name verwendete das vollständige Zitat in ihrem Song „Fields of Agony“ für das Album „Rock Against Bush, Vol. 2“
  • In der satirischen, politischen Zeichentrickserie „Lil' Bush“ verwendet die Figur Lil' Rummy in der Folge „Lil' George and Lil' Tony Blair“ das Zitat „unknown unknowns“.
  • Joan Jett verwendet in ihrem Song „Riddles“ das volle „unknown unknowns“-Zitat.
  • Der belgische Regisseur Johan Grimonprez lässt seinen Film „Double Take“ (2009) mit Rumsfelds Zitat enden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. DoD News Briefing – Secretary Rumsfeld and Gen. Myers (Defense.gov News Transcript, United States Department of Defense (defense.gov))
  2. David A. Maluf , Yuri O. Gawdiak , David G. Bell: On Space Exploration and Human Error: A paper on reliability and safety. (Hawaii International Conference on Systems Science. Hilton Waikoloa Village, HI, 3. - 6. Januar 2005)
  3. Days that shook the world, Oliver Burkeman, book review in The Guardian 2007
  4. A Point of View: See no evil 10. Januar 2014
  5. Kursbuch 180: Nicht wissen (not knowing (sic!)), Armin Nassehi, Peter Felixberger Murmann Verlag DE, 2. Dezember 2014
  6. Big Data, Small World: Kirk Borne at TEDxGeorgeMasonU
  7. Mark Steyn: Rummy speaks the truth, not gobbledygook. (9. Dezember 2003, Daily Telegraph)
  8. Politik-Geschwafel „… es gibt auch unbekannte Unbekannte …“ (www.sueddeutsche.de, 1. Dezember 2002)
  9. Geoffrey K. Pullum: „Language Log: No foot in mouth“ (2. Dezember 2003, University of Pennsylvania - Language Log)
  10. John Quiggin: In Defense of Rumsfeld. (10. Februar 2004)
  11. Slavoj Žižek: What Rumsfeld Doesn't Know That He Knows About Abu Ghraib.
  12. Knowns and Unknowns in the `War on Terror': Uncertainty and the Political Construction of Danger, Christopher Daase and Oliver Kessler, Security Dialogue, December 2007; vol. 38, 4: pp. 411–434.
  13. The Poetry of Donald Rumsfeld