Notbremse (Fußball)

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Erklärung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Notbremse (im österreichischen Raum auch Torraub) wird im Fußball das Verhindern einer klaren Torchance durch einen Regelverstoß bezeichnet. Dieses Vergehen wurde bis zum 31. Mai 2016 immer – unabhängig von der Härte des Foulspiels – mit einem Feldverweis auf Dauer (einer Roten Karte) bestraft. Seit der Modifikation der Fußballregeln zum 1. Juni 2016 wurde die Rote Karte in bestimmten Fällen durch eine Gelbe Karte ersetzt.

Keine Notbremse im Sinne der Regeln ist es - auch wenn ein Verstoß gegen die Regeln vorliegt -, wenn

  • es sich um ein „technisches“ Vergehen handelt, hier kommt vor allem die Ballberührung des Torwarts mit der Hand vor, obwohl ihm dies nach der „Rückpassregel“ untersagt wäre oder
  • ein Tor gar nicht hätte erzielt werden können, also nach einem indirekten Freistoß, wenn der Ball noch von keinem anderen Spieler als dem Schützen berührt wurde oder nach einem Schiedsrichterball, wenn der Ball erst einmal berührt wurde.

Es ist die Aufgabe des Schiedsrichters zu entscheiden, ob eine klare Torchance vorlag. Entgegen der weit verbreiteten Meinung ist nicht ausschlaggebend, ob der foulende Spieler der „letzte Mann“ (also der der eigenen Torlinie am nächsten stehende Feldspieler oder der Torwart) ist und wo sich der Ball im Moment des Regelverstoßes befindet. Die Ballposition und die Stellung der übrigen Spieler liefern hier zwar Anhaltspunkte, sind aber für die Tatsachenentscheidung nur Hilfskriterien.

Unabhängig davon, ob eine Notbremse vorliegt oder nicht, richtet sich die Spielfortsetzung immer nach dem Vergehen, in Betracht kommen also Strafstoß, direkter und indirekter Freistoß. Sofern keine Notbremse vorliegt, sind selbstverständlich andere persönliche Strafen, insbesondere die Verwarnung nach einer Unsportlichkeit, möglich.

Weitere Folgen einer Notbremse im Strafraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 1. Juni 2016 führt eine Notbremse im Strafraum, von einer letzten Ausnahme abgesehen, immer zu einem Strafstoß. Lediglich wenn ein Spieler (kein Auswechselspieler) das Spielfeld ohne Zustimmung des Schiedrichters das Spielfeld betritt und dann den Ball so spielt, dass damit eine klare Torchance verhindert wird, ist (noch) auf indirekten Freistoß zu entscheiden.

Dennoch ist nicht mehr in allen Fällen zusätzlich zur Spielstrafe (Strafstoß oder Freistoß) mit einer Roten Karte zu ahnden. Eine Gelbe Karte reicht aus, wenn

  • der Regelverstoß im Strafraum stattfand,
  • um den Ball gekämpft wurde und
  • der Regelverstoß nicht per se mit einer Roten Karte zu ahnden ist.

Damit wurde klargestellt, dass sowohl Handspiele als auch vermeintlich harmlose Fouls wie Halten oder Schubsen, da eben kein Kampf um den Ball erfolgt, weiterhin mit einer Roten Karte zu ahnden sind. Selbst bei einem Kampf um den Ball darf nicht auf die Rote Karte verzichtet werden, wenn nach Auffassung des Schiedsrichters ein regelkonformer Ballkontakt gar nicht möglich war, der Ballkontakt also nur durch eine Regelübertretung erreicht werden konnte.

Kritik („Dreifachbestrafung“)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem 1. Juni 2016 führte die Regellage nach Auffassung einiger Akteure, so u.a. des DFB, der hier auch schon einen Änderungsantrag bei dem IFAB eingereicht hatte, zu einer „Dreifachbestrafung“ nach einer Notbremse im Strafraum: Strafstoß (1) – und somit meist zu einem Tor, einem Feldverweis auf Dauer (2) und in dessen Folge zu einer Sperre (3).[1] (Oftmals wird die Sperre dabei nicht mitgezählt und das gesamte Konzept auch als „Doppelbestrafung“ bezeichnet.) Das International Football Association Board leitete auf seiner 129. Jahresversammlung am 28. Februar 2015 „Schritte zur Änderungen der Dreifachbestrafung“ ein, da diese „zu hart“ sei. Ein Antrag der UEFA, der eine gelbe statt einer roten Karte vorsah, wurde abgelehnt.[2]

Auf der anderen Seite wurde argumentiert, dass dieses Vorgehen lediglich konsequent den Regeln entspricht: Ein Foul im Strafraum folgt zu einem Strafstoß (als Wiedergutmachung für die entgangene Torchance) und eine Notbremse folgt zu einem Feldverweis auf Dauer (als persönliche Strafe für den Täter), bei dem die folgende Sperre lediglich die logische Konsequenz aus und eigentlich Bestandteil des Feldverweises sei. Ebenfalls wurde auf eine nach einer Änderung mögliche taktische Unfairness der Verteidiger aufmerksam gemacht: So könnte ein Verteidiger bei einer sogenannten „Hundertprozentigen“ einfach warten, bis der Angreifer im Strafraum ist und ihn dann foulen – dies würde einen Strafstoß aber keine Rote Karte nach sich ziehen und sollte der Elfmeter gehalten werden, wäre die verteidigende Mannschaft mit einem Vorteil aus dem regelwidrigen Verhalten des Verteidigers herausgegangen.

Zu beachten war zudem, dass - unabhängig davon, ob eine klare Torchance vorliegt oder nicht - abhängig von der Art des Regelübertretung, insbesondere also bei einem besonders harten Foul, auch künftig eine Rote Karte zu zeigen wäre, was dann für größere Interpretationsschwierigkeiten hätte sorgen können.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Spiegel Online: Umstrittene Regel: Dreifachbestrafung bleibt vorerst bestehen, 28. Februar 2015, abgerufen am 20. März 2015.
  2. FIFA: IFAB leitet Schritte zu Änderungen der 'Dreifachbestrafung' ein, 28. Februar 2015, abgerufen am 20. März 2015.

siehe auch: Fußballregeln